„Die Sachen kommen an“, sagt Ottmar Deppisch und fügt einen Satz hinzu, den alle Mitarbeiter von privaten Hilfsorganisation nur unterstreichen dürften: „Das ist wichtiger denn je.“

Corona sorgt für viele Einschränkungen in Europa und der ganzen Welt. Ein Beherbergungsverbot wird derzeit heiß diskutiert, das Auswärtige Amt veröffentlicht Reisewarnungen für etliche Regionen in Europa. Gerade in Osteuropa, wo die Not am größten ist, und im Süden des Kontinents, wo viele Flüchtlinge in Zeltlagern untergebracht sind, sind die Menschen auf Hilfe angewiesen. Und die werden sie auch in diesen besonderen Zeiten erhalten.

„Natürlich hatte ich Bedenken“, gesteht Renate Strung, die seit mehr als 20 Jahren die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ im Landkreis Kitzingen koordiniert. Ein Anruf bei der Zentrale ihrer Hilfsorganisation in Berlin und es stand fest: Die internationale Aktion, bei der seit ihrer Gründung mehr als 100 Millionen Päckchen zusammengekommen sind, kann auch in diesem Jahr gestartet werden. Nach Bulgarien und Rumänien gehen die Pakete, die Freiwillige daheim packen und ab sofort bei Renate Strung in Großlangheim abliefern können. 179 kamen im letzten Jahr bei ihrer Sammelstelle zusammen. „Nur neue Sachen in die Päckchen, bitte nichts Gebrauchtes“, erinnert Strung, die trotz Corona auf eine ähnliche gute Resonanz wie in den letzten Jahren hofft. Bei der Übergabe der Päckchen wird sie natürlich auf die AHA-Regeln achten.

Viel los bei Elmar Karl

Seit 30 Jahren gibt es die Rumänien-hilfe von Elmar Karl. Von Dettelbach aus sind tausende Hilfsgüter seither gen Rumänien gebracht worden. Zweimal in der Woche können Möbel, Kleidung, Spielsachen und vieles mehr abgegeben werden. Die Welle an Hilfslieferungen ebbte auch in der Corona-Zeit nicht ab, wie der langjährige Helfer Ottmar Deppisch berichtet. Aus ganz Mainfranken kamen und kommen die Spender an die Abgabestation im Dettelbacher Industriegebiet. „Letzten Freitag standen die Autos bis weit auf die Straße“, berichtet Deppisch.

Alle zwei Wochen startet ein Lkw voller Hilfsgüter Richtung Rumänien, wo die Partner von der Caritas die Verteilung vor Ort übernehmen. Auch die Weihnachtsaktion soll in diesem Jahr wieder starten – zum mittlerweile zwanzigsten Mal. Vom 17. November bis 18. Dezember werden Weihnachtspakete angenommen und nach Rumänien gefahren. 23.000 waren es alleine im letzten Jahr. Corona macht den circa 30 Helfern rund um Elmar Karl keinen Strich durch die Rechnung. Nur ein kleiner Wermutstropfen musste geschluckt werden. „Unsere 30-Jahr-Feier mussten wir absagen“, bedauert Deppisch. Seit fünf Jahren engagiert sich Tobias Winkler für die Hilfsorganisation „Liebe im Karton“. Mit der Flüchtlingswelle fing alles an. Seither packen Freiwillige Kartons mit Spielzeug, Kuscheltieren, Hygieneartikeln und vielem mehr und liefern sie an Annahmestellen in ganz Deutschland ab – in Würzburg werden die Pakete sortiert und auf Lkw geladen. Rund 30 Helfer sind dabei im Einsatz. „Wir haben ein Hygienekonzept, nutzen Einmal-Handschuhe und Desinfektionsmittel“, erklärt Winkler. „Zudem halten wir uns an die vorgeschriebenen Abstandsregeln und wo nötig, tragen wir eine Mund-Nasenmaske.“

Hilfskonvois nach Griechenland

Im letzten Jahr profitierten Kinder und Familien in Deutschland von den Geschenken, heuer plant die Organisation wieder Fahrten ins Ausland. Rund 14.000 Kartons werden nach Griechenland, Rumänien und in den Nordirak gebracht. Größere Probleme erwartet Winkler nicht, der mit seinen Helfern möglichst viele Transporte begleiten will. Erfahrungen mit Hilfskonvois hat er in diesem Jahr ausreichend gemacht. Winkler war Koordinator der „Deutschen Hilfsbrücke“ für „Stand by me Lesbos.“ 132 Paletten mit Notfallartikeln konnten innerhalb von zehn Tagen generiert und verschickt werden. Die Hilfsbrücke funktionierte in Zusammenarbeit mit dem Human Plus e.V. – auch in den Hoch-Zeiten von Corona konnten die Grenzen passiert werden. Nur einmal, im Frühjahr, ist ein Hilfskonvoi für Syrien in der Türkei angehalten worden. „Da wurden die Corona-Regeln kurzfristig geändert“, erinnert sich der Würzburger. Ansonsten erwartet er auch für diesen Winter freie Fahrt zu den Bedürftigen. Die Hilfe muss schließlich ankommen, heuer noch dringender als sonst.

Drei Hilfsaktionen

Rumänienhilfe Karl: Hilfsgüter werden jeden Dienstag (17 bis 18 Uhr) und Freitag (15 bis 16 Uhr) am Ladehof in Dettelbach, Lange Länge 4, entgegengenommen. Geldspenden können auf das Konto der katholischen Kirchenstiftung Bibergau, IBAN: DE75 7919 0000 0600 4504 56, BIC: GENODEF1KT1, eingezahlt werden. Die Weihnachtspakete-Aktion startet am 18. November. Informationen bei Ottmar Deppisch, Tel. 0157/52413434.

Weihnachten im Schuhkarton: Pakete können ab sofort bei Renate Strung, Am Viehtrieb 47, in Großlangheim abgegeben werden. Annahmeschluss ist der 15. November. Die Transportkosten in Höhe von 10 Euro können in einem Umschlag mitgeschickt oder überwiesen werden an den „Geschenke der Hoffnung e.V.“.

Inhalt der Pakete: Es empfiehlt sich eine bunte Mischung aus Kleidung, Hygieneartikeln, Spielsachen, Süßigkeiten und Schulsachen. Deckel und Unterteil des Kartons separat mit Weihnachtspapier verzieren, so dass sich der Karton öffnen lässt (Zoll). Nicht ins Paket dürfen gebrauchte und zerbrechliche Dinge, Lebensmittel, Schokolade mit stückigen Füllungen, Gelierstoffe (Gummibärchen, Kaubonbons), Flüssigkeiten. Alle weiteren Infos unter www.weihnachten-im-Schuhkarton.org .

Liebe im Karton: Was ein Päckchen auf jeden Fall enthalten sollte: Spielzeug, Naschsachen (ohne Gelatine) Kuscheltier, Malsachen. Weitere Ideen und eine Auflistung der Annahmestellen unter www.liebe-im-karton.de