Das Kerngeschäft der Rebschule ist in Deutschland. Schmidt liefert die meisten Rebstöcke an Zwischenhändler. Noch lieber ist ihm aber der Onlinehandel. „Da bleibt mehr Gewinn bei uns hängen.“ Seit Jahren nimmt dieses Geschäft zu, ein Ende ist noch nicht abzusehen.
Abzusehen ist hingegen, dass Hartmut Schmidt nicht versuchen wird, in weitere Länder zu exportieren, solange der deutsche Markt so stabil und lukrativ bleibt. Und dass, obwohl Schmidt gute Erfahrungen mit dem Ausland gemacht hat. Besonders ins deutschsprachige Ausland liefert er schon heute.
Widerstandsfähig
Während das im EU-Land Österreich überhaupt kein Problem ist, sind beim Handel mit der Schweiz einige Dinge zu beachten. Man brauche ein Zertifikat, so etwas wie einen „Gesundheitsausweis“, um die Reben über die Grenze liefern zu dürfen. Hinzu kommt zusätzlicher Aufwand durch den Zoll. Lohnen tut sich das trotzdem: „In der Schweiz muss man fast doppelt so viel für eine Rebe zahlen.“ Der deutsche Markt ist deshalb für die Eidgenossen interessant.
Im März werden die Rebstöcke veredelt und bis in den August aufgezogen. Sie müssen gepflegt werden, gedüngt, gewässert und geschnitten. Auf Pflanzenschutzmittel kann Schmidt größtenteils verzichten – die Widerstandsfähigkeit der Weintrauben sei ja gerade das Hauptkriterium ihrer Auswahl.
Neues Projekt
Bis zu 13 Leute arbeiten in dieser Phase für Schmidt. Neben einem Festangestellten aus Brasilien und einem Saisonarbeiter aus Polen beschäftigt der Traubenexperte dann vor allem Hilfskräfte aus Obernbreit und Umgebung. Er gibt aber auch unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen die Chance, für ein paar Wochen in den Beruf reinzuschnuppern.
„Manchmal denke ich, das werden wir doch gar nicht alles los“, erzählt Schmidt mit Blick auf die vollen Gewächshäuser. Dicht an dicht stehen die Weinstöcke hier. Doch am Ende des Winters sei dann doch fast alles verkauft. Das Geschäft läuft.
Zum Abschluss führt Hartmut Schmidt noch zu seinem neuen Projekt. In einer Ecke stehen einige Stöcke. „Silvanertypen, Gutedeltypen, Burgundertypen und einige unbekannte Sorten“, schätzt der Experte. Die stammen weder aus der Ukraine noch aus Russland. Sie stammen aus einem Wald bei Obernbreit. „Die hat ein Jungwinzer beim Spazierengehen entdeckt.“ Völlig überwuchert und im schattigen Gestrüpp nach oben gewachsen, hat er einige Triebe abgeschnitten und zuhause vermehrt.
„Wahrscheinlich stammen die Reben noch aus dem 18. Jahrhundert“, sagt Schmidt. Einer Zeit, in der noch im gesamten Gebiet großflächig Wein gewachsen ist. Vor dem 19. Jahrhundert, seit Reblaus und Mehltau eine ständige Bedrohung darstellen. Dass die Reben noch gewachsen sind, deutet daraufhin, dass sie widerstandsfähiger gegen Schädlinge und Pilze sind als viele moderne Weinsorten. Er sei gespannt, was aus ihnen wird, sagt Schmidt. Ein Leuchten ist in seinen Augen zu sehen – die Sucht hat wieder zugeschlagen.