Rund 20 Kilometer weiter östlich hat Roland Zieracker etwa ein Drittel seiner Mannschaft beisammen. „Ich habe ein paar Helfer noch einfliegen lassen“, berichtet er. Seit Anfang der Woche läuft die Spargel-Ernte auf dem Spargel- und Beerenhof in Prichsenstadt. In der nächsten Woche soll auch die Erdbeer-Saison starten. Wie er das personell stemmen will? Zieracker hat bei Zeitarbeitsfirmen nachgefragt. Die hätten Personal, aber die Kosten sind ihm zu hoch. Ungelernte Arbeitskräfte will er nicht auf seinen Hof lassen, da fährt er lieber die Erntemenge zurück. „Das ist meine größte Horrorvorstellung“, sagt er. „Dass jemand von außen kommt und das Virus in den Betrieb einführt.“ Für die Helfer, die schon da sind, könne er bürgen. Die sind größtenteils unter sich, Einkäufe werden gruppenweise organisiert und auf dem Feld arbeiten sie mit dem nötigen Sicherheitsabstand.
Jürgen Heilmann sieht das ähnlich. Er hat schon ein paar Anrufe von Menschen bekommen, die auf dem Spargelfeld arbeiten wollen. An und für sich eine erfreuliche Entwicklung. Dennoch ist er skeptisch. Nicht nur aus gesundheitlichen Gründen. „Viele wissen nicht, welche Arbeit da zu leisten ist“, sagt er. Kommt die Sonne raus, wird zehn Stunden gearbeitet, ist es zu kalt, können es nur vier Stunden sein. „Der Spargel kennt auch keinen Samstag und Sonntag“, betont er.
Will heißen: Wer anpacken will, muss flexibel und tatkräftig sein. Bei Heilmann hat sich beispielsweise eine Frau gemeldet, die drei Stunden in der Woche Zeit hätte. „Das bringt mir gar nichts.“ Sein Lösungsansatz: Die willigen Arbeitskräfte in Rumänien rekrutieren, Flieger chartern, Corona-Test durchführen.
„Viele wissen nicht, welche Arbeit da zu leisten ist.“
Jürgen Heilmann
über die Spargelernte
Wer gesund ist, darf kommen und wird auf die Betriebe aufgeteilt. Dort seien Kontakte zu Menschen außerhalb der Erntegruppen so gut wie ausgeschlossen.
Der Einreisestopp für Erntehelfer, den die Bundesregierung am Mittwoch beschlossen hat, sei zu hart, kritisiert er. Ähnlich sieht das Roland Zieracker. „Erst passiert lange nichts und dann kommt der Shutdown innerhalb weniger Stunden.“ Der Deutsche Bauernverband fordert, dass der Einreisestopp so kurz wie möglich gehalten wird. In ganz Deutschland sind nach dessen Angaben jährlich rund 300.000 Saisonarbeitskräfte in der Landwirtschaft beschäftigt. Sie kommen überwiegend aus Osteuropa.
Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner räumte in einer Pressekonferenz ein, dass es bei manchen Waren im Lauf des Jahres Engpässe geben wird. Das Frühjahr ist nicht nur die Zeit der Spargelernte. Jetzt werden auch viele Gemüsesorten ausgesät. Etwa 30.000 zusätzliche Arbeitskräfte würden deshalb im März gebraucht, so Klöckner. Im Mai sogar 80.000.
„Ohne die Saisonarbeitskräfte aus Osteuropa geht gar nichts“, bestätigt Kai Fuchs, Geschäftsführer der Gartenbauzentrale Main-Donau e.G. in Albertshofen. Er macht sich deshalb auch nicht nur um den Spargel Sorgen, sondern denkt auch an Sorten wie Rhabarber, Gurken oder Zucchini, die in den kommende Wochen gesät werden müssten. „Wer kann so einen Job schon machen?“, fragt er und ergänzt: „So etwas muss man mögen und vor allem können.“ Die Helfer aus Rumänien und anderen osteuropäischen Staaten müssen nicht groß eingelernt werden. Etwaige Hilfskräfte aus Deutschland schon.
Vielleicht hilft ja der Lehrfilm, der gerade in Albertshofen entsteht. Zumindest beim Spargel. Roland Zieracker setzt lieber auf eine politische Lösung. Er hofft, dass die Einreisestopps für Saisonarbeitskräfte möglichst bald wieder aufgehoben werden. „Mitte April sollte wieder so etwas wie Normalität in diesem Land einkehren.“
Verkauf: Die Spargelsaison läuft in Unterfranken in diesen Tagen an. Der Verkauf ab Hof ist erlaubt, auch die Verkaufswagen und -stände an Straßen dürfen öffnen. Im Lebensmitteleinzelhandel wird Spargel aus Franken ebenfalls zu finden sein. Einzig die Gastronomie fällt derzeit als Abnehmer aus.
Wer seine Hilfe anbieten will, kann sich auf der Internetplattform www.daslandhilft.de informieren.
Die Helfer sind gefunden....!
Wer betont seit über einem Jahr, wie wichtig der Einsatz zum Wohl der Welt und der Menschen ist? Die jugendlichen Anhänger der „Fridays-for-Future“-Bewegung. - Nun könnte der selbstlose Nachwuchs zeigen, dass es ihm nicht nur darum geht, mittels Klima-Demos dauerhaft in den Genuss eines dreitätigen Wochenendes zu kommen. Stattdessen könnten die Jungen ihren Beitrag zum Gemeinwohl leisten und sich bei den Bauern zur Unterstützung melden. Denn auch abseits der Spargelernte, die einer gewissen Ausbildung und Erfahrung bedarf, gibt es auf den Bauernhöfen genug Arbeit, die auch von Jugendlichen aus der Stadt schnell erlernt werden kann. Außerdem könnte so mancher zu der Erkenntnis kommen, wo das Essen herkommt und mit wie viel Aufwand es verbunden ist, das Land mit Nahrungsmitteln zu versorgen. In Zeiten geschlossener Schulen böte das in Kombination mit Bewegung an der frischen Luft einen doppelten Gewinn für die umweltbegeisterte Jugend. – Also, mutig ans Werk…!
MfG