Er geht ein wenig anders an die Dinge heran. Sieht Chancen statt Risiken. Und packt an. Als Mensch genauso wie als Bio-Landwirt.

Martin Schleyer hat sich als ehrenamtlicher Helfer einen Namen im Landkreis Kitzingen gemacht. 2005 ist er spontan nach Sri Lanka geflogen, um den Tsunami-geplagten Menschen beim Wiederaufbau zu helfen. Mit im Gepäck: eine Werkzeugkiste mitsamt Motorsäge. Nach drei Monaten kam er zurück nach Deutschland. Seither unterstützt er Jahr für Jahr gemeinnützige Organisationen. In diesem Jahr gehen 7000 Euro an soziale Projekte in Indien, Bolivien und Peru. „Wir erwirtschaften genug, um spenden zu können“, sagt der 39-Jährige, der sicher nicht zu den großen Land- oder Tierbesitzern im Landkreis Kitzingen gehört.

18 Milchkühe hat Schleyer. 60 bis 80 Hühner und 40 Hektar Land. „Das reicht, um uns zu ernähren“, sagt er. Uns: Das sind vier Kinder, seine Lebensgefährtin Jeannette Kähler und seine Eltern. Vater Schleyer schafft auch mit 66 Jahren noch fleißig mit. Die Kinder sind dabei, wenn Kartoffeln geerntet oder die Hühner im selbst gebauten mobilen Stall gefüttert werden. Und Jeannette Kähler schaut im Hofladen nach dem Rechten, wann immer die Zeit es zulässt. Hauptberuflich ist sie als Krankenschwester auf einer Intensivstation tätig.

Die Selbstbedienungsscheune hat Martin Schleyer mit seinen Eltern vor vier Jahren eröffnet. Ein Schild an der Straße weist auf den einfachen Verkaufsraum mit angegliedertem Lager hin. In einer Truhe befinden sich die biologisch angebauten Kartoffeln, auf einer Anrichte gibt es – je nach Saison – weitere Produkte: Kürbisse und Quitten, Meerrettich und Rote Beete sind es im Moment. „Bezahlen ist Vertrauenssache“, sagt Schleyer. Und das ist bislang nicht missbraucht worden. Die Kunden werfen die Münzen und Scheine zuverlässig in eine bereit stehende Kasse.

„Wir haben 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche auf“, sagt Jeannette Kähler, die sich gut vorstellen kann, mehr Zeit in die Landwirtschaft zu investieren.

„Die Leute fragen immer mehr nach Bio-Produkten.“
Martin Schleyer, Bio-Landwirt aus Repperndorf

Kartoffeln, Zwiebeln, Mehl: Das sind die Produkte, die in der Scheune vorrangig angeboten werden. „Wir wollen das Sortiment ausbauen“, sagt sie. Nach und nach wollen die beiden den Anbau und Verkauf verschiedener Gemüsesorten probieren. Und damit nicht genug: Spätestens 2022 wollen sie – neben der bisherigen Scheune – einen neuen Hofladen eröffnen. 40 Quadratmeter Ladenfläche, genauso viel für eine Küche und Lagerraum. Apfel- und Quittensaft aus eigener Produktion, Sauerkraut aus dem Fass, Blumenkohl, Brokkoli, Karotten, selbst gemachtes Knäckebrot, Joghurt aus eigener Biomilch, kreative Brotaufstriche: An eigenen Produkten soll es in dem neuen Laden nicht mangeln. Daneben sollen Produkte anderer Biolandwirte aus der Region angeboten werden: Öl, Essig, Nudeln und vieles mehr.

Dass die Nachfrage vorhanden ist, davon sind die beiden überzeugt. „Die Leute fragen immer mehr nach Bio-Produkten“, sagt Martin Schleyer. Der REWE in Kitzingen hat er in diesem Sommer seine Biokartoffeln geliefert. Auch auf dem Herrmannshof in Repperndorf wurden sie verkauft. Die kleine Selbstbedienungsscheune in der Alten Reichsstraße wirft schon jetzt einen guten Gewinn ab. Jeannette Kähler hat allerdings beobachtet, dass sich manche Kunden gar nicht richtig in den Laden trauen. „Mit Ansprache wäre das halt etwas ganz anderes“, sagt sie.

Etwa 200 Meter Luftlinie von dem bisherigen Ort soll der neue Hofladen entstehen, den die beiden auch als Veranstaltungsort sehen. Im Winter könnten dort beispielsweise kreative Seminare stattfinden. Bastel- und Strickkurse kann sich Kähler vorstellen, gemeinsames Backen oder die Herstellung individueller Tee-Mischungen. „Unser Motto lautet immer: regional und miteinander“, erklärt Martin Schleyer und grinst. Mögliche Risiken will er gar nicht ausschließen. Aber vor allem sieht er die Chancen.