48 Kommunen hatten sich beworben, 33 wurden ausgewählt, sieben davon aus dem Landkreis Kitzingen: Das kostenlose Energiecoaching der Regierung von Unterfranken geht 2015 und 2016 in die nächste Runde. Wieviel letztendlich für die Gemeinde dabei herauskommt, ist fraglich. Rödelsee und Geiselwind, die das Programm bereits 2013 mitgemacht haben, zogen jedenfalls nicht gerade eine positive Bilanz: „Wir haben nichts Neues erfahren.“

150 000 Euro hat das Bayerische Wirtschaftsministerium im Förderprojekt „EnergieCoaching – Basis Unterfranken“ zur Verfügung gestellt, um den Kommunen aufzuzeigen, wie sie sich aktiv an der Energiewende beteiligen können. Die örtlichen Gegebenheiten sollen dabei einbezogen werden.

Sowohl der Rödelseer Bürgermeister Burkhard Klein als auch sein Geiselwinder Kollege Ernst Nickel hatten sich deutlich mehr vom Energiecoaching versprochen als am Ende dabei herauskam. „Bei uns ist überhaupt nichts angekommen“, sagt Klein. Weder in der Bevölkerung noch bei der Gemeinde konnten neue Projekte angestoßen werden. „Wir waren enttäuscht.“ Auch Nickel gibt dem Projekt keine allzu guten Noten, „höchstens eine Drei oder Vier“. Wenn die Regierung das Geld für andere Projekte der Gemeinden investiere, hätten diese mehr davon.

Ganz schlechtreden will Nickel die Sache allerdings nicht. Es sei schon etwas hängen geblieben, es habe Lösungsansätze gegeben. Wenn auch keine, auf die man nicht auch selbst kommen würde. Die Anregung, die Elektroheizung im Rathaus auszutauschen, sei nicht vergessen, aber die Umsetzung sei nicht so einfach. Finanzielle Aspekte müssten berücksichtigt werden und beispielsweise bei den Fenstern im Rathaus auch denkmalschützerische Belange.

Sowohl Geiselwind als auch Rödelsee waren bereits vor dem Coaching aktiv in Sachen Energieeinsparung. Seit 2004 wird in Geiselwind der Klärschlamm mit Sonnenenergie getrocknet. Es gibt Photovoltaikanlagen auf der Schule und der Kläranlage, eine Hackschnitzelheizung versorgt Schule, Kindergarten und Pfarrheim.

Auch Rödelsee hatte schon erhebliche Beträge in diesem Bereich investiert. Schulgebäude, Bauhof und Vereinshalle wurden mit Photovoltaikanlagen versehen, bei den Heizungsanlagen in Kindergarten und Rathaus tausende von Euro eingespart, die Straßenbeleuchtung umgestellt, die Schule energetisch saniert.

„Bedingt hilfreich“

Neue Anstöße erhielt die Gemeinde durch das Energiecoaching nicht. Der Vortrag zur Initialberatung, der die Rödelseer und Fröhstockheimer Bürger zum Mitmachen hätte animieren sollen, kam im Gemeinderat nicht gut weg und wurde im Sitzungsprotokoll als „nur bedingt hilfreich“ bewertet. „Das hätte einem jeder Handwerker erzählen können“, sagt Burkhard Klein. Anhand der aufgezeigten wenigen Möglichkeiten sei eine Umsetzung nicht zu verfolgen, aktuell nichts zu veranlassen, befanden die Gemeinderäte und bewerteten in einem Rückmeldebogen das Coaching durchweg negativ.

So heißt es denn auch im Evaluationsbericht der Rödelseer zu dem Projekt auf die Frage, was die Gemeinde aus ihrer Erfahrung heraus an dem Programm Energiecoaching ändern würde, schlicht: „Sehr vieles.“ Der Geiselwinder Bürgermeister Nickel nennt ein konkretes Beispiel: „Es wäre sinnvoll, das Programm an verschiedene Fördertöpfe zu koppeln.“ Denn die Information an sich, welche Förderungen es gibt, bekomme man auch im Internet.

Nach der ersten Runde konnten sich Gemeinden jetzt erneut für das für sie kostenlose Energiecoaching bewerben. Sieben aus dem Landkreis sind dabei: Biebelried, Mainstockheim, Marktsteft, Obernbreit und Sulzfeld können in diesem Jahr in das Coaching nutzen, Albertshofen und Buchbrunn im nächsten Jahr.

Die Einbeziehung aller örtlichen Gegebenheiten, die beim Energiecoaching versprochen werden, sehen für die einzelnen Gemeinden natürlich ganz unterschiedlich aus. So hat Sulzfeld eine gänzlich andere Struktur als etwa Biebelried oder Mainstockheim. Die vielen denkmalgeschützten Gebäude und die enge Bebauung bergen Nach-, aber auch Vorteile, wenn es um Energieeinsparung geht. „Bei uns ist oft Keller an Keller gebaut“, sagt Bürgermeister Gerhard Schenkel. Ein Blockheizkraftwerk, das mehrere Gebäude heizt, wäre da natürlich ideal. Doch es sei Überzeugungsarbeit notwendig, damit die Bürger sich zu so einer Investition entschließen. „Man muss die Informationen immer wieder nachhaltig unter die Leute bringen.“

Der Denkmalschutz setzt der Gemeinde beim Engagement in Sachen Energie allerdings Grenzen. Photovoltaikanlagen sind im Altort nicht zugelassen, zum einen weil sie einen gewerblichen Hintergrund haben, zum anderen aus optischen Gründen. Die größten Gebäude wie Rathaus und Kirche sind Denkmäler von hoher Qualität, sie scheiden für Solaranlagen aus. Bei den anderen Gebäuden im Altort gilt es passende Lösungen für Solaranlagen zu suchen, eine Handreichung der Denkmalpfleger zeigt Möglichkeiten auf. Mit einer Umrüstung der Straßenbeleuchtung mag Schenkel sich noch nicht so recht anfreunden, zumal in Sulzfeld Gelblicht verwendet wird. „Das ist eine ganz andere Lichtqualität und Technik.“

Der Bürgermeister geht das Energiecoaching so kurz nach der Zusage für seine Gemeinde ganz entspannt an. „Wir lassen uns jetzt erst einmal genauer informieren.“ Erwartungen hat er trotzdem: „Vielleicht wird ja doch das eine oder andere Projekt angestoßen.“ Eine Hoffnung, die sich in Rödelsee und Geiselwind nicht erfüllt hat.