Alle Generationen in einem Boot

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Interesse für neue Medien: Die beiden älteren Damen Anni Ebert (links) und Mathilde Grebe (Zweite von rechts) haben zusammen mit dem 12-jährigen ehrenamtlichen Helfer Angel Reynoso Vasquez, ...
Fotos (2): Ralf Dieter
Gar nicht so leicht: Die Manschette simuliert Alterskrankheiten wie Gicht oder Arthritis. Demet Ugurlu merkt, wie schwer es wird, Knöpfe zuzumachen.
 

16 Millionen Menschen leben in Deutschland alleine. Das ist ungefähr jeder Fünfte. Anni Ebert und Mathilde Grebe wollen auf keinen Fall zu diesen 16 Millionen Menschen gehören. Sie wohnen im Mehrgenerationenhaus St. Elisabeth in Kitzingen - und haben die MS Wissenschaft besucht, die gerade in Kitzingen vor Anker liegt.

16 Millionen Menschen leben in Deutschland alleine. Das ist ungefähr jeder Fünfte. Anni Ebert und Mathilde Grebe wollen auf keinen Fall zu diesen 16 Millionen Menschen gehören. Sie wohnen im Mehrgenerationenhaus St. Elisabeth in Kitzingen.

„Heute habe ich viel gelernt“, sagt Mathilde Grebe und lächelt. Zusammen mit der Projektleiterin des Mehrgenerationenhauses, Petra Dlugosch, Praktikantin Monika Kneuer, der 18-jährigen Auszubildenden Demet Ugurlu und dem 12-jährigen ehrenamtlichen Helfer Angel Reynoso Vasquez haben die beiden Seniorinnen die MS Wissenschaft besucht.

Das Schiff liegt bis Mittwochabend am Kitzinger Ufer. Das Thema der Ausstellung im Schiffsbauch ist wie gemacht für einen Besuch von Alt und Jung: „Alle Generationen in einem Boot – Die demografische Chance.“

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Wo und wie möchte ich im Alter leben? Wie plane ich Beruf und Familie? Welche technischen Hilfestellungen gibt es, um den Alltag für Senioren zu erleichtern? Fragen, die in der Ausstellung anschaulich beantwortet werden. Fast nebenbei wird bei den jungen Besuchern Verständnis für die Sorgen und Probleme der älteren Generation geweckt.

Demet Ugurlu zieht sich an einem Informationsstand eine Kettenhand mit Manschette über. Die simuliert Krankheiten wie Gicht oder Arthritis. Jetzt versucht sie, eine Tasche aufzuknöpfen. Kein leichtes Unterfangen. „Da braucht man viel Geduld“, erkennt die 18-Jährige. Daneben steht Angel und schreibt mit einem zitternden Stift das Wort Kitzingen auf ein Blatt. Es will ihm nicht ganz gelingen.

Beim Buzzer-Spiel nebenan geht es darum, wer ein Wort am schnellsten liest. „Und das sind beileibe nicht immer die Jüngeren“, versichert Ausstellungslotse Martin Fischer. „Die Jahrzehnte lange Erfahrung zahlt sich halt doch aus.“

„Viele Menschen sagen, dass sie gerne generationenübergreifend leben wollen.“
Petra Dlugosch Mehrgenerationenhaus Kitzingen

Verschiedene Lebensstile, die künftige Bevölkerungswanderung – Kitzingen wird nach der Prognose im Jahr 2030 rund 1000 Einwohner weniger haben – die Einstellung der Menschen zur Religion: Die Ausstellung zeigt etliche Zukunftsthemen auf und präsentiert gleichzeitig hilfreiche Erfindungen und mögliche Modelle für das Zusammenleben von Jung und Alt.

Breitere Fußwege, Ampeln, die bei Senioren die Grünphasen verlängern, mehr Orte zum Ausruhen: So sieht das Modell eines Stadtteils für jedes Alter in Dresden aus. Der intelligente Rollstuhl, der vor Hindernissen abbremst und seine Erfahrungen speichert, wird auch von jungen Besuchern gerne ausprobiert und vor dem Bildschirm mit der „Reha-App“ versammeln sich Familien, um einen virtuellen Ball zu fangen.

„Viele Menschen sagen, dass sie gerne generationenübergreifend leben wollen“, erzählt Petra Dlugosch. „Aber dafür fehlen noch viel zu oft die Gelegenheiten.“ Das Mehrgenerationenhaus in Kitzingen mit seinen vielfältigen Treffpunkten für Jung und Alt ist für sie nur ein Bauteil von vielen. „Die Ausstellung zeigt, dass es viele Ideen und Modelle gibt“, sagt sie. „Aber es wird zu wenig umgesetzt. “ Ein Grund: Viele ältere Menschen hängen sehr am eigenen Haus und Garten, verzichten deshalb auf die Möglichkeit, den Alltag in einer alternativen Wohnform und mit einer größeren Gruppe zu verbringen.

Anni Ebert lebte bis vor ein paar Jahren auch noch alleine, fühlte sich dank des Hausnotrufsystems des Bayerischen Roten Kreuzes sicher. „Aber dann ging es halt doch nicht mehr.“

Im Mehrgenerationenhaus wohnt sie gerne. „Man kann sich mit anderen Menschen unterhalten“, erklärt sie. „Und die Selbstständigkeit bleibt erhalten“, ergänzt Mathilde Grebe.

Die beiden haben ihre Wohnform im Alter gefunden. Und auf dem Wissenschaftsschiff etliche neue Anregungen. „Gut zu wissen, dass es weitere Stützen und Erfindungen fürs Alter gibt“, sagt Grebe. Zu den 16 Millionen, die alleine leben, muss sie nicht gehören.

Die MS Wissenschaft ist am Mittwoch, 21. August, noch bis 18 Uhr geöffnet.