Das neue Auto muss angemeldet werden? Der Kinder-Reisepass ist weg? Der neue Bundestag soll heuer per Brief gewählt werden? Für all diese Erledigungen müssen die meisten Landkreisbürger nicht mehr persönlich in der zuständigen Behörde erscheinen. Und mit der BayernApp, die Digitalministerin Judith Gerlach gerade vorgestellt hat, sollen sie einfach vom Smartphone aus, über Verlinkungen zu mehr als 150 verschiedenen Online-Diensten und rund 6000 staatlichen und kommunalen Behörden, mit ihrer Gemeindeverwaltung kommunizieren können. Aber tun sie das auch?

Marktbreit hat seine eigene App

„Die Gemeinden sind noch sehr unterschiedlich aufgestellt“, räumte Judith Gerlach bei der Vorstellung der BayernApp ein. Sie kann selbstverständlich nur dort genutzt werden, wo die Stadt oder die Gemeinde den Service online anbietet – was längst nicht überall der Fall ist. Wer zum Beispiel über das digitale Bürgerportal der Anstalt für Kommunale Datenverarbeitung (AKDB) einen Antrag an seine Verwaltung schicken will, muss bei gerade einmal 214 (von über 2000) eingetragenen Kommunen und Landkreisen schon Glück haben, dass seine zuständige dabei ist.

Die Verwaltungsgemeinschaften (VGem) im Landkreis Kitzingen sind allerdings gut aufgestellt, wenn es um Bürgerportale und Online-Dienste geht. Mit der BayernApp sind die wenigsten schon in Kontakt gekommen – mussten es aber auch nicht. „Wir haben schon eine Bürger-App, die derzeit noch weiter ausgebaut wird“, erklärt die Geschäftsstellenleiterin der VGem Marktbreit, Kerstin Ebert, auf Anfrage. Mit der „Meine GemeindeApp“ könnten schon seit geraumer Zeit Daten übermittelt werden, zum Beispiel Wahlscheinanträge, Wasserzählerstände oder Schadensmeldungen. Zudem rufen die Bürger der Gemeinden Marktbreit, Marktsteft, Martinsheim, Obernbreit, Segnitz und Seinsheim dort Informationen wie den Abfallkalender oder Bekanntmachungen und Öffnungszeiten ab. Dieses breite Online-Angebot bestätigt die Aussage von AKDB-Pressesprecher Florian Kunstein, dass die bayerischen Kommunen im bundesweiten Vergleich weit fortgeschritten seien mit der Digitalisierung. „Zur BayernApp liegen uns vom Ministerium aber noch keine weiteren Informationen vor“, sagt Kerstin Ebert.

So geht es auch Dieter Pfister in der VG Kitzingen. Allerdings liefen bei ihm auch noch keine Anfragen von Bürgern auf. Nach wie vor können sie sich auf der Homepage der VG ins Bürgerportal einloggen – und dieses Angebot wird gerade in Corona-Zeiten rege genutzt. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sei die Zahl der Transaktionen in den ersten sechs Wochen 2021 um immerhin 40 Prozent gestiegen, die Zahl der Nutzerkonten habe sich im Verlauf des letzten Jahres sogar um 80 Prozent erhöht. Und so betreibt auch die VG Wiesentheid ein Online-Bürgerserviceportal, in welchem schon seit 2015 alle digitalen Behördengänge gebündelt sind. Dementsprechend müssen sich die Landkreis-Verwaltungen auch hinter den nächstgelegenen, großen Städten wie Würzburg und Nürnberg nicht verstecken. Während man in der unterfränkischen Regierungshauptstadt sogar schon seine Sprösslinge online in der Kita anmelden kann, hält die Plattform „Mein Nürnberg“ für ihre Nutzer die Möglichkeit bereit, online besonders schnell Formulare auszufüllen, weil die persönlichen Kontodaten gleich übernommen werden.

In Wiesentheid findet das Bürgerportal ebenfalls regen Anklang. Es sei direkt mit dem Bayernportal verbunden, sagt Geschäftsleiter Christian Sturm. „Die BayernApp scheint ein mobiles Abbild seines Vorgängers, des Bayerischen Behördenwegweisers, zu sein.“ Auch dort seien alle Verwaltungsleistungen aufgegliedert und mit einem direkten Link zu den Online-Diensten auf den Homepages der Verwaltungen versehen.

Zusätzliche Zugangsmöglichkeit

Das hat auch Matthias Mahr, in der VGem Iphofen für alles Digitale zuständig, festgestellt. „Bei der BayernApp handelt es sich einfach um eine zusätzliche Zugangsmöglichkeit zu den Bürgerportalen.“ Die Notwendigkeit will er der App nicht grundsätzlich absprechen. „Man kann eben vieles auch vom Smartphone oder Tablet erledigen“ . Ihm wäre es aber lieber wenn die Rahmenbedingungen dadurch erleichtert würden, dass zum Beispiel weniger Anträge in schriftlicher – und unterschriebener – Form eingereicht werden müssten und somit die Onlineausweis-Funktion erleichtert würde. Aus seiner Sicht steht und fällt die Nutzung der Onlinedienste für den Bürger, egal ob per App oder per Webbrowser, mit der praktikablen und sicheren Möglichkeit für den Bürger, Anträge zu stellen. Und natürlich mit dem Angebot an Leistungen, welche die Verwaltungen Online anbieten. Hier können die Kommunen im Moment aus verschiedenen Systemen wählen – und werden im schlimmsten Fall in wenigen Jahren alles wieder umstellen müssen, wenn es von staatlicher Stelle eine Vorgabe dafür geben sollte. Und das wird mittelfristig so kommen, ist sich Matthias Mahr sicher. Aktuell muss man noch persönlich erscheinen, wenn man den Personalausweis verlängern oder seine Trauung anmelden will. Die notwendigen Geburtsurkunden kann das glückliche Paar dafür aber immerhin schon online anfordern – gerne auch über die BayernApp. Archivfoto: Hartmut Hess

Digitale Behörde

BayernApp Sie bietet vom Smartphone aus Zugang zu Verwaltungsdienstleistungen und Zusatzfunktionen, wie zum Beispiel den Aufruf und die Übermittlung eines sicheren Kontaktformulars. Zudem hat man Zugriff auf sein persönliches BayernID-Postfach, mit dem man Benachrichtigungen und Nachrichten aus verschiedenen Themenbereichen lesen kann. Auf einer Karte zeigt die App alle BayernWLAN-Hotspots an. Bei der Entwicklung waren etliche BürgerInnen des Freistaats beteiligt. Die BayernApp ist im Google Play Store und im Apple App Store verfügbar.

Bürgerportale Viele Städte und Gemeinden, der Landkreis und alle seine Verwaltungsgemeinschaften haben inzwischen Bürgerportale eingerichtet, über die man Behördengänge auch von zu Hause aus erledigen kann.