Kistenstapeln bis alles kippt, ein Ochsenfurt, der gerne man abtauscht und vielerlei Gerät und Ausrüstung des Technischen Hilfswerks gab es zum 60. Geburtstag beim Promenadenfest des Kitzinger Ortsverbandes zu sehen. 300 Gäste feierten mit demTHW-Team, und Ortsbeauftragter Alexander Fischer nutzte die Gelegenheit zu besonderen Ehrungen: Er verlieh jeweils dreien seiner Mitarbeiter das Helferabzeichen in Gold und in der Version Gold mit Kranz.
"Ich bin jetzt 59 Jahre im THW", nutzte Seelig als Ortsbeauftragter von 1963 bis 1989 das Wort. Mit dem Katastrophenschutz sei anfangs in Kitzingen trotz guter Zusammenarbeit mit Kreisbrandrat Josef Mack noch nicht viel los gewesen. Erst Landrat Rolf Bauer habe ein offenes Ohr gezeigt.

"Knirpsli" aufgebaut

Seelig baute in seiner Amtszeit eine Jugendgruppe mit "Knirpsli" auf, bei der auch Mädchen dabei waren.
Obwohl es heute keine Wehrdienstbefreite mehr gebe könne der Ortsverband auf die Jugend bauen. "Das Schönste für mich ist das THW, seine Helfer und seine Jugend", schloss Seelig.
"In sechs Jahrzehnten ist viel geschehen", wagte Fischer einen komprimierten Rückblick auf 60 Jahre. Jahre, in denen sich die ursprünglich eher spärliche Ausstattung mit Schaufeln, Spitzhacken und Schubkarren zu modernstem Gerät gewandelt hat, das allen Anforderungen gerecht wird.
"Eigentlich ist heute ein junger Geburtstag", betonte Landrätin Tamara Bischof. Selbst mit einer weitaus einfacheren Ausrüstung als heute habe es Schwierigkeiten beim Aufbau des THW gegeben. Heute aber sei der Ortsverband fester Bestandteil des Alarmplanes im Landkreis. Seine Notwendigkeit habe das THW erst kürzlich in Wiesentheid und Schwarzach bewiesen, als tat- und schlagkräftige Hilfe gefragt war.

"Jungens" sind heute Gruppenführer

"Wenn es das THW noch nicht gäbe, müsste es erfunden werden", wandte sich Oberbürgermeister Siegfried Müller an den Ortsbeauftragten Alexander Fischer und die THW-Familie. Wesentlich sei auch, dass die Jugend im THW "etwas anständiges" lernen könne. Er blickte zurück als er seinen Sohn selbst beim THW unterbrachte. "Die Jungens von damals stehen heute als Gruppenführer ihren Mann", lobte Müller und würdigte zudem die Jubiläumsfeier als Promenadenfest, denn diese Feste seien bei der Bevölkerung in der Vergangenheit immer gut angekommen.
"Das THW und andere Organisationen sind maßgeblich bei Großereignissen gefordert, sie müssen für die Bevölkerung einstehen und ehrenamtlich helfen", lobte MdL Otto Hünnerkopf den Einsatz in Wiesentheid. Hier habe man erfahren können wie wichtig ein Einsatz von außen sein kann. Gleichzeitig lobte Hünnerkopf die Arbeitgeber, die THW-Helfer immer wieder zu Einsätzen freistellen.


Chronik
1950 - Gustav Heinemann beauftragt Otto Lummitzsch mit der Organisation einer zivilen Hilfsorganisation
1951 - die Bundesländer wenden sich gegen ihre Zuständigkeit für die Einrichtung eines Technischen Hilfswerkes
1952 - das THW wird zur technischen Hilfeleistung bei der Abwehr von Katastrophen, zur Leitung technischer Dienste im zivilen Luftschutz und helfende Mitwirkung bei der Beseitigung von Notständen aufgestellt
1953 - erste Alarmierung zur Hilfeleistung bei der Sturmflut in Holland; Gründung des OV Kitzingen, erster Ortsbeauftragter ist Karl Zepter
1954 - erster Großeinsatz in Deutschland
1963 - Hans Seelig wird Ortsbeauftragter
1969 - Bereitschaftsdienst bei Unfällen auf der Autobahn wird eingerichtet
1970 - Erdbebeneinsatz in Jugoslawien, gleichzeitig Jahrhunderthochwasser in Kitzingen
1982 - Gründung einer Jugendgruppe
1987 - Spatenstich für die neue Unterkunft an der Staustufe
1989 - Günter Raab folgt Hans Seelig als Ortsbeauftragter nach
1990 - Sturm Wiebke tobt mit Windstärke 12 über dem Landkreis
1991 - Unterstützung beim Brand im Schwalbenhof
1994 - Fährunfall in Albertshofen, Bergung der Fähre und eines Anhängers mit Seilwinden
2002 - Alexander Fischer folgt Günter Raab als Ortsbeauftragter nach; Hochwassereinsatz an der Elbe bei Magdeburg
2005 - Bergung eines bei Mainsondheim gesunkenen Schwimmbaggers
2007 - Unterstützung beim Brand des Fetzer-Lagerhauses
2009 - Bergung eines Lkw, der sich auf der zur Sprengung vorbereiteten Autobahnbrücke festgefahren hatte
2013 - Unterstützung der Gemeinden Wiesentheid und Schwarzach nach Starkregen durch Deichsicherung.

Ehrungen Gold mit Kranz: Massimo Carlone, Jens Göttler, Florian Raab; Gold: Eva Carlone, Roland Hörner, Thomas Schönwald.