Im flackernden Licht der Kerzen tanzen Schatten an der Wand. Engelsgestalten, Rehe und Schafe drehen sich im Kreis. Ein rauchiger Duft erfüllt den Raum. „Das hat mich schon als Kind fasziniert“, erzählt Stefan Schneidmadel. „Ich bin ein großer Weihnachtsfan!“

Außerdem ist Schneidmadel Mitarbeiter im Städtischen Museum in Kitzingen. Er hat eine Ausstellung von Weihnachtspyramiden aus dem Erzgebirge organisiert – alle stammen sie aus seinen eigenen Beständen. „Dadurch steht bei mir zuhause in diesem Jahr nicht mehr ganz so viel“, sagt er und lacht. Trotzdem: „Meine Nachbarn wissen schon, wo sie das 'Weihnachtshaus' finden.“

Dutzende Pyramiden stehen im Ausstellungsraum des Museums. Die größten sind etwa einen Meter hoch, die kleinsten winzige Kunstwerke in Walnussschalen. Auch Räuchermännchen, Nussknacker und Schwibbögen gibt es zu sehen.

Dass die Pyramiden gerade aus dem Erzgebirge kommen, hat mit einem frühen Strukturwandel zu tun: „Früher gab es im Erzgebirge viel Bergbau“, erzählt Schneidmadel. „Wer zu alt für die Minen wurde oder verletzt war, versuchte auf anderem Wege sein Geld zu verdienen. Da es viel Holz gab, schnitzten und drechselten viele Männer.“ Um 1800 verschwanden die Minen fast vollständig. Was blieb, war das Holzhandwerk, dass sich zu einer kleinen Industrie entwickelte – vor allem zwischen Seiffen, Olbernhau und Neuhausen.

Die Weihnachtspyramiden, die im Museum zu sehen sind, sind jedoch jünger. Fast alle Exponate stammen aus der Zeit zwischen 1945 und 1990 – wurden also in den „Volkseigenen Betrieben“ der DDR hergestellt. Auch heute noch werden Pyramiden in der Region gebaut. „Sie sind aber viel weniger individuell als früher“, bedauert Schneidmadel.

Die Tradition selbst geht zurück bis ins Mittelalter: Zum Schutz vor Unheil um die Jahreswende hingen Süd- und Westeuropäer immergrüne Zweige auf. Nord- und Osteuropäer stellten Lichter auf. Die Weihnachtsdekoration geht auf die Verbindung beider Traditionen zurück. Während sich andernorts daraus der Weihnachtsbaum entwickelte, entstanden im Erzgebirge die Weihnachtspyramiden – und wurden immer ausgefeilter und filigraner.

Den größten Teil seiner Sammlung hat sich Schneidmadel über die Jahre auf Flohmärkten und im Internet zusammengekauft. Gut ein Viertel stammt direkt aus dem Familienbesitz. „Der Onkel meiner Mutter hat uns die damals aus dem Erzgebirge geschickt.“

Und so verbindet Schneidmadel mit fast jedem Ausstellungsstück eine ganz eigene Geschichte: „Die“, sagt er und zeigt auf eine auf einen Baumschnitt montierte Pyramide, „wurde zweimal vom Zoll zurückgeschickt. Erst beim dritten Versuch hat sie es 'rüber' geschafft.“ Eine andere, eher unscheinbare Pyramide hat einen traurigen Hintergrund. „Erst auf der Beerdigung haben wir die bekommen. Es war die letzte, die der Onkel uns noch schicken wollte.“

Heute hergestellte Pyramiden würden hingegen oft einen eigenen Charakter vermissen lassen, erklärt Schneimadel. Vor allem die billig produzierten Replikate aus China. „Da steckt einfach keine Liebe drin.“

Ein Ende seiner Sammelleidenschaft sieht Schneidmadel nicht kommen. „Im Lager stehen schon wieder zwei neue Pyramiden, die ich mir gerade gekauft habe“, erzählt er. Im nächsten Jahr könnte die Ausstellung also vielleicht noch größer werden. Die diesjährige Ausstellung ist noch bis zum 17. Januar im Museum zu sehen. „Ich freue mich, dass die Besucher sie so lange sehen können“, sagt Schneidmadel. „So habe ich nach Weihnachten außerdem mehr Zeit, die ganze Weihnachtsdekoration zuhause wieder abzubauen.“