„Dabei hieß es früher, dass die Krankheit nach dem 45. Lebensjahr nicht mehr auftreten könne“, sagt sie und muss schmunzeln. Längst ist klar, dass MS nichts mit dem Alter zu tun hat. In der Selbsthilfegruppe sind Mitzwanziger genauso vertreten wie Rentner.
Heilung bei MS gibt es nicht: Die Unsicherheit ist Teil des Lebens
„Die Medizin hat enorme Fortschritte gemacht“, sagt Heike Rickel. Dennoch: Eine Heilung gibt es nicht. Wer MS hat, der muss sein Leben darauf einstellen. Wann ein neuer Schub kommt – und mit welcher Intensität – lässt sich nicht vorhersagen. Die Entzündungsherde können im Gehirn und im Rückenmark an unterschiedlichen Stellen aufflammen. „Ich kann morgen nach einem Schub aufwachen und dauerhaft auf einen Rollstuhl angewiesen sein“, sagt Martina Ondreka. Die Unsicherheit wird zu einem Teil des Lebens.
Heike Rickel hatte 2002 ihren ersten großen Schub. „Wir hatten gerade unser Haus gebaut“, erinnert sie sich. „Natürlich nicht behindertengerecht.“ Ein Jahr später hat sie zum ersten Mal Kontakt zur Selbsthilfegruppe aufgenommen. „Ich hatte ganz falsche Bilder im Kopf“, erzählt sie und muss lachen, weil sie so danebenlag. Kaum einer saß im Rollstuhl, fast alle sind herumgelaufen, haben viel erzählt und gelacht.
„Uns ist es ganz wichtig, dass auch die Angehörigen zu unseren Treffen eingeladen sind“, sagt die neue Vorsitzende. Die bräuchten, genauso wie die Betroffenen, eine Plattform, um sich auszutauschen, um über ihre Sorgen und Nöte zu reden. Aber vor allem: um Spaß zu haben. „So viel wie heute haben wir schon lange nicht mehr über unsere Krankheit gesprochen“, sagt Christa Schmitt und berichtet von vielen Freundschaften, die in der Selbsthilfegruppe entstanden sind. „Es gibt schwere Verläufe“, sagt sie. „Aber auch viele Betroffene, die mit der Diagnose gut leben können.“
Kontakt unter MS-Kranken hat durch Corona gelitten
Referenten werden zu den allmonatlichen Treffen eingeladen, einmal im Jahr geht es auf eine mehrtägige Fahrt, kleinere Ausflüge werden unternommen. Normalerweise. In Coronazeiten war all das nicht möglich. „Wir konnten uns seit März 2020 nur ein paar Mal treffen“, sagt Heike Rickel nachdenklich.
Für einige der rund 40 Mitglieder waren diese Monate besonders hart. Per Telefon wurde Kontakt gehalten, in einer Whats-App-Gruppe ließen sich Nachrichten hin- und herschicken. Dennoch: Der Kontakt zu den bisherigen Mitgliedern hat gelitten und neue Interessenten sind nicht hinzugekommen.
Die vier Vorstandsmitglieder hoffen, dass regelmäßige Treffen und Ausflüge bald wieder möglich sind, dass die Selbsthilfegruppe wieder Fahrt aufnimmt. Die Planungen für Veranstaltungen laufen bereits auf Hochtouren. Neue Mitglieder sind jederzeit gerne gesehen.
Kontakt: Heike Rickel, Tel. 09325/6792 oder Mail: heike-rickel@web.de sowie Martina Ondreka, Tel. 09323/5186.