Rund um das Thema Tanzen ging es an zwei Abenden in Rödelsee – und das kam sehr gut an.
„Meine Damen und Herren, ein Foxtrott!“ tönt es durchs Mikrophon. Zögernd wagen sich die ersten aufs Parkett. Freunde und Schüler von Tanzlehrer Bernd Uhl aus Abtswind sind es vor allem, die an diesem verregneten Samstagnachmittag den Weg in den Rödelseer Löwenhof gefunden haben. Ein paar neugierige Zaungäste schauen bei einer Tasse Kaffee zu.
Die Idee war, einer breiten Bevölkerungsschicht das Thema Tanz zugänglich zu machen, erklärt Celine Kruska von der Agentur „KulturGold“ aus Stuttgart. Deshalb habe man dieses Tanz-Café in das Programm der Kulturzeichen aufgenommen. Möglich gemacht hat es Bernd Uhl, der unter anderem in Reupelsdorf den Tanzkreis „Atemlos“ leitet und vom Reupelsdorfer Manfred Kreis an die Agentur vermittelt wurde.
Bettina Georgiou vom Stuttgarter Team ist verantwortlich für die Organisation der beiden Tanzrausch- Abende im Rödelseer Schlosskeller. Choreograf Thomas K. Kopp habe sein Stück „Alle Zeit der Welt“ speziell an das Thema der Kulturzeichen: „Weinzeichen – zeitloser Genuss“ angepasst, erzählt sie. Man wolle eine Brücke schlagen zwischen Anspruch und Unterhaltung und das Publikum mit einbinden.
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Dafür sei ein Weinkeller besser geeignet als ein Konzertsaal, ist sich Bettina Georgiou sicher. Und sie sollte recht behalten. Das Wagnis, Kultur und nicht nur die Bildende Kunst, sondern auch Literatur und Tanz, der „Landbevölkerung“ nahe zu bringen, ist gelungen. An beiden Abenden waren die Plätze auf der eigens installierten Zuschauertribüne im Schlosskeller restlos besetzt. Und das lag sicher nicht nur am freien Eintritt und dem großzügig ausgeschenkten Franken-Secco.
„Alle Zeit der Welt“ musste man schon vor der Eingangstür zum Kellergewölbe aufbringen, bevor es richtig losging. Immerhin hatte der Regen nachgelassen, bis die vielen Gäste eingelassen wurden – freundlich empfangen mit einem Glas Secco. Dann wird es dunkel: Schwarze Bühne, roter Teppich. „Komm mit uns, verschwende deine Zeit!“, der Song von den Toten Hosen kommt laut aus der großen Anlage. Die fünf Akteure bewegen sich dazu in Zeitlupe und strahlen Ruhe aus. Sie haben auch Zeit, abwechselnd Franken-Secco auszuschenken – oder auch nicht, dann ist die Bar geschlossen.
Sie rezitieren „Ich folge nur den Launen des Augenblicks“. Ein leichtfüßiges Kommen und Gehen, rote Kleider, Anzug, mal mit Schuhen, mal ohne, mit Täschchen oder Mantel, ein Blumentanz zu „Volare“, gestenreich gespielt. Zu einer Arie aus Händels Oper Xerxes sieht man im Hintergrund als Video den Kitzinger Weinlandkreis. Und noch ein Spiel: Kennen wir uns? Nein, wir gehen weiter, immer schneller.
Die Musikstücke sucht Thomas Kopp gezielt aus und lässt sie von seinem Studiomusiker Chris Adam bearbeiten. So auch die Liveaufnahme von Verdis Aida aus Verona, die mit dem Applaus nahtlos in das Trommeln und Gegröle eines Fußballstadions übergeht. Kopp möchte durch Bewegung den Soundwechsel sichtbar machen, was ihm mit den fünf Tänzerinnen und Tänzern wunderbar gelungen ist. Eine internationale Besetzung aus Deutschland, Italien, Spanien und Brasilien.