Das Eine ist die Nahversorgung. Das Andere die soziale Komponente. Seit Juni 2019 fehlte beides. Nun aber gibt es gute Neuigkeiten in Wiesenbronn: Am 2. Oktober gibt es einen Neustart. Der seit über einem Jahr geschlossene Krämerladen soll wieder zum lebendigen Dorfmittelpunkt werden.

Wer aktuell an der Kleinlangheimer Straße 1 vorbeikommt, staunt über emsiges Treiben. Zwei Cousinen – Christiane Pötzl (30) und Claudia Djuren (37) aus dem Wiesenbronner „Wehrwein-Clan“ – werden das Geschäft künftig gemeinsam leiten und sind schon jetzt tagtäglich vor Ort. Zusammen mit vielen freiwilligen Helfern haben sie die Wände gestrichen, die Fenster geputzt und die Regale geschrubbt. Und es ist noch jede Menge zu tun bis zur Neueröffnung des Ladens, in dem es – wie gehabt – nicht nur Lebensmittel und Alltagsgegenstände geben wird, sondern auch frische Bäcker- und Metzgerwaren (Brönner und Bausewein), eine Postfiliale und – das ist neu – wohl sogar eine kleine Kaffee-Ecke, „falls wir die Genehmigung dafür bekommen“.

Bürgermeister Volkhard Warmdt sieht sehr zufrieden aus. So klingt er auch: „Ich bin echt stolz auf Wiesenbronn“, sagt er. „Wie viele Freiwillige sich hier jeden Tag einfinden und helfen – das ist topp.“ Der Gemeinschaftsgeist freut auch die neuen Leiterinnen des Krämerladens ungemein: „Wir sind so glücklich, dass uns so viele Leute spontan und ehrenamtlich helfen“, sagt Claudia Djuren. „Unser Ziel ist es, dass der Krämerladen ein schöner Treffpunkt für die Einheimischen und die Bewohner der Dörfer rundherum wird.“

„Die größten Steine auf dem Weg dahin sind weggeräumt“, ergänzt Christiane Pötzl. Sie ist von Beruf Bäckereifachverkäuferin und hat bisher bei der Iphöfer Bäckerei Brönner gearbeitet. Zusammen mit ihrer Cousine Claudia Djuren hat sie schon als kleines Kind davon geträumt, einmal ein eigenes Geschäft zu eröffnen: „Am Esstisch der Oma haben wir früher immer davon geredet, dass wir ein gutes Team wären.“

Ganz selbstständig sind die Cousinen künftig zwar nicht, aber als angestellte Leiterinnen können sie dem Dorfladen auf jeden Fall ihren Stempel aufdrücken. Claudia Djuren, die bis dato im Büro und im Verkauf des Weinguts Roth gearbeitet hat, war von Anfang an Mitglied der Interessengemeinschaft, die das Ziel hatte, den Laden wieder zu beleben. „Allerdings habe ich anfangs überhaupt nicht daran gedacht, dass ich selbst das machen könnte.“ Mit der Zeit wurde der Krämerladen aber immer mehr zur „Herzensangelegenheit“, sagt Djuren. „Und als aus der IG der Vorschlag kam, ich könnte doch hier Verantwortung übernehmen, habe ich gedacht: Zusammen mit Christiane wäre das wirklich eine schöne Sache.“

Das Duo beriet sich nicht nur mit Bürgermeister Warmdt, sondern auch mit Edelgard Opfermann, die jahrzehntelang die gute Seele des Krämerladens war. „Edelgard hilft uns immer, wenn wir eine Frage haben. Ihr Herz für den Laden schlägt weiter und wir sind sehr froh, dass das so ist“, sagt Christiane Pötzl.

Auch Bürgermeister Volkhard Warmdt ist im Hintergrund sehr aktiv. „Es war und ist ganz schön viel Bürokratie zu erledigen“, stellt er klar. Zunächst hatte eine frühere Wiesenbronnerin, die die meiste Zeit in den USA lebt, das Haus in der Kleinlangheimer Straße 1 ersteigert. Ihr war jedoch vor allem an der Wohnung über dem Laden gelegen. „Als klar war, dass die Wiesenbronner ihren Krämerladen wiederhaben möchten, haben wir Gespräche geführt – Frank Ackermann war die treibende Kraft dabei“, berichtet Warmdt. Herausgekommen ist eine Eigentümer-Gemeinschaftslösung: Das Haus wurde notariell aufgeteilt, die Gemeinde wird das Erdgeschoss – den Laden – erwerben. „Wir haben zunächst eine Ausschreibung gemacht und festgelegt, wie wir uns die Zukunft des Geschäftes vorstellen und wie viel Pacht wir erheben: 500 Euro monatlich.“ Zudem galt es, eine UG – Unternehmergesellschaft – zu gründen. Deren Geschäftsführer ist der Bürgermeister; stiller Gesellschafter der „Krämerladen Wiesenbronn UG“ kann jeder werden, der mindestens 200 Euro investiert.

Volkhard Warmdt hofft, dass sich nicht nur viele Bürger an der UG beteiligen, sondern dass die Wiesenbronner und die Bewohner der umliegenden Gemeinden künftig verstärkt in Wiesenbronn einkaufen. „Der Laden lebt von seinen Kunden, das muss jedem bewusst sein.“

Christiane Pötzl und Claudia Djuren ist vor der Zukunft nicht bange. Sie haben bereits eine Metzgereifachverkäuferin eingestellt und eine Teilzeitkraft, weitere Mitarbeiter wollen sie vom Zuspruch der Kunden abhängig machen. „Wir merken ja jetzt schon ein bisschen, dass der Ort wieder zum Dorfmittelpunkt wird und dass viele Leute einfach mal vorbeischauen“, sagt Claudia Djuren. Christiane Pötzl ergänzt: „Wir freuen uns auf jeden und alles, was kommt, und sind unglaublich dankbar dafür, dass unsere Familien uns durch ihre Unterstützung die Möglichkeit geben, den Krämerladen wieder mit Leben zu füllen.“

Eröffnung: Ab dem 2. Oktober soll es zunächst Backwaren geben, spätestens im November soll der Krämerladen in der Wiesenbronner Ortsmitte dann komplett wieder offen sein: mit Bäcker- und Metzgertheke sowie Poststelle.