Dungs ist 76, pensionierter Bauingenieur und lebt seit etwa zehn Jahren in Iphofen. In dieser Zeit hat er sich privat intensiv mit der Geschichte der Kelten beschäftigt. „Dass wir hier in der Gegend elf keltische Siedlungen hatten, wissen die Wenigsten,“ sagt er.

Er zeigt eine alte Aufnahme vom Keltenwall am Schwanberg. Auf dem alten Schwarz-Weiß Foto ist der Durchbruch am Wall zu sehen. Dungs deutet auf eine Steinformation. „Reste einer Pfostenschlitzmauer“, sagt er. „Das ist heute so gar nicht mehr zu erkennen“, fährt er fort und zeigt eine neuere Aufnahme. Und tatsächlich ist dort für das ungeschulte Auge nur ein Hügel mit Laub zu sehen.

Geschichte als Krimi

Die Begeisterung für die Geschichte ist Dungs anzusehen. Zu erkennen ist sie aber auch in seinem neuen Buch „Tod einer Keltin“. „Das ist ein Krimi“, erzählt Dungs. „Aber im Zentrum steht eigentlich die historische Realität: Wo und wie haben die Kelten gelebt? Was war wirklich?“

Die Idee für das Buch kam ihm bei einem Vortrag auf dem Schwanberg. „Am Ende kam dann einer zu mir und sagte: 'Das müsste doch mal wer aufschreiben.' Das war eigentlich der Auslöser.“ Einen vierwöchigen Krankenhausaufenthalt nutzte Dungs, um große Teile des Buches zu schreiben. „Im Krankenhaus ist es sonst ja auch fürchterlich langweilig“, sagt er mit einem Schmunzeln.

Die Geschichte in seinem Buch spielt um 200 vor Christus – zu einer Zeit also, als die Hochzeit der Kelten gerade ihrem Ende zu ging. Damals waren Kelten vom Schwarzen Meer bis zum Atlantik, von der Nordsee bis ans Mittelmeer über ganz Europa verteilt. Ihr Kerngebiet lag allerdings in Mitteleuropa – und somit im heutigen Franken. Nicht nur Ausgrabungen belegen das. Auch Ortsnamen wie Schwarzach oder Volkach verweisen auf keltischen Ursprung: „Ach“ ist keltisch für „Wasser“.

Handel und Handwerk

Die Kelten galten in der Antike als „Barbaren“. Volker Dungs sieht das anders – und damit ist er nicht alleine. Ausgrabungen zeigen, wie geschickt die Kelten tatsächlich waren. Feinste Gold- und Silberarbeiten; vor allem aber hervorragende Schwerter.

Das scheint auch der Hintergrund für die Besiedlung des Schwanbergs gewesen zu sein. Dungs zählt die Indizien auf: Hohe Schutzwälle, die Feinde abhalten sollten. Schwarze Erde und Schlackereste, die auf Schmelzen hinweisen. Und die nicht weit entfernt liegenden „Saulöcher“, die ehemalige Schürfgruben nach Rasen-Eisenerz sein könnten. Außerdem hat man auch knapp 50 Schwertrohlinge gefunden.

Waffen gehörten zum zentralen Handelsgut der Kelten. Sie waren Teil der „antiken Globalisierung“, die Waren schon in der Zeit vor Christus über den ganzen Eurasischen Kontinent verteilte. Dass die Kelten dennoch als Barbaren gelten, haben sie den Römern und Griechen zu verdanken. Da die Kelten selbst keine schriftlichen Aufzeichnungen machten, stammen viele Informationen aus der Feder der antiken Nachbarn aus dem Süden. Dass die nun eher schlecht über jene schrieben, denen sie in verschiedenen Kriegen gegenüberstanden, kann nicht überraschen. So kommt es, dass man sich heute, will man etwas über unsere keltischen Vorfahren erfahren, beim griechischen Gelehrten und Historiker Herodot bedienen muss, oder eben bei Volker Dungs aus Iphofen.