Mit dem Blut ist es wie mit vielem anderen im Leben: Erst wenn es fehlt, fällt es auf. Nach dem Corona-Frühling vermeldet der Blutspendedienst Bayern mit einer Kampagne zum Weltblutspendetag am 14. Juni einen deutlichen Spendenrückgang. Dramatisch ist die Lage zwar noch nicht, sagen die Experten. Der Appell lautet aber trotzdem: „Wir brauchen Ihr Blut.“

Diese Aussage könnte zum Beispiel von Dr. Thomas Rötzer, Verantwortlicher Arzt für Transfusionsmedizin an der Klinik Kitzinger Land, stammen. Pro Jahr werden dort rund 900 Blutkonserven verabreicht. Die Zahl sei relativ konstant, sagt der Oberarzt. Zu diesem Zeitpunkt des Jahres liege man allerdings noch unter dem Durchschnitt. Im Zuge des Krisenmanagements seien viele Operationen verschoben worden, so dass der Bedarf in diesem Bereich sank. „Inzwischen wird das OP-Programm wieder hochgefahren, so dass wir auch mehr Blutkonserven brauchen.“ Dabei haben sich die OP-Techniken nach der Jahrtausendwende deutlich verbessert. Bei vielen Eingriffen verlieren die Patienten deutlich weniger Blut, und wenn doch, gibt es inzwischen die Möglichkeit, dieses aufzufangen, aufzubereiten und dem Operierten wieder zuzuführen. So erklärt es sich, dass die Klinik vor 15 Jahren mit 1800 Blutkonserven doppelt so viele verbrauchte wie heutzutage.

„Fremdblut ist ein Transplantat, die Transfusion eine flüssige Organspende.“
Dr. Thomas Rötzer, Klinik Kitzinger Land

Heute werde ein Großteil, ganz unabhängig von OP-Plänen, in anderen Bereichen eingesetzt. Bei chronischer Blutarmut etwa, in der Unfallchirurgie natürlich, wenn ein Patient aufgrund einer schweren Verletzung viel Blut verloren hat. Aber auch in der Krebstherapie. Hier leiden die Patienten sehr oft unter Blutarmut, erklärt Dr. Rötzer. Das bedeutet, dass zu wenig rote Blutkörperchen in ihrem Blutkreislauf unterwegs und sie deshalb auf fremdes Blut angewiesen sind. „Natürlich muss man bei jedem Patienten individuell abwägen, ob eine Blutkonserve eingesetzt wird“, sagt der Mediziner. Es gebe viele Kriterien, die im Vorfeld zu beachten seien. „Fremdblut ist ein Transplantat, die Transfusion eine flüssige Organspende.“ Die Ärzte gehen möglichst behutsam und sparsam mit Blutkonserven um. Und trotzdem werden diese, aufgrund der vielen verschiedenen Einsatzgebiete, immer wieder knapp. Das Blutspenden ist demnach – Corona hin oder her – so wichtig wie eh und je. Bis zu 30 Prozent weniger Blut wurde in den letzten Jahren abgegeben, Winter und Frühjahr 2020 stehen für den traurigen Höhepunkt einer sich abzeichnenden Entwicklung.

„Die Menschen waren verunsichert, hatten vielleicht auch Symptome oder wollten sich nicht mit Covid 19 anstecken“, erklärt Patric Nohe, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit beim Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK). Die Politik habe zwar schnell reagiert und deutlich gemacht, dass die Blutspende-Termine weiterhin stattfinden dürften. Mit der Situation hatten aber trotzdem nicht nur die Blutspender, sondern auch die Organisatoren zu kämpfen.

„Firmentermine mussten ausfallen, das Blutspendemobil konnte nicht mehr fahren, wir durften nicht mehr in öffentliche Einrichtungen wie Gemeindesäle oder Schulen und Turnhallen.“ Nach einer kurzen Orientierungsphase stand das Krisenkonzept – und die Teams des Blutspendedienstes erlebten „eine großartige Welle der Solidarität“. Besonders gefreut hat sich Patric Nohe über die vielen, überwiegend sehr jungen Erstspender. „Das ist ein wichtiges Signal und lässt uns hoffen, dass dieser Trend sich fortsetzt.“ Schließlich musste der Blutspendedienst in den letzten Jahren immer wieder über sinkenden Zulauf klagen, bei gleichbleibenden Bedarf. „Der demografische Wandel macht auch vor uns nicht halt“, sagt Patric Nohe. Dabei reicht die Bandbreite beim Spender-Klientel vom 18-jährigem Erstspender bis hin zum 72-Jährigen Babyboomer. „Das Thema ist in allen Gesellschaftsschichten und Altersgruppen angekommen, das ist ein gutes Zeichen. Trotzdem liegt der Bedarf derzeit über dem Angebot. Das heißt für uns und auch für alle Menschen aus der spenderstarken Region Kitzingen: Nicht nachlassen.“ Der Sommer steht bevor, Ferienzeit und Badewetter beeinträchtigen traditionell die Bereitschaft, sich Zeit für die Blutspende zu nehmen. Dabei sei das größte Manko bei der Verwendung von Blutkonserven die eingeschränkte Haltbarkeit.

„Wir können daher keine riesigen Zentren bauen, in denen wir unendliche Vorräte an Blut lagern und nach Bedarf verteilen“, erklärt Patric Nohe. Auch Dr. Thomas Rötzer weißt darauf hin, dass es im Sommer durchaus zu Engpässen in der Versorgung mit Blutkonserven kommen kann - zum Beispiel begünstigt durch volle Autobahnen, auf denen vermehrt Verkehrsunfälle passieren. „42 Tage kann man eine Blutkonserve aufbewahren“, weiß der Transfusionsbeauftragte. Umso wichtiger, dass die angebotenen Termine des Blutspendedienstes auch angenommen werden – unabhängig von Sommerzeit und Krankheitswellen.

„Der demografische Wandel macht auch vor uns nicht halt.“
Patric Nohe, BRK

Dass die Lage sich zuspitzt kann schließlich niemand wollen. „Statistisch gesehen braucht jeder Dritte Mensch einmal im Leben eine Bluttransfusion“, sagt Patric Nohe. „Niemand weiß, ob er nicht irgendwann selbst in die Situation kommt.“ Er appelliert aber vor allem auch an die altruistischen Instinkte, die er in jedem Menschen vermutet. „Mit einer Blutspende bis zu drei Leben retten – das könnte doch für jeden Kitzinger Landkreisbürger eine gute Motivation sein, diesen unersetzlichen Dienst an der Gemeinschaft zu leisten.“ Egal welches Alter oder welche Blutgruppe. „Wir brauchen Blut. Gerne auch Ihres.“

Alles zur Blutspende

Voraussetzungen Blutspender müssen mindestens 18 und dürfen maximal 73 Jahre alt sein, müssen mindestens 50 Kilo wiegen und nach Ausfüllen des medizinischen Fragebogens und der Untersuchung des Arztes beim Blutspendetermin als gesund eingestuft werden.

Ablauf Die Blutspende an sich dauert nicht mehr als zehn Minuten, zuvor wird der Hämoglobin-Wert (Rote Blutkörperchen) im Blut gemessen und die Kreislauffunktion gecheckt. Im Anschluss sollte man sich eine Ruhezeit und einen kleinen, kostenlosen Imbiss gönnen. Erstspender müssen für Fragebogen und Untersuchung etwas mehr Zeit einrechnen.

Termine Die nächsten Blutspendetermine finden am Mittwoch, 17. Juni, von 17.30 bis 20.30 Uhr in der neuen Hauptschule in Marktbreit, am Donnerstag, 18. Juni, von 17 bis 20.30 Uhr in der Grundschule Sommerach, und am Montag, 22. Juni, von 17 bis 20.30 Uhr in der Karl-Knauf-Halle statt.

Weitere Termine im Landkreis Kitzingen und viele Informationen rund um das Thema Blutspende gibt es unter Tel. 0800 11 949 11 oder www.blutspendedienst.com