Vor vier Jahren hat in Nepal die Erde gebebt - mit verheerenden Folgen. Christine Reuter und Peter Schöderlein haben vor Ort geschaut, wie es dem geschwächten Land geht.
Vier Jahre sind vergangen, seit die Erde in Nepal gebebt hat. Die Erdbeben am 25. April und am 12. Mai 2015 haben verheerende Zerstörungen verursacht. Immer noch sind die Folgen des Erdbebens sichtbar. Vor kurzem befanden sich Christine Reuter (Bad Mergentheim) und Peter Schöderlein (Dettelbach) wieder vor Ort, um sich ein Bild von der Lage des stark geschwächten Landes zu machen.
Seit fast 25 Jahren sind die beiden Höhenbergsteiger regelmäßig in Nepal unterwegs. Bei ihren Expeditionen haben sie die überwältigende Bergwelt des Himalaya, aber auch die Liebenswürdigkeit und Hilfsbereitschaft der Nepali kennengelernt. Ursprünglich sind sie wegen der Berge nach Nepal gekommen. Nun sind es die Menschen, die sie immer wieder nach Nepal zurückkehren lassen. Sie sammeln unter anderem über Power-Point-Vorträge Spendengelder. Allein seit dem Erdbeben haben sie laut Pressemitteilung über 170 000 Euro ins Land gebracht, um Hilfsprojekte zu unterstützen.
Wesentlich für die Weiterentwicklung des Landes ist die Entwicklung einer für die breite Bevölkerung zugänglichen fundierten Schulbildung, die in Nepal bis heute noch nicht selbstverständlich ist. Mit den Vorstandsmitgliedern der Nepalhilfe Beilngries waren sie im Distrikt Sindhupalchok, einem der Epizentren 80 Kilometer nordöstlich von Kathmandu unterwegs. Bereits vor zwei Jahren haben die beiden dort eine Schule komplett finanziert und eingeweiht. Nun konnten dort wieder zwei durch das Erdbeben zerstörte und neu errichtete Schulen in Kadambas und Melchaur in einem feierlichen Festakt übergeben werden.
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Schulgebäude saniert
Fünf weitere schulische Einrichtungen, die bereits seit geraumer Zeit fertiggestellt oder zumindest in Kürze bezugsfertig sein werden, wurden ebenfalls besucht. Laut dem verantwortlichen Bauingenieur werden alle 14 beschädigten Schulgebäude in Sindhupalchok, die von der Nepalhilfe Beilngries finanziert werden, nach den neuesten Sicherheitsrichtlinien bis zum Jahresende saniert sein. In Chautara, ebenfalls im Distrikt Sindhupalchok gelegen, befindet sich das von Christine Reuter und Peter Schöderlein finanziell unterstützte Blindenheim, das durch das Erdbeben komplett zerstört, zwischenzeitlich aber wieder aufgebaut werden konnte. Hier werden derzeit drei Mädchen und sechs Jungen betreut. Ein stark sehbehinderter Junge wird nun vor der Aufnahme ins Blindenheim im Bir Hospital in Kathmandu nochmals genau medizinisch untersucht, ob nicht doch sein Augenlicht erhalten oder verbessert werden kann. Auch für solche Belange braucht es finanzielle Hilfe.
Kostenlose medizinische Versorgung
Ein kurzer Besuch galt dem Bir Hospital in Kathmandu. Hier befindet sich die über Spendengelder finanzierte Armenapotheke (Dispensary), die für die kostenlose medizinische Versorgung der armen Bevölkerung aufkommt und auch die Medikamente für die Health Camps in den entlegenen Bergregionen zur Verfügung stellt.
Die Kinder im Shaligram Kinderhaus in Lhubu freuten sich über die mitgebrachten Kleider, T-Shirts, Spielsachen oder Sportzubehör. Zur Feier des Tages gab es für alle Momos (leckere, unterschiedlich gefüllte Teigtaschen). Inzwischen sind einige Kinder erwachsen geworden, im Berufsleben integriert und haben teilweise eigene Familien gegründet. Dennoch halten sie weiter engen Kontakt mit ihrer „Kinderhausfamilie“ und ihrem Ersatzvater Sunil Shrestha, dem leitenden Koordinator der Nepalhilfe Beilngries vor Ort. Sobald sie die Schule beendet haben, müssen sie das Kinderhaus verlassen, werden aber weiter mit einem kleinen Kredit für die weitere Berufsausbildung unterstützt.
Bemerkenswert ist vor diesem Hintergrund die Leistung eines ausgezeichneten Architekten aus Bhaktapur – Rabindra Puri. In den 90er Jahren hat er drei Jahre lang in Dortmund und Bremen Architektur und bildende Künste studiert. Mit fundierten handwerklichen Kenntnissen ist er dann wieder nach Nepal zurückgekehrt. Nach dem Erdbeben haben er und seine Mitarbeiter rund um die Uhr versucht, wertvolle Trümmerreste eingestürzter Tempelanlagen aus dem 11. und 12. Jahrhundert – UNESCO-Weltkulturerbe – zu bergen, um sie nun mit internationaler Hilfe originalgetreu wiederaufzubauen oder zu restaurieren.