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Hof
Corona-Krise

Fränkischer Club-Betreiber wütend: "Wir werden wie ein Bordell behandelt"

Die Corona-Krise trifft kaum eine Branche so hart wie die Clubszene. Der Inhaber des Rockwerks in Hof kämpft um den Erhalt und die Zukunft von Party-Locations in Bayern. Sein Appell an die Politik ist klar: "Vergesst uns nicht!"
 
Rockwerk in Hof
Der Inhaber des Rockwerks in Hof will um die Clubszene in Bayern kämpfen. Foto: Rockwerk Hof
  • Rockwerk Hof schreibt Brandbrief an Politik
  • Betreiber: "Die Clubszene steht vor dem Aus" 
  • Soforthilfepaket in Corona-Krise ist aufgebraucht
  • Die Zukunft der Clubs in Bayern ist ungewiss

Alle Clubs mussten aufgrund der Corona-Krise von heute auf morgen schließen - wann sie wieder öffnen können, ist unklar: Diese Ungewissheit treibt auch den Betreiber des Rockwerks in Hof, Christian Klug, um. Auf Facebook hat er einen Brandbrief veröffentlicht, in dem er die aktuellen Probleme der Clubs in Bayern beschreibt und an die Politik appelliert. Im Gespräch mit inFranken.de erklärt er: "Wir werden wie ein Bordell behandelt."

Als Erstes geschlossen, als Letzte wieder offen

"Wir mussten als eine der ersten schließen und können erst wieder ganz zum Schluss öffnen", befürchtet Klug. Das sei ihm völlig klar, und ergebe auch Sinn, denn in einem Club könne man das Infektionsrisiko für Gäste und Mitarbeiter nicht kontrollieren: "Wir leben von nahem Kontakt auf der Tanzfläche", daher rechnet Klug mit einer Eröffnung erst wieder im Herbst 2021. "Wie wir bis dahin um die Runden kommen sollen, weiß ich allerdings nicht. Das Soforthilfepaket von 9.000 Euro ist nach 2,5 Monaten mittlerweile aufgebraucht."

Fixkosten, wie Miete, Pacht oder auch Versicherungen, laufen schließlich weiter. Wie die Unterstützung vonseiten der Politiker weitergeht, wurde bisher nicht besprochen: "Deshalb möchte ich Aufmerksamkeit schaffen. Nicht für mich und meinen Club, sondern für die ganze Szene in Bayern." Klug befürchtet, dass einige Locations die Krise nicht überstehen werden, wodurch ein großer Teil Leichtigkeit und Lebensfreude verloren ginge. 

"Klar, wir könnten einen Kredit aufnehmen, aber wie sollen wir den je zurückzahlen?", fragt sich der Club-Betreiber. Entweder er müsse die Eintritts- und Getränkepreise zukünftig anheben, oder die Politik muss aktiv werden: "Wir werden aktuell wie ein Bordell behandelt. Beides fällt unter die Vergnügungsstätten-Verordnung, wobei ich uns eher als Kulturangebot sehe." Der Unterschied ist hier ein rein finanzieller. 

"Wir brauchen eine Dauerlösung" - sonst droht das Aus

"Wir müssen auf unsere Preise 19 Prozent Mehrwertsteuer abziehen, während beispielsweise Theater nur 7 Prozent zahlen müssen." Sein Vorschlag ist daher, dass Clubs zukünftig nicht mehr 19,  sondern 7 Prozent Mehrwertsteuer zahlen und die gewonnenen 12 Prozent zur Abzahlung von Corona-Krediten verwendet werden. "Das tut niemandem weh: Unsere Gäste müssten nicht mehr zahlen und wir können beruhigt weitermachen. Lediglich der Staat müsste verzichten."

"Ich bin kein Einzelschicksal", meint Klug, daher hofft er auf seine Gäste und Fans: Diese sollen Bekannte und, vor allem Politiker im Umkreis auf das Thema aufmerksam machen, damit sich die Situation der bayerischen Clubs bis nach ganz oben durchspricht. Mit dem Motto "#seiunserelobby" hat er bereits erste Erfolge erreicht: Die Junge Union in Hof habe bereits einen Brief an Kulturminister Piazolo in München geschrieben und der SPD-Ortsverband sei ebenfalls aktiv geworden. 

"Der einzige Weg, dass wir wieder öffnen können, ist ein Impfstoff", sagt Klug. Bis es so weit ist, müsse er das Beste daraus machen: Aktuell betreibt er deshalb einen Kiosk vor dem Rockwerk, den er gerne auch mobil an die Saale verlagern möchte. "Ich versuche weiter, mit meinen Gästen in Kontakt zu bleiben und an meinem Lebenswerk festzuhalten. Aber dafür muss die Politik aktiv werden und eine Dauerlösung schaffen."