Jeder Tag ist anders. Niemals weiß sie, was genau auf sie zukommen wird. Christina Schürger gefällt das. Sie hat ihren Traumjob gefunden. Die 27-Jährige ist Ärztin an der Klinik Kitzinger Land.

Psychologin? Mathe-Lehrerin? Auch das hätte sich die junge Frau aus Prichsenstadt vorstellen können. Dann hat sie einen Studienplatz für Medizin in Würzburg bekommen. „Ich habe es nie bereut, die 13 Semester bis zum Abschluss zu absolvieren“, sagt sie. Allgemein-Medizinerin will Christina Schürger werden, ihr Hausarzt dient ihr als Vorbild. Jetzt gilt es erst einmal Erfahrungen zu sammeln. 

Ein gutes Miteinander ist bei dieser Arbeit wichtig

Seit September letzten Jahres ist sie Teil des Kitzinger-Klinik-Teams. „Teamwork wird hier groß geschrieben“, freut sie sich. Ob Kollegen oder Krankenschwestern: Ansprechpartner gibt es immer. „Ein gutes Miteinander ist bei dieser Arbeit aber auch wichtig“, sagt sie.

Der Einstieg ins Berufsleben war intensiv. Christina Schürger wurde gleich auf der Covid-Station eingesetzt. Hier werden diejenigen Patienten behandelt, die nicht auf die Intensivstation müssen, die nicht ständig beatmet werden müssen – die aber dennoch auf eine durchgängige Betreuung angewiesen sind. „Von neun Zimmern waren durchschnittlich sechs belegt“, berichtet sie. Am Anfang wurden vor allem ältere Patienten eingeliefert, ab dem Frühjahr 2021 auch gelegentlich jüngere Patienten.

Zu tun gab es genug: Die Sättigung im Blut messen, die Atmung und den Blutdruck überwachen, die Daten in die digitale Patientenakte eintragen und die Diagnosen mit den Oberärzten besprechen. Die meisten Patienten litten unter Atemnot und bekamen Sauerstoff. Vor jedem Besuch im Krankenzimmer musste der Schutzanzug angelegt werden.

„Die Arbeit ist ungemein vielfältig“, sagt die 27-Jährige und verteidigt die akribische Erfassung von Daten, die einen Großteil der Arbeitszeit einnimmt. Jeder Behandlungsschritt, jedes Gespräch mit den Angehörigen wird dokumentiert. „Natürlich ist das zeitlich sehr fordernd“, sagt sie. „Aber dafür kann ich auf ganz viele Daten zurückgreifen, wenn ich einen Fall übernehmen muss.“

Schlechte Diagnosen zu überbringen, ist nicht leicht

Zwei „Innere Abteilungen“ gibt es in der Klinik Kitzinger Land. Die Kardiologische Station für Herzerkrankungen und Lungenerkrankungen und die Gastroenterologische Station, auf der Patienten mit Erkrankungen im Magen-Darm- und Verdauungstrakt behandelt werden, zu der auch die onkologische Abteilung gehört. Hier kümmert man sich um Menschen mit Krebserkrankungen, hier müssen Ärzte und Schwestern auch vermehrt mit harten Schicksalen umgehen. „Krebserkrankungen können einen schon mitnehmen“, gesteht die junge Ärztin. „Natürlich ist es nicht leicht, einem Patienten eine schlechte Diagnose zu überbringen.“ Zwar gibt es im Studium Seminare, die zukünftige Ärzte auf solche Momente vorbereiten sollen. „Aber in der Praxis sieht das ganz anders aus.“

Auch in solchen Situationen wird die junge Ärztin nicht allein gelassen. Ein erfahrener Oberarzt ist bei aufwühlenden Gesprächen oft mit dabei. Und dann gilt es, diese Bilder und Schicksale nicht mit nach Hause zu nehmen. „Auch da hilft der Austausch“, sagt Christina Schürger. 

Nach einem Jahr in der Klinik Kitzinger Land ist bei Christina Schürger trotz all der Unwägbarkeiten und Abwechslung längst so etwas wie Routine eingekehrt. Sie hat Patienten mit Schlaganfällen und Herzinfarkten in der Notaufnahme betreut, hat Menschen erlebt, die Blut spucken oder "Herzschmerzen" haben. „Da kommt alles rein, was man sich vorstellen kann“, erzählt sie und lächelt.

Mit den Krankenhaus-Serien, die im Fernsehen laufen, habe der Alltag in der Klinik dann aber doch wenig bis gar nichts zu tun. „Ich bin immer noch ein leidenschaftlicher Fan von 'In aller Freundschaft'“, sagt Christina Schürger. "Auch wenn es natürlich weit von der Realität entfernt ist." Die Wahrheit sieht ganz anders aus. Aber keinen Deut langweiliger.