Sigurd Herrmann sieht sich als Quereinsteiger. Seine Schwester dagegen zwar den graphischen Beruf Mediengestalterin gelernt und anschließend Mediendesign studiert. Sie arbeitet als Creative Director – aber sie wollte die Firma nicht übernehmen. Streit wegen der Übernahme gab es also nicht. Sind sich Geschwister uneins, kann das in Familienbetrieben leicht zu finanziellen Schwierigkeiten für den Nachfolger führen.
Die Übergabe des Unternehmens war gut vorbereitet. Durch den Steuerberater, der das Thema schon früh ansprach und auf eventuelle Fallstricke hinwies. Durch Eigenrecherche und das Internet, durch den Bankberater. Werner Zürlein kennt sich mit dem Thema aus. Seit 14 Jahren ist er Firmenkundenbetreuer bei der VR Bank Kitzingen. Mindestens einmal jährlich spricht er mit jedem Kunden ausführlich und geht dabei das Thema Nachfolge frühzeitig an. „Je näher der kritische Zeitpunkt kommt, desto mehr rückt das Thema in den Mittelpunkt.“ Auch Zürlein spricht von einem langfristigen Prozess. Das Wichtigste für ihn: „Der Unternehmer muss wissen, wo er hin will.“ Will er innerhalb der Familie übergeben oder außerhalb, will er das Anlagevermögen behalten, will er weiter in der Unternehmensführung bleiben? Auch ist nicht immer schnell ein Käufer gefunden. Laut Zürlein hängt das von unterschiedlichen Aspekten ab: Größe und Qualität des Betriebes, Branche, Standort, Angebot.
Die Herrmanns haben Eigentum und geschäftliche Verantwortung nicht getrennt. Der Vater hätte den Betrieb als Inhaber behalten und den Sohn als Geschäftsführer einsetzen können. Sigurd Herrmann findet es einfacher, diese beiden Bereiche bei einer Person zu lassen: „Man ist verantwortlich für das, was einem gehört.“
Nachdem klar war, dass der Junior den Betrieb übernimmt und die Weichen gestellt waren, hätten Siegfried und Sigurd Herrmann die Übergabe von einem Tag auf den anderen machen können. Der Vater war ja noch greifbar, hätte als Berater fungieren können. Doch diese Lösung wollten beide nicht. „Wir haben das ganz bewusst auf zwei Schritte gemacht: Die erste Hälfte 2008, die zweite 2010.“ Mehrere Jahre standen also beide gemeinsam in der Verantwortung. Als „nach innen und außen gerichteten sanften Übergang“ bezeichnet das Sigurd Herrmann. Er sieht das auch im Nachhinein als die richtige Lösung an. Sowohl für die Kunden, als auch für ihn und seinen Vater. „Das Loslassen können und das Zupacken wollen ist gleich schwer, und es ist gleich viel wert.“
Beratung und Hilfe
IHK: Die IHK hat ein Servicepaket zum Thema Nachfolge neu strukturiert. Sie bietet Informationen, bringt Übergeber und Übernehmer zusammen, zeigt Finanzierungswege auf, bietet Coaching für Senioren und Junioren und schafft Netzwerke.
Ansprechpartner für das Thema Unternehmensnachfolge in der IHK Würzburg-Schweinfurt: Cornelia Becker-Folk, Tel. 0931/4194-383, E-Mail: cornelia.becker-folk@wuerzburg.ihk.de und Dr. Sascha Genders, Tel. 0931/ 4194-373, E-Mail: sascha.genders@wuerzburg.ihk.de oder im Internet unter www.wuerzburg.ihk.de/nachfolge
Seminar: Das nächste IHK-Seminar „Geschäftsnachfolge richtig gestalten“ findet am 15. Oktober von 14 bis 17 Uhr in der IHK Würzburg statt; Steuerberater und Rechtsanwalt Dr. Hubert Humm beleuchtet unter anderem Neuerungen des Unternehmenssteuerrecht, der Erbschafts- und Schenkungssteuer, die Methoden der Unternehmensbewertung und die Möglichkeiten der Unternehmensübertragung. Anmeldeschluss ist der 8. Oktober 2014. Infos: Daniela Issing, IHK, Tel. 0931 4194-302, E-Mail: daniela.issing@wuerzburg.ihk.de
HWK: Das Thema Unternehmensnachfolge umschließt alle Themen der Beratungsleistung der Handwerkskammer.
Dazu gehören die Betriebsbörse, betriebswirtschaftliche Beratung, technische Beratung, Umwelt- und energetische Beratung, Rechtsberatung und Ausbildungsberatung. Dieses Angebot ist für alle Handwerker unentgeltlich und findet unter anderem im persönlichen Gespräch auch vor Ort statt. Der für Kitzingen zuständige betriebswirtschaftliche Berater ist Peter Urbansky, Tel. 0931/30908-1161, E-Mail: p.urbansky@hwk-ufr.de
Banken und Sparkassen: Firmenkundenberater bei Banken und Sparkassen stehen für die finanziellen Aspekte der Beratung zur Verfügung. Sie können durch Weitervermittlung auch dabei helfen, den Kontakt zu geeigneten Nachfolgern zur knüpfen.