Ohne Auto ist man in ländlichen Orten oftmals aufgeschmissen. Der Weg zum Arzt ist zu weit, der Großeinkauf vom Supermarkt passt unmöglich in den Fahrradkorb. Wer keine Familie oder Bekannte hat, die auf Abruf als Taxi einspringen können, hat als Bürger Seinsheims jetzt Grund zur Freude. Der Markt Seinsheim und seine Ortsteile will nämlich einen Generationenbus anschaffen. In einer ersten Versammlung mit 20 Bürgern fanden sich am Mittwoch zwölf Gründungsmitglieder für den neuen Verein zusammen.

In der Nachbargemeinde Gnötzheim gibt es bereits ein ähnliches Projekt. Dort wird in Zusammenarbeit mit dem Pfarramt ein Dorfauto betrieben. Von seiner Erfahrung dort konnte Pfarrer Uwe Stradtner berichten, der oft mit dem Fahrzeug unterwegs ist. Zudem hatte er wichtige Tipps parat. "Wenn der Bus zu festen Terminen verkehren soll, muss der Fahrer eine Fahrgastbeförderungserlaubnis besitzen", erzählte Stradtner. Das müsse sein, sobald anstelle reiner Nachbarschaftshilfe für Fahrten Geld fließe. In Gnötzheim werden je Nutzungsstunde zwei Euro und 20 Cent pro Kilometer berechnet. "Das muss kaufmännisch kalkuliert werden", bemerkte Bürgermeister Heinz Dorsch. Er räumte ein, dass die Finanzierung des Fahrzeugs zum größten Problem werden könnte - allerdings wolle er die Marktgemeinde als Rückhalt mit einbinden.

Keine Konkurrenz zum ÖPNV

Die grundsätzliche Idee für einen Generationenbus in Seinsheim kam von Stefan Schwarz. Er stellt sich einen gebrauchten neunsitzigen Bus vor, in dem auch ein Rollstuhl untergebracht werden kann und der von Privatpersonen bis zu Vereinen von jedem Mitglied gegen Gebühr genutzt werden kann. Der Bus könnte - ohne mit öffentlichen Linien zu konkurrieren - an einem bestimmten Tag der Woche "im Kreis herumfahren", so- dass jeder Mitfahrer - etwa nach einem Arztbesuch - auch wieder zurückkommen kann. Allerdings werde sicher einige Zeit vergehen, bis sich die Idee in den Ortsteilen durchgesetzt hat.

"Das wäre ein wichtiger Schritt, um mehr Mobilität auf dem Land zu gewährleisten", sagte Dorsch begeistert. Er freute sich über die große Zahl der Interessenten.

"Wir müssen erst den Verein gründen, um uns dann beim Bundesverband Carsharing anmelden zu können",
stellte Schwarz das weitere Vorgehen vor. Über den Bundesverband komme der Verein an weitaus günstigere Versicherungstarife.

Die Besetzung der Ämter im Vorstand des neuen Vereins war bereits vorbesprochen und ging am Mittwoch ruckzuck über die Bühne. Mit Verabschiedung der Satzung war der Verein "Generationenbus Seinsheim" somit schnell gegründet.

Dorsch rechnet mit einer Betriebsaufnahme im Herbst. Zwar will der Verein die Finanzierung auch über Spenden sicherstellen, die Gemeinnützigkeit werde jedoch nicht angestrebt. Spenden sollen zweckgebunden über die Marktgemeinde fließen können. Während in Gnötzheim kein Vereinsbeitrag erhoben wird, legten sich die Gründungsmitglieder in Seinsheim auf zunächst zwölf Euro im Jahr fest.

Wahlergebnis:
Vorsitzender Stefan Schwarz
Stellvertreter Uwe Stradtner
Kassier Heinz Dorsch
Schriftführer Georg Sämann
Beisitzer Martin Sandreuther, Wolfgang Körner und Thomas Kistner
Kassenprüfer Cornelia Nagler und Lydia Fischer