Haßfurt
Energie

Windpark bei Haßfurt geht heuer in Betrieb

Die Bürgerenergiegenossenschaft Haßfurt sprach bei ihrer Mitgliederversammlung über die Zehn-Rotoren-Anlage im Sailershäuser Wald. Das 44,3-Millionen-Euro-Projekt liegt im Plan - trotz der Verzögerungen in der Mitte des Jahres.
Abendstimmung: Zwei (der zehn) Windräder des Sailershäuser Windparks rahmen beim Sonnenuntergang den Holzhäuser Kirchturm ein. Die Anlage soll heuer noch in Betrieb gehen.  Fotos: Manfred Wagner
Abendstimmung: Zwei (der zehn) Windräder des Sailershäuser Windparks rahmen beim Sonnenuntergang den Holzhäuser Kirchturm ein. Die Anlage soll heuer noch in Betrieb gehen. Fotos: Manfred Wagner
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Trotz des kurzzeitigen Baustopps im Frühsommer 2015, verkündete Siegmund Kerker nicht ohne Stolz, "geht der Bürgerwindpark Sailershausen heuer noch vollständig in Betrieb - Zeitplan und Kostenrahmen werden eingehalten." Im Saal der FC-Gaststätte in Haßfurt gab der Vorstandsvorsitzende der Bürgerenergiegenossenschaft Haßberge eG (BEG) vor 124 Mitgliedern bei der zweiten ordentlichen Generalversammlung seinen Bericht.

Er bedankte sich für den großen Vertrauensbeweis der mittlerweile 447 Mitglieder, die sich mit 3,2 Millionen Euro an Projekten der Energiewende beteiligen. Diese positive Entwicklung zeige eindrucksvoll, dass die Idee der aktiven Bürgerbeteiligung inzwischen mit Leben gefüllt wurde, ergänzte Dieter Möhring als Aufsichtsratsvorsitzender der BEG.

Nachdem der Jahresabschluss mit Gewinn- und Verlustrechnung 2014 vorgetragen worden war, entlasteten die anwesenden
Genossenschaftsmitglieder mit großer Mehrheit den Vorstand und Aufsichtsrat. Dabei versicherte Hofheims Bürgermeister Wolfgang Borst als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender, dass alle Mitglieder zukünftig noch zeitnaher und umfassender über aktuelle Vorgänge der BEG informiert werden. Geplant ist, dass die BEG in naher Zukunft in weitere Energieprojekte investiert. Sobald sich dies konkretisiert, könnten interessierte Bürger, die momentan auf einer Warteliste stehen, als Mitglieder bei der BEG einsteigen.

Wie zu erwarten, drehte sich die Diskussion beim Geschäftsbericht vor allem um den Bürgerwindpark Sailershausen. An diesem großen Projekt ist die BEG als Kommanditist mit einem Anteil von drei Millionen Euro beteiligt. Dies entspricht 25 Prozent der Eigenmittel. Neben der BEG sind als kommunale Partner der Landkreis, zahlreiche Gemeinden, das Haßfurter Stadtwerk und das Überlandwerk Lülsfeld an Bord. Der einzige überregionale Gesellschafter ist die Planet Energy aus Hamburg, eine Tochterfirma von Greenpeace Energy.

Auf Nachfrage informierte Kerker, dass der etwa zweimonatige Baustopp (wegen Klagen vor dem Verwaltungsgericht) zusätzliche Kosten von rund 150 000 Euro verursacht habe. Allerdings seien diese Mehrkosten durch Einsparungen an anderer Stelle wieder ausgeglichen werden. Dadurch bleibe die gesamte Investition im Rahmen der ursprünglich geplanten 44,3 Millionen Euro. Im Gegensatz zu vielen anderen Beispielen beweise der Windpark, dass nicht jedes Großprojekt kostenmäßig aus dem Ruder laufen müsse.

Auch die Zeitverzögerung habe keine negativen Auswirkungen. Bis zum Jahresende werde die gesamte Anlage voll funktionsfähig sein und ans Netz gehen, informierten die Verantwortlichen. Beantwortet wurde auch die Frage eines Mitglieds, warum sich nicht jetzt schon alle Windflügel drehen. Dies sei in der Anfangsphase einer solchen Großanlage völlig normal, weil bis Jahresende alle Einstellungen durch Prüfungen und Nachjustierungen optimiert werden, hieß es. "Ab 2016", betonte Wolfgang Borst, "verdienen die Windräder ihr Geld."

Gunter Häckner, der als Geschäftsführer der GUT (Gesellschaft zur Umsetzung erneuerbarer Technologieprojekte) an der Planung des Windparks beteiligt war, gab anhand einer Präsentation weitere Details bekannt. Der Park im Haßbergekreis, unterstrich der Energieexperte, genieße bundesweit als Vorzeigeprojekt hohe Aufmerksamkeit und errege mitunter sogar versteckten Neid. Als vorbildlich müsse gewertet werden, dass die bereits vorhandene Infrastruktur mit einem Wegenetz genutzt wurde. Die umliegenden Dörfer seien dadurch mit keinem einzigen Schwertransporter belastet worden.

Eindeutig positiv falle auch die Bilanz beim Naturschutz aus. Die bei den Standorten und Zufahrten erfolgten Baumfällungen betrugen zehn Prozent des jährlichen Gesamteinschlags der dortigen Forstbetriebe, wie er schilderte. Durch die flächenmäßig vollumfängliche Aufforstung sei die Waldfläche sogar gewachsen. Die umgesetzten Ausgleichsmaßnahmen mit Heckenpflanzungen, Wiesenansaaten, Totholzstellen, Biotopbäumen und Vogel- sowie Fledermauskästen seien ein Gewinn für Natur und Umwelt.

Mit Fotos erläuterte der Ingenieur die Technik der Windräder. So sei der verwendete Anlagentyp "Nordex" speziell für Schwachwindgebiete auf Binnenstandorte entwickelt worden. Die Nabenhöhe von 140 Metern sowie der große Rotordurchmesser mit 117 Metern und mehr als 10 000 Quadratmetern "überstrichener Rotorfläche" in Kombination mit einem relativ kleinen Generator mit 2400 Kilowatt gewährleisteten eine hohe Auslastung.

Unter den Gästen befand sich auch der Unternehmensberater Bernd Bullnheimer aus Ebern. Im Gespräch nach der Versammlung bezeichnete er sich als "Überzeugungstäter". Zur Mitgliedschaft hat ihn vor allem die Konstruktion bewogen, dass ein großes innovatives Projekt der Energiewende mit einer aktiven Bürgerbeteiligung verknüpft wurde. Dabei ist er durchaus kein Mensch, der zu allem Ja und Amen sagt. Seine in der Versammlung geäußerten kritischen Anmerkungen will der Eberner als konstruktiven Beitrag verstanden wissen.