Die Helden an den Stammtischen haben es immer gewusst: Denen in der Politik kannst du net trau'. Inzwischen hat sich das sogar bis zu denen durchgeflüstert, die beim bierseligen Auf-den-Tisch-hauen gegen Merkel, Seehofer und Co. eher durch Passivität glänzen. Der Bürger ist halt oft enttäuscht worden, heißt es. Versprechen gebrochen sollen sie haben unsere Politiker.

Recht haben die Zweifler an der politischen Aufrichtigkeit, mag beispielsweise mancher Geiselwinder denken, der den Autobahn-Lärm im Ohr und die vielen Versprechen diverser staatstragender Parteioberen im Kopf hat – und immer noch auf seinen Lärmschutz wartet. Dass der auf die da oben schimpft, versteht jeder Wähler, der beispielsweise vor Wahlen an Versprechen auf Steuersenkungen geglaubt hat und danach unter der kalten Dusche der Wirklichkeit stand.

Aber gemach, ihr Kritiker. Verdammt ist schnell. Versetzt euch doch mal in die Rolle unserer Volksvertreter. Beispielsweise unter häuslichen Laborbedingungen. Was jeder durchführen kann, der ein grünendes Objekt sein eigen nennt. Das spielt den Wähler, der Eigentümer der Gießkanne die Politik.

Mein persönliches Experiment kreist um eine Orchidee unbekannter Art. Die kriegt erstmal kein Wasser. Ein paar Tage lang. Irgendwann hängen die Blätter. Erste Aufmunterung meinerseits. Ich verspreche, mich mit aller Kraft für eine Gießaktion einzusetzen. Die Reaktion ist enttäuschend. Die Blätter hängen Tage später noch tiefer.

Tiefer Griff in die politische Motivierungskiste. Ich stelle ein baldiges Bewässern in Aussicht, wenn es die Umstände, die allgemeine Wassersituation und meine Frau zulassen. Die Orchidee, offensichtlich ungeduldig, welkt.

Jetzt kommt der letzte Trumpf: das ultimative Versprechen, zeitnah erfrischendes Nass übers Grün zu gießen. Und nun geht's mir wie den Heroen der Politik. Kein dankbares Echo. Im Gegenteil: Die Orchidee ist verdorrt. Absichtlich und aus grobem Undank.