Sie heißen "Bauer sucht Frau", sie fahren "In Teufels Küche" oder ins "Dschungel-Camp". Kreativität ist Trumpf bei den Motto-Wagen am Landkreis-Faschingsumzug, der nach zwei Jahren endlich wieder durch Kitzingen rollt.

52 Gruppen und Vereine setzen sich um 13.45 Uhr von der Richthofenstraße aus in Bewegung. Zuvor haben sie alle ihren Platz eingenommen, den ihnen Kurt Engelbrecht, Geschäftsführer der Kitzinger Karnevalsgesellschaft (KiKaG), zugewiesen hat. "Wir haben die Nummern bereits auf die Straße gesprüht", verrät der Chef-Organisator. "Das läuft dann absolut reibungslos ab."

Und genau das grenzt an ein Wunder. 1444 Menschen wirken in diesem Jahr am Karnevalsumzug mit. Sie in Stellung zu bringen, muss eine organisatorische Glanzleistung sein, die jahrelange Erfahrung voraus setzt. "Am 6. Januar ist eigentlich Anmeldeschluss für den Zug", verrät Engelbrecht. "Letzte Woche haben sich aber noch einzelne Gruppen hineingequetscht", lächelt er verschmitzt. Noch war Platz in der Richthofenstraße. "Wenn wir alle abfahrbereit sind, ist die Straße von vorn bis hinten voll."

Ab 2014 zum TÜV

Alle drei Jahre gastiert der Umzug in Kitzingen. Dann sind turnusgemäß wieder Volkach und Dettelbach dran. Ob im nächsten Jahr die Straßen "von vorn bis hinten voll" sind, steht aber in den Sternen. Dunkle Wolken ziehen nämlich auf über den Faschingsgesellschaften. Ab dem kommenden Jahr müssen alle Wagen vom TÜV abgenommen werden. Über 100 Euro muss dann berappen, wer sein Narrenschiff vorschriftsmäßig durch die Stadt schunkeln will.

"Das ist der Tod der Faschingsumzüge auf dem Land", schimpft Karl-Heinz Klein, seit 1974 Mitglied der KiKaG und inzwischen einer ihrer Senatoren. "Es steckt ja eh schon viel Herzblut, Arbeitszeit und auch Geld in den Motto-Wagen", pflichtet ihm Engelbrecht bei. "Wenn man dann auch noch eine TÜV-Gebühr draufschlagen muss, wird das für viele zu teuer".

In diesem Jahr herrscht aber noch das freie Spiel der närrischen Kräfte beim Umzug. Dennoch wird Sicherheit groß geschrieben. "Wir achten ohnehin schon darauf, dass nichts passieren kann", berichtet Reinhold Hohm, ebenfalls Senator der KiKaG. So wurde die Verkleidung des Senatswagens so weit nach unten gezogen, dass unter normalen Umständen niemand unter den Wagen geraten kann. Parallel dazu laufen Mitglieder der Feuerwehr Michelfeld neben allen Wagen mit, damit auch niemand zwischen Wagen und Zugmaschine gelangt.

Größeres wird nicht geworfen

Und auch hinsichtlich der Süßigkeiten, die durch die Luft fliegen, ist Vorsicht geboten. "So eine Tafel Schokolade", Reinhold Hohm hebt eine Tafel mit dem Aufdruck eines 50-Euro-Scheins hoch, "kann zu einem richtigen Geschoss werden, wenn sie jemanden unerwartet trifft". Deshalb werden größere Leckereien eher heruntergereicht als geworfen.

Zielt man vom Wagen auf die, die einen umgeklappten Schirm hochhalten? "Schirmträger bekommen eher nichts", tönt es von den Senatoren fast einstimmig. Alle sollen die gleiche Chance auf die Süßigkeiten bekommen. Alle? "Hebt noch einige Pralinen-Packungen für die Einwohner vom Altersheim an der Kapuzinerstraße auf", sagt Senatspräsident Volkhard Groß. Alle, wirklich alle, sollen den Zug genießen.

Die Herren vom Senat haben schon Spaß beim Bestücken ihres Wagens. Leckereien im Wert von 750 Euro, im Fachjargon "Auswurfmaterial", füllen sie in Vorrichtungen, die weißen Blumenkästen ähneln. "Wir haben bessere Sachen im Gepäck als der Nikolaus", verspricht Groß und klopft auf die Holzverkleidung des Wagens. Dieser selbst residiert noch in der Halle der Firma Promotion Line in Hoheim. Der Senat hat für das Schlachtschiff das ganze Jahr einen Platz gemietet. Die Luft muss noch rein in die Reifen, dann ist er fit für den Ernstfall.

Den Faschingszug und die Rosenmontagssitzung - zwei Highlights hat der Fasching in Kitzingen noch zu bieten. "Für die Sitzung sind noch Karten an der Abendkasse zu bekommen", wirft Kurt Engelbrecht ein. Aus den Vorverkaufsstellen hat er noch ein Restkontingent zurückbekommen. Er sieht beiden Großveranstaltungen recht gelassen entgegen. Seinen Kollegen vom Senat fühlen ähnlich. "Fasching in Franken, das hat Niveau. Das hat irgendwie einen ganz eigenen Stil", sagt Senatspräsident Groß.

Stilvoll wird er mit rund 5 Senatsmitgliedern den Abschluss des Zuges bilden. Und dann verschwindet der große Wagen wieder in die Halle. Nächstes Jahr wird mehr Vorarbeit nötig sein, um den Wagen durch den TÜV zu bekommen. Das dürfte dann auch ein Thema für die eine oder andere Büttenrede werden.