Kindergartenleiterinnen und Erzieherinnen klagen über stetig steigende Herausforderungen. Das neue Kita-Gesetz setzt nach ihrer Ansicht die falschen Impulse.
Sie lieben ihren Beruf. Aber nicht unter diesen Bedingungen. „Eine große Chance ist vertan worden“, bedauert Julia Steffan. Das „Gute-Kita-Gesetz“ ist nach ihrem Dafürhalten in Bayern schlecht umgesetzt worden. „Die Qualität bleibt auf der Strecke.“
Im September hatte sich Bayern als zwölftes Bundesland dem Gesetz der Bundesregierung angeschlossen. Zuschüsse in Höhe von 861 Millionen Euro konnten so fließen. Der Freistaat will das Geld vor allem für die Senkung der Kita-Gebühren einsetzen und damit Eltern entlasten. Grundsätzlich ein guter Gedanke, wie Steffan und ihre Kolleginnen Maria Stadtelmeyer-Limbacher und Lena Dittmann finden. „Aber es wäre noch besser, wenn man mit dem Geld auch die Erzieher unterstützen würde“, sagt Stadtelmeyer-Limbacher. Und damit die Qualität der Betreuung. Schon jetzt fehlen Fachkräfte. Und die Herausforderungen werden immer komplexer.
„Wir kommen nicht
mehr nach.“
Julia Steffan, Kindergartenleiterin
Seit mehr als 30 Jahren leitet Stadtelmeyer-Limbacher den Kindergarten St. Mauritius in Wiesentheid. Rund 100 Kinder werden dort Jahr für Jahr betreut, in vier Gruppen. Früher hatte sie acht Kolleginnen und Kollegen, jetzt sind es 16. Klingt im ersten Moment gut, ist beim näheren Hinsehen aber längst nicht ausreichend. Die meisten Kollegen arbeiten Teilzeit. In Summe ist der Betreuungsschlüssel gleich geblieben. Die Einrichtungsleiter haben jetzt allerdings mehr Mitarbeiter zu betreuen und die Erzieherinnen haben ein größeres Aufgabenspektrum als früher. „Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich total verändert“, sagt die Wiesentheiderin. „Und damit unsere Aufgabenfelder.“
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Wurden die Kinder früher mit drei Jahren in den Kindergarten gebracht, betreuen die Erzieherinnen jetzt schon Kinder ab zehn Monaten. Wurden die Kleinen früher um die Mittagszeit abgeholt, sind sie heute bis in den späten Nachmittag hinein in der Einrichtung. Kindergärten öffnen um 7.15 Uhr und schließen um 17 Uhr. Dazwischen: Essen, Schlafen, Spielen, Lernen. Der Kindergarten hat sich zum Lebensmittelpunkt entwickelt. Die Leiter und Erzieher können sich nicht alleine auf die Kinder konzentrieren. Sie müsen Berichte schreiben, Anträge stellen, die Kinder zu Ärzten begleiten, deren Entwicklung dokumentieren, Elterngespräche führen und den Kontakt zu Fachdiensten halten: „Wir kommen nicht mehr nach“, sagt Julia Steffan und bedauert: „Für unsere Kernkompetenz, die Arbeit mit den Kindern, haben wir kaum noch Zeit.“
102 Kinder sind in den beiden Einrichtungen von St. Vinzenz in Sickershausen und in der Siedlung. Insgesamt 27 Mitarbeiter hat die Leiterin. Die meisten arbeiten Teilzeit, wollen und können nur am Vormittag da sein, weil sie eigene Kinder zu betreuen haben. Steffan ist froh über jede Fachkraft, die sie hat. Qualifiziertes Personal zu finden, wird immer schwieriger. „Der Fachkräftemangel ist längst da.“