Eine Kirche, alte Häuser und Keller, eine neue Siedlung, Straßen, Bäume, Wiesen und Felder – das Bild auf dem Plakat könnte jeden Ort im Landkreis Kitzingen darstellen. Und daher könnte auch jeder Ort, jeder Bürger, jedes Unternehmen und jeder Landwirt dazu beitragen, den Lebensraum für das Graue Langohr zu verbessern. Das Plakat und ein Flyer geben Anregungen, wie das gehen kann.

Treffpunkt am Wasen in Mainbernheim. „Wir stehen hier genau richtig“, sagt der Fledermausbeauftragte Christian Söder und deutet in verschiedene Richtungen. Der Altort mit seinen historischen Gebäuden und der Kirche ist nicht weit entfernt, die neu entstandenen Siedlungshäuser sind noch näher. Die Flur ist in Sicht, mit Feldern, Bäumen, Sträuchern und Hecken. Fast so wie auf dem Bild, das Markus Schmitt vom Landschaftspflegeverband Kitzingen auf einem großen Plakat in die Höhe hält. Die Männer haben eingeladen, um Plakat und Flyer vorzustellen und am Beispiel Mainbernheims zu zeigen, wie man Fledermäusen eine Heimat und Nahrung geben kann.

Eines von mehreren Projekten in Mainbernheim

Bis vor einigen Jahren befanden sich an dieser Stelle Kleingärten. Doch immer weniger Bürger nutzten die Fläche. Was also tun mit dem Areal? „Wir haben überlegt, dass man es ökologisch nutzen kann“, sagt Bürgermeister Peter Kraus. Die Fläche passt wunderbar in das Fledermausprojekt von Christian Söder und dem Landschaftspflegeverband, dessen Ziel es ist, die Flur für das Graue Langohr zu bereichern. 14 neue Streuobstbäume befinden sich nun auf dem Grundstück „im Spannungsfeld zwischen Altort und Siedlung“, wie Christian Söder es ausdrückt. Die Bäume tragen dazu bei, dass Insekten einen besseren Lebensraum und Fledermäuse Nahrung finden. Es ist nur eines von mehreren Projekten in Mainbernheim. Die Stadt hat auch 700 Quadratmeter Grund erworben, damit dort in diesem Frühjahr die Windschutzhecke Richtung Hoheim vervollständigt werden konnte. Die Hecke dient Fledermäusen als Leitstruktur und damit zur Orientierung, dort finden sie Insekten als Nahrung. Der Bürgermeister konnte die Stadträte schnell überzeugen, das Grundstück zu kaufen. „Endlich wird das Geld mal sinnvoll ausgegeben“, hätten die Räte gemeint, so Kraus. Zudem wurden auch an der Straße Richtung Rödelsee Streuobstbäume gepflanzt.

„Flächen wie die hier finden sich überall“, sagt Christian Söder. Er und Markus Schmitt hoffen, dass viele dem Mainbernheimer Beispiel folgen und mithelfen, den Lebensraum des Grauen Langohrs aufzuwerten, zumal sie damit auch Gutes für viele andere Tiere und für die Natur generell tun. Der Möglichkeiten gibt es viele und sie sind oft nicht schwer umzusetzen, zumindest wenn man sich mit dem Thema beschäftigt. Das Plakat und die Flyer, die in Ämtern, Schulen und Gemeinden ausgelegt werden, sollen helfen, dieses Wissen zu vermitteln und für das Thema zu sensibilisieren.

Das Graue Langohr bevorzugt Dachstühle von Kirchen, Pfarrhäusern und historischen Gebäuden, um dort im Sommer seine Jungen aufzuziehen. „Die Dächer dort sind kühl und nicht ganz dicht. Das ist wichtig für die Fledermaus“, erklärt Markus Schmitt. Wer dem Tier helfen will, muss das bei einer Sanierung berücksichtigen, denn wird das Dach abgedichtet, ist das Quartier für die Fledermaus verloren. In der insektenarmen Zeit überwintert das Langohr in alten, kühlen Kellern. „In Neubausiedlungen finden die Tiere so etwas nicht“, sagt Christian Söder und deutet auf die neuen Häuser neben der Wiese und den Streuobstbäumen. In der anderen Richtung, im Altort, dagegen schon. Dort haben die Mainbernheimer dem Fledermausprojekt auch einen solchen Keller zur Verfügung gestellt.

Eine wichtige Rolle spielt auch das Licht, und da funktioniert Fledermaus- und Insektenschutz auch in Neubausiedlungen. Wer genau hinsieht, kann auf dem Plakat verschiedene Beleuchtungskörper erkennen: Die Straßenlaterne, die rundum leuchtet, aber auch eine, die nur nach unten strahlt. Sie ist die bessere Alternative, denn rundum strahlendes, kaltweißes Licht zieht Insekten nachts an. Sie umkreisen das Licht, sterben vor Erschöpfung und sind damit als Nahrungsquelle für das Graue Langohr verloren. Ein Aspekt, den Gemeinden bei der Straßenbeleuchtung beachten sollten, aber auch Privatleute und Unternehmer bei der Beleuchtung ihrer Anwesen und Gärten.

Investition in die Zukunft – und auch in das Ansehen der Gemeinde

Markus Schmitt und Christian Söder suchen weitere Unterstützer, um gemeinsam Lebensräume aufzuwerten, Flächen für Wiesen und Baumpflanzungen sowie Landwirte, Winzer und Gemeinden, die mithelfen, das Graue Langohr zu retten. „Wir können anfangs unterstützen, aber wir können später die Arbeit nicht machen“, sagt Markus Schmitt dabei ganz klar. Das Mähen der Wiesen zum Beispiel, das einmal im Jahr anfällt. „Daher müssen wir Überzeugungsarbeit leisten.“ In Mainbernheim hat die schon gefruchtet. „Der Stadtrat ist sehr aufgeschlossen“, lobt Söder, „und das schon seit längerem“. Er hofft, dass andere Gemeinden nachziehen. „Das ist ja auch eine Investition in die Zukunft und ins Ansehen einer Gemeinde.“ Weil Artenschutz für immer mehr Menschen immer wichtiger wird.

Info: Wer will mithelfen, die Lebensräume aufzuwerten? Wer hat alte Gebäude oder Keller, in die das Graue Langohr einziehen kann? Wer besitzt Flächen, die für Wiesen und Baumpflanzungen genutzt werden können? Bürger, Gemeinden, Unternehmen, Kirchen, Schulen... alle sind aufgerufen, mitzuhelfen. Ansprechpartner ist Markus Schmitt, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes Kitzingen, Tel. 09321/928-6230, E-Mail: markus.schmitt@kitzingen.de