Gerade noch vor dem Lockdown ging der Fasching in der Region 2020 über die Bühne. Danach war Feierabend wegen Corona. Sieben Monate später ist die nächste närrische Session in Sicht, die Pandemie ist aber immer noch da.

Wie sieht es für die kommende Zeit aus? Fällt die fünfte Jahreszeit diesmal im Landkreis Kitzingen komplett flach, nachdem einige der großen Veranstaltungen wie der Würzburger Faschingszug bereits abgesagt sind? Einige der Faschings-Hochburgen im Landkreis haben ihre Entscheidung bereits getroffen. Manche warten noch ab, wie eine Nachfrage bei einigen Karnevalsvereinen ergab.

In Kitzingen ist sicher, dass es im kommenden Fasching keinen Nachfolger für Schlappmaulordensträger Markus Söder geben wird. Eine große Sitzung in der Florian-Geyer-Halle werde nicht stattfinden, sagt Ralf Schweiger, Geschäftsführer von der Kitzinger Karnevalsgesellschaft (KikaG).

Verleihung des Schlappmaulordens geht nicht kleiner

In der Halle dürften maximal ein Drittel der sonst zur Verfügung stehenden Plätze besetzt werden. Das sei jedoch für den Verein wegen der Kosten nicht tragbar. Außerdem wolle man die Verleihung des Schlappmaulordens nicht in einem kleineren Rahmen machen. „Das ist nicht angemessen und geht einfach nicht“, so Geschäftsführer Schweiger.

Ob die Kitzinger eine kleinere Veranstaltung machen werden, etwa im Fastnachtsmuseum, darüber denke man nach. Eine Entscheidung werde wohl noch im Oktober fallen. Aktuell hält Schweiger in Kitzingen auch den Kinderfasching für fraglich.

Landkreisumzug fällt definitiv aus

Definitiv ausfallen wird der große Umzug des Landkreises Kitzingen, der alljährlich am Faschingsdienstag Narren wie Besucher in großer Zahl anlockt. Im Wechsel zwischen Dettelbach, Kitzingen und Volkach wäre diesmal am 16. Februar 2021 Dettelbach an der Reihe.

Dort haben sich die Verantwortlichen bereits klar positioniert. „Wir sind übereingekommen, dass wir dieses Mal gar nichts machen. Auch nicht im kleineren Rahmen. Wir als Verein besuchen auch nirgendwo anders Faschingsveranstaltungen“, schildert Vorsitzender Alfred Hannweber die konsequente Meinung seines Gremiums. Unter den gegebenen Umständen sei das unverantwortlich.

Dazu fügt Hannweber an, dass die Dettelbacher bei einer eigenen Sitzung rund 400 Zuschauer benötigten, um diese finanziell zu stemmen. Aktuell seien nur 100 Personen in einem Raum erlaubt, also mache das keinen Sinn. „Es ist eben so, damit müssen wir leben“, hofft er auf 2022.

„Wir feiern nur den Fasching, wenn wir ihn auch wirklich feiern können. Alles andere macht keinen Sinn.“
Marcus Wicher, Gesellschaftspräsident der KoKaGe Wiesentheid

Ähnlich sieht es in Wiesentheid aus. Dort hat die Faschings-Abteilung der Kolpingfamilie (KoKaGe) genauso ihre Sitzungen und Veranstaltungen bereits abgeblasen. Viele Möglichkeiten habe man kürzlich bei einem Treffen durchdiskutiert, berichtet Marcus Wicher. Schließlich sei das Ergebnis klar gewesen: Absage. „Wir feiern nur den Fasching, wenn wir ihn auch wirklich feiern können. Alles andere macht keinen Sinn“, erklärt der Gesellschaftspräsident.

Selbst wenn eine Lockerung der Corona-Regeln eintreten würde, wäre die Zeit zu knapp, um eine vernünftige Planung hin zu bekommen, zitiert er aus der Erklärung des Vereins. Das Ganze sei bereits jetzt beschlossen worden, bevor man etwa Bestellungen für Kostüme aufgebe, oder Künstler buche.

Albertshöfer stellen Prinzenpaar draußen vor

Zuversicht versprüht dagegen Albertshofens Vorsitzender Elmar Gimperlein auf die Frage nach der närrischen Saison. „Das ist ganz einfach: Wir werden am 11.11. eben die Saison im Freien eröffnen und ein Prinzenpaar vorstellen. Am 13. November haben wir einen Kommersabend in der Gartenlandhalle“, schaut er voraus.

Danach habe man sechs Wochen Pause, um weiteres zu überlegen. Komplett abzusagen, sei für ihn nicht in Frage gekommen. „A bisserl was geht immer“, nennt er das Motto, unter dem sich einige Vereine in Franken für die kommende Session verständigt hätten. So sehe man es auch bei der Höpper-Elf.

„Wenn wir es mit 100 Leuten machen dürfen, dann machen wir es.“
Elmar Gimperlein, Vorsitzender des Höpper-Elfer Albertshofen

Eine Sitzung wolle man nach aktuellem Stand veranstalten, so Gimperlein. Der Rahmen dazu werde eben kleiner und anders, als sonst sein. „Wenn wir es mit 100 Leuten machen dürfen, dann machen wir es.“ Das Ganze werde man nicht mit Gewalt durchziehen, oder die Gesundheit aufs Spiel setzen, schränkt der Vorsitzende der Höpper-Elf ein. In Albertshofen habe er den Vorteil, dass der Verein kurzfristig reagieren könne, da die Halle für die Höpper leicht und günstig zu bekommen sei.

In Obervolkach zeigt sich Manfred Krapp wenig optimistisch. Er wolle nichts übers Knie brechen. Was in vier Wochen sei, das könne keiner sagen. „So, wie es aussieht, werden wir keine Prunksitzungen halten, auch der Auftakt fällt wohl aus“, prognostiziert der Vorsitzender der Karnevalsvereinigung Obervolkach. Eine Veranstaltung im kleinen Rahmen hält er vielleicht für möglich. Das wäre vor allem als Motivation für die Tanzgarden wichtig, die ja weiter trainieren.

Bunter Abend in Laub möglich?

Bei der Narrengilde in Laub ist noch keine definitive Entscheidung gefallen, wie die Vorsitzende Sabine Schwingler sagt. Ein finales Treffen stehe noch aus. Sicher ist auch für sie: „Es wird wohl keine Sitzung geben wie bisher gewohnt. Ob wir eine vereinsinterne Lösung mit einem bunten Abend anbieten, oder doch mehr, das muss man abwarten.“ Die Narrengilde aus dem Prichsenstädter Stadtteil könne kurzfristig reagieren, weil man mit dem Sportheim in Laub einen Veranstaltungsort habe, der nicht bereits lange im Voraus gebucht werden müsse.

Möglichkeiten und Alternativen zum sonst gewohnten Fasching werden derzeit auch in Iphofen von der dortigen närrischen Abteilung, der „Iphöfer Stücht“, geprüft. „Wir sind noch in der Findungsphase und überlegen, was wir machen könnten. Sicher ist, dass es den gewohnten Stücht-Ball mit Live-Musik, Tanz und Sketchen nicht geben wird“, so die Aussage von Präsident Richard Schober. Man überlege ein Internet-Format, um Büttenreden und Beiträge eventuell über dieses Medium auszustrahlen.

Von oben, vom Fastnacht-Verband Franken, gibt es aktuell keine Direktive für die Klubs. „Das muss jeder Verein für sich selbst entscheiden, ob sie unter den Hygiene-Bedingungen eine Sitzung machen“, sagt Susanne Kleym, Leiterin der Geschäftsstelle. Insgesamt 339 Vereine sind dort Mitglied, allein 178 kommen aus Unterfranken. Eins ist für sie jedoch klar: „Der Fasching wird diesmal mit Sicherheit nicht so sein, wie er sonst ist.“