Man stelle sich vor: Ein Lehrer will nach einer überstandenen Erkältung zurück in den Schuldienst. Er will auf Nummer sicher gehen, die Kinder nicht in eine mögliche Ansteckungsgefahr bringen. Ein Selbsttest reicht nach der derzeitigen gesetzlichen Grundlage aus – aber Selbsttests sind alles andere als sicher. Also pocht der Lehrer auf eine größtmögliche Sicherheit, auf einen PCR-Test. Auf dessen Ergebnis wartet er mindestens 24 Stunden. Und an den Wochenenden ist kein Termin zu bekommen.

Von einer Regelungslücke spricht Schulrat Florian Viering, von einem Dilemma. Während die Schüler zweimal in der Woche mit den so genannten Pool-Tests auf Corona-Viren getestet werden, müssen ihre Lehrer die Tests selbst in die Hand nehmen. Dafür stehen ihnen Selbsttests zur Verfügung. Ob die jedoch ausreichen? Nach dem gültigen Rahmenhygieneplan an bayerischen Schulen wird jedenfalls die Vorlage eines negativen PCR- oder POC-Antigentests verlangt, wenn Lehrkräfte nach krankheitsbedingtem Fehlen – mit Erkältungssymptomen – wieder in die Schule kommen wollen. Diese Tests sind derzeit auch für Lehrkräfte nicht mehr kostenfrei. „Hier sollte nachgebessert werden“, wünscht sich Viering. „Wir wollen den Präsenzunterricht schließlich gewährleisten.“

Erkältungswelle rollt an

Im Kultusministerium reagiert man auf die Anfrage dieser Zeitung mit einer Klarstellung: Nach dem Abklingen von Erkältungssymptomen könne eine Lehrkraft ohne einen externen negativen Test wieder unterrichten, heißt es. Weist eine Lehrkraft dagegen nur leichte Erkältungssymptome auf, könne sie ebenfalls ohne Vorlage eines negativen externen Testergebnisses an der Schule unterrichten. Zu diesen Symptomen zählt Pressesprecher Andreas Tabbert Schnupfen oder Husten mit allergischer Ursache (Heuschnupfen), eine „verstopfte Nasenatmung“ (ohne Fieber) sowie gelegentliches Husten, Halskratzen oder Räuspern. Einen Test unter Aufsicht müssen die Lehrer – im Gegensatz zu ihren Schülern – nicht durchführen. Sie müssen „nur“ versichern, dass sie kein Corona haben.

Florian Viering sieht nach wie vor eine Regelungslücke und geht davon aus, dass das Kultusministerium nachsteuert. Mediziner warnen schließlich vor einer Erkältungswelle, die auf Deutschland zukommt. Das Robert Koch-Institut (RKI) berichtet in seiner neuesten Bekanntmachung von einem deutlichen Anstieg von Atemwegserkrankungen. Hochgerechnet auf die Bevölkerung in Deutschland hätten rund 5,3 Millionen Menschen in der Woche vom 4. bis 10. Oktober eine neu aufgetretene akute Atemwegserkrankung entwickelt. Vor allem Kleinkinder, Jugendliche und jüngere Erwachsene seien betroffen. Wie aus dem RKI-Bericht hervorgeht, seien vor allem Kinder von 0 bis 4 Jahren und Jugendliche beziehungsweise jüngere Erwachsene zwischen 15 bis 34 Jahren betroffen. Nicht nur akute Atemwegserkrankungen, sondern auch grippeähnliche Krankheiten seien laut Bericht auf dem Vormarsch.

Angespannte Personalsituation

Für die Schulämter in diesem Land ist das keine gute Nachricht. Ausfälle von Lehrkräften können dort nur sehr bedingt aufgefangen werden, die Personalsituation sei angespannt, gibt Florian Viering zu bedenken. „Wir können es uns nicht leisten, dass gesunde Lehrer zwei Tage nicht in den Unterricht gehen, weil sie auf das Ergebnis ihres PCR-Tests warten müssen“, sagt er und hofft auf Nachbesserungen aus dem Kultusministerium. Pressesprecher Andreas Tabbert verweist auf Ende dieser Woche. Dann läuft die bestehende Infektionsschutzverordnung aus. Möglich, dass Änderungen in Bezug auf die Lehrer in die neue Verordnung eingearbeitet werden.

Infos aus dem Kultusministerium, von den Hausärzten und aus dem Testzentrum

Das Kultusministerium: Für Lehrkräfte und sonstige an Schulen tätige Personen gelten dieselben Testvorgaben und Testmöglichkeiten (PCR- bzw. POC-Antigentestung durch fachmedizinisches Personal oder Durchführung zur Verfügung gestellter Selbsttests) wie für die Schülerinnen und Schüler mit der Maßgabe, dass ein Selbsttest auch außerhalb der Schule und ohne Aufsicht vorgenommen werden kann, wenn die Person versichert, dass das Testergebnis negativ ausgefallen ist. Die Lehrkräfte und sonstige an Schulen tätige Personen sind angehalten, die Testvorgaben ordnungsgemäß und zuverlässig zu erfüllen, um dadurch einen möglichst sicheren Präsenzunterricht zu ermöglichen.

Die Hausärzte: „Es gibt zur Zeit viele grippale Infekte und auch gehäuft virale Durchfallerkrankungen“, teilt Hausarztsprecher Dr. Michael Bedö auf Anfrage mit. „Wir bemühen uns, die Patienten mit Infektionen in die Infektsprechstunde (später Vormittag und später Nachmittag) einzubestellen, damit die Patientengruppen zum Infektionsschutz getrennt bleiben. Nur leicht erkrankte Patienten, die nicht in die Praxis kommen wollen, werden vom Arzt telefonisch krankgeschrieben.“

Bei fast allen Patienten mit grippalem Infekt werden SARS-Cov-2-PCR Abstriche durchgeführt. Auch doppelt geimpfte aber kranke Patienten bekommen einen PCR-Abstrich. „Wir Hausärzte bekommen den PCR Befund meist erst nach 48 Stunden“, erklärt Dr. Bedö.

Die Corona Schnellteste werden bei symptomatischen Patienten nicht mehr von der Krankenkasse beziehungsweise vom Bayerischen Staat vergütet, die sogenannten „Bürgerteste“ wurden abgeschafft. „Daher sind Schnellteste, im Gegensatz zu den PCR Tests, für uns in der Hausarztpraxis bei symptomatischen Patienten kein Instrument mehr“, so der Mainbernheimer Hausarzt.

Im Testzentrum des BRK dürfen symptomatische Personen nicht getestet werden. „Sie müssen an den Hausarzt verwiesen werden“, teilt Geschäftsführer Felix Wallström mit. Ausgenommen sind sogenannten „Schnupfenkinder“, die eine Kita besuchen möchten. Diese Kinder dürfen im Testzentrum getestet werden.