Ralf Schweiger ist hörbar frustriert. „Wir können nichts ändern“, sagt der Geschäftsführer und Pressesprecher der Kitzinger Karnevalsgesellschaft. Seit 1989 wird in Kitzingen alljährlich der Schlappmaulorden verliehen. So wie es derzeit aussieht, wird es am Rosenmontag 2021 in Kitzingen eine Ausnahme von dieser Regel geben. Auch der Landkreisfaschingsumzug wird nach derzeitigem Stand nicht stattfinden.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte sich Anfangs der Woche skeptisch geäußert, ob Karneval oder die Fastnacht wegen der Pandemie im kommenden Winter stattfinden kann. Er hat damit bundesweit eine Debatte angestoßen. „Die Unsicherheit besteht aber schon viel länger“, sagt Schweiger. Bereits im Frühsommer müssen die Verantwortlichen der KiKaG mit den Planungen für die kommende Saison begingen. Verträge mit den Künstlern müssen abgeschlossen, die Halle angemietet werden. Insgesamt summieren sich die Kosten für eine Session auf rund 35.000 Euro. Mit einer ausverkauften Florian-Geyer-Halle können die Kitzinger Faschingsfreunde zumindest einen Teil des finanziellen Aufwandes wettmachen. Nach den derzeitigen Bestimmungen darf die Halle aber keinesfalls gefüllt sein, Abstandsregeln müssen eingehalten werden. „So lässt sich eine normale Rosenmontagssitzung nicht planen“, bedauert er.

Besonders bitter sei der Ausfall, weil in diesem Frühjahr mit Ministerpräsident Markus Söder, Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger und Barbara Stamm drei politische Schwergewichte nach Kitzingen gekommen waren. „Darauf hätten wir aufbauen können“, sagt Schweiger. „Stattdessen fangen wir irgendwann wieder bei Null an.“ Wann das sein wird? Schweiger zuckt mit den Schultern. Bevor ein Impfstoff gefunden ist, wird es wohl nichts mit dem Fasching in Kitzingen. „Und das kann sich noch hinziehen.“ Nach derzeitigem Stand werden alle Faschingsveranstaltungen in der Großen Kreisstadt abgesagt. Auch in Dettelbach hat man sich mit diesem traurigen Szenario befasst. Durch die engen Gassen des Altortes sollte sich am Faschingsdienstag 2021 eigentlich der Landkreisfaschingsumzug schlängeln. „Zu 99 Prozent wird der Umzug storniert“, kündigt der Präsident der DeKaGe, Steffen Drescher, an. Dieser Beschluss sei vereinsintern bereits gefallen. Mit den Partnern in Obervolkach und Kitzingen müsse man sich noch treffen und beratschlagen. „Aber ich kann und will es nicht persönlich verantworten, dass sich das Virus aufgrund so einer Veranstaltung weiter verbreitet“, sagt er. „Ich könnte nicht mehr in Ruhe schlafen.“

Auch die anderen Aktivitäten rund um den Fasching werden wohl abgesagt, was auch den Dettelbachern ein dickes finanzielles Minus beschert. Rund 1000 Faschingsnarren bevölkern nach einem Landkreisfaschingsumzug normalerweise die Maintalhalle. Mit den Einnahmen können die Dettelbacher die nächsten drei Sessionen bestreiten. Wie dieser finanzielle Verlust aufgefangen werden kann, ist Drescher noch nicht klar. „Jetzt geht aber erst einmal die Sicherheit vor“, sagt er.

Die Sicherheit hat auch Elmar Gimperlein im Blick. Dennoch beschreiten die Albertshöfer Karnevalisten einen anderen Weg. „Unsere Planungen laufen wie in anderen Jahren auch“, bestätigt der Präsident. Alle Garden trainieren, alle Mitglieder stellen sich auf eine Session 2021 ein – möglicherweise auch in abgespeckter Form. „Jetzt schon die Flinte ins Korn zu werfen, wäre der falsche Weg“, meint Gimperlein. Größtmögliche Flexibilität sei das Motto der Stunde. Wenn im Januar vom Ordnungsamt alle Veranstaltungen abgesagt werden, dann sei das so. So lange wollen sich die Albertshöfer aber bestens vorbereiten. Im Gegensatz zu den Kitzinger und Dettelbacher Kollegen müssen sie nicht groß in Vorleistung gehen. Werden die Veranstaltungen kurzfristig doch abgesagt, müssen sie keine Hallenmiete bezahlen. Auswärtige Künstler müssen nicht gebucht werden. „Wir können ganz alleine ein rund dreistündiges Programm auf die Beine stellen“, sagt Gimperlein nicht ohne Stolz. „Mehr geht in Corona-Zeiten eh nicht.“

Und so planen die Albertshöfer den Empfang zum Faschingsauftakt am 11.11 derzeit im Freien, zwei Tage später soll der Kommersabend mit 100 Gästen in der Gartenlandhalle stattfinden. „Das entspricht den bisherigen Vorgaben“, sagt Gimperlein und freut sich über einen ganz besonderen Clou: Die Orden hat er schon im Mai bestellt. „Ohne Jahreszahl.“ Sollte die Veranstaltung abgesagt werden, kann er die Orden trotzdem noch verwenden.

Bei den Faschingssitzungen im kommenden Frühjahr kann er sich sogar eine mehr als in normalen Zeiten vorstellen. „Wir bringen ja nicht so viele Menschen auf einmal unter.“ Angesichts der aktuellen Entwicklungen ist Gimperlein vorsichtig optimistisch, dass der Fasching auch im Jahr 2021 in Albertshofen gefeiert werden kann. „Wir sind jedenfalls bereit.“

Ein differenziertes Bild ergibt sich auch bei einem Blick auf ganz Franken. „Manche Vereine haben ihre Veranstaltungen schon abgesagt“, weiß der Präsident des Fränkischen Fastnachtverbandes, Marco Anderlik. „Wer über eine eigene Veranstaltungshalle verfügt, der ist noch otpimistisch.“ Mit 25 Vereins-Präsidenten aus ganz Franken will er sich an diesem Samstag in Nürnberg zu einem Austausch treffen. Anderlik ist guter Dinge, dass sich das Brauchtum des Faschings auch mit Abstandsregeln darstellen lasse. Dafür würden allerdings neue Ideen und Konzepte benötigt. „Die Vereine beschäftigen sich intensiv damit.“ Und die Kultsendung „Fastnacht in Franken“? Derzeit würden alle Fernsehsendungen rund um den fränkischen Fasching geplant. „Aber live wird die Sendung eher nicht übertragen“, meint er. Die Fastnacht 2021 wird sicher eine andere.