Die Schlange ist lang. Ältere Männer stehen hier, jüngere Frauen. Deutsche und Migranten. Sie haben alle das gleiche Ziel: Einen Karton mit Lebensmitteln abholen.

„Weihnachten im Einkaufswagen.“ So nannte sich eine Aktion der beiden Kirchen in Kitzingen in Zusammenarbeit mit dem Verein „Empathie“ von Hildegard Töpfer und drei Lebensmittelmärkten in Kitzingen.

Im E-Center, bei Edeka Weigandt und im Rewe standen in den letzten Wochen an den Ausgängen spezielle Einkaufswagen. Wer wollte, konnte bei seinem Einkauf ein paar Dinge zusätzlich kaufen – und die Waren in den Wagen legen – als Spende für bedürftige Menschen in Kitzingen. Eine Menge Bürger wollten genau das. 150 Kartons sind zwischen dem 30. November und 12. Dezember zusammengekommen. Gefüllt mit Reis, Mehl, Nudeln, Zucker, Milch und Tee.

An den Ausgabestellen – am ehemaligen Sozialen Zaun an der Feuerwehr und später im Notwohngebiet – wurden am Freitag überdies noch frische Waren hinzugefügt: Gemüse, Salate, Blumenkohl, Orangen. Erstere kamen von Hildegard Töpfer, die auch den Transporter unentgeltlich zur Verfügung stellte. Letztere von der Kitzinger Tafel. Von einer „schönen Annäherung“ sprach Bürgermeisterin Astrid Glos und versicherte: „Wir wollen niemandem etwas wegnehmen.“

Anfang Dezember hatte sich der Vorsitzende der Kitzinger Tafel, Manfred Seigner, an diese Zeitung gewandt und bedauert, dass diese Aktion nicht gemeinsam mit der Tafel geplant worden war. Astrid Glos betonte am Freitag noch einmal, dass man keinesfalls in Konkurrenz mit der „Tafel“ treten wolle.

Eine Aktion wie „Weihnachten im Einkaufswagen“ könne nicht regelmäßig gestemmt werden. Eine weitere Ausgabe von Lebensmitteln an Menschen vor Ort könne es aber durchaus geben. Vielleicht an Ostern, vielleicht auch früher. „Je nachdem, wie sich die Corona-Situation weiter entwickelt.“

Dass der Bedarf da ist, war am ehemaligen Sozialen Zaun deutlich zu sehen. Rund 75 Kisten gingen an die Bedürftigen, die über Mund-zu-Mund-Propaganda beziehungsweise Facebook von der Aktion und dem Ausgabezeitpunkt erfahren hatten.

„Wir wollen ein möglichst breites Spektrum an Menschen erreichen.“
Astrid Glos, Bürgermeisterin

Mit Manfred Freitag und Uwe G. Hartmann halfen zwei Stadträte bei der Verteilung mit, ebenso wie der evangelische Pfarrer Thilo Koch und Mitarbeiter aus dem katholischen und evangelischen Pfarrbüro.

Nach etwa einer Stunde zog der Tross weiter in die Siedlung und ins Notwohngebiet. „Wir wollen ein möglichst breites Spektrum an Menschen erreichen“, formulierte Astrid Glos die Zielrichtung. Nach dem Motto: „Von Bürgern für Bürger.“ Offensichtlich ist das den Helfern gelungen.