Wer im Wald arbeitet, weiß, dass die Tätigkeit kein Zuckerschlecken ist. Hier ist der ganze Mann oder die ganze Frau gefordert. Gerade jetzt, da der Borkenkäfer nach dem heißen Sommer 2018 als Taktgeber für die Waldarbeit steht, sind die Landwirte und Forstarbeiter noch mit der Aufarbeitung der "Käferfichten" beschäftigt.

An einem warmen Frühlingstag arbeitet der 51-jährige Forstunternehmer Thomas Birklein mit seinen Mitarbeitern Mario Lippmann und Jan Pfadenhauer im Waldgebiet "Steinert" bei Jesserndorf. Das Team ist damit beschäftigt, vom Borkenkäfer befallenes Holz zu fällen und, wie es im Fortjargon heißt, aufzuarbeiten. Alle drei haben Motorsägen in der Hand und quälen sich zwischen liegenden Stämmen und Geäst, um die Äste von den Stämmen zu trennen und diese auf eine Länge von fünf Metern zu kürzen. Mit ihrer kompletten Schutzausrüstung kein leichtes Unterfangen. Unter den Helmen der Arbeiter fließt der Schweiß; manchmal stellen sie ihre Motorsäge ab, um über ein Hindernis zu steigen.

Chef Thomas Birklein, der seit dem Jahr 2004 selbstständiger Forstunternehmer ist und drei Forstarbeiter beschäftigt, erklärt, dass im dem Waldstück etwa 50 Festmeter an Käferfichten aufzuarbeiten sind. "Durch die Trockenheit und den Borkenkäfer entstand für die Fichte ein Riesenproblem. Hauptsächlich sind wir damit beschäftigt, dieses Holz aufzuarbeiten. Arbeit gibt es massig. Was ich als ein Problem ansehe, ist, dass mitunter, vor allem in den Wäldern von Großgrundbesitzern, ,Billiglöhner' beschäftigt sind. Die Stadt Ebern muss ich davon ausnehmen, sie setzt mit dem Förster Wolfgang Gnannt auf gelernte und gut ausgebildete Forstarbeiter."

Sowohl Thomas Birklein mit seinem Team als auch die "Billigkräfte" arbeiten im Akkord. Birklein bedauert, dass in den Geboten für Holzaufarbeitungsarbeiten nicht zwischen gewerblichen Hauptunternehmen, Leuten, die sich etwas dazuverdienen wollen, gelernten oder ungelernten Kräften, einheimischen wie Ausländern, unterschieden wird. "Stellenweise", so räumt Thomas Birklein ein, "sind die ausländischen Arbeiter auch für die Waldarbeit qualifiziert, aber sie werden nicht so bezahlt, wie deutsche Forstarbeiter oder auch ich für mein Unternehmen bezahlt werden wollen." Da könne man sich vorstellen, an wen die Aufträge häufig vergeben werden.

Um die 15 Euro bezahlt Thomas Birklein pro Stunde an seine Arbeiter. "Die ausländischen Arbeitskräfte, die als Subunternehmer kommen, arbeiten oft für ein Handgeld, sind wesentlich billiger." Birklein hat nur einheimische Leute angestellt. Der Forstunternehmer beklagt, dass sich die Politik für die Waldbesitzer interessiere, aber nicht für Menschen, die die Arbeit dort machen. "Es wird gejammert, dass Fachkräfte fehlen und man dringend Unternehmer bräuchte, die das machen, aber den Unternehmer will man nicht vernünftig bezahlen." Eine vernünftige Entlohnung sei aber erforderlich, damit die eigenen Arbeiter ordentlich bezahlt werden können.

Jan Pfadenhauer war bis Ende Januar in der Industrie als Fräser beschäftigt. Nach seinen Worten verdient er als Forstarbeiter gut 300 Euro weniger. Was hat ihn bewogen, den schlechter bezahlten und viel schwereren Beruf zu ergreifen? "Hier bin ich näher an meinem Wohnort und die Arbeit füllt mich aus", sagt er und ergänzt: "Bisher habe ich den Schritt nicht bereut." Jan Pfadenhauer vergleicht seine Arbeit mit Bauarbeitern, die jedoch wesentlich mehr verdienen.

Sein Kollege Mario Lippmann bedauert, dass die Bezahlung für die schwere Arbeit schlechter ist als für einen Beschäftigten in der Fabrik, der als Ungelernter an der Maschine steht. Er ist sicher, dass die Bezahlung besser würde, wären nicht ausländische Billigarbeiter an Bord. "Die drücken einfach die Preise und leider merken sehr viele Auftraggeber halt drauf", sagt Lippmann.

Das meint auch Werner Riegel (SPD), Dritter Bürgermeister der Stadt Ebern, der im Stadtrat der Waldreferent ist. Seiner Meinung nach kommen zu viele Subunternehmer zum Zug, die sich ausländischer Arbeiter bedienen, die quasi "fürn Appl und Ei" arbeiten. "Was die bekommen, ist so und so zu wenig, aber auch unsere gelernten Arbeiter in den Forstunternehmen sind für ihre schwere Arbeit absolut unterbezahlt", sagt Riegel. Deshalb, meint er, müsse der Stundensatz von den Auftraggebern, egal ob Kommunen oder private Großwaldbesitzer, deutlich angehoben werden. "Nur wenn der Stundensatz für einen Unternehmer stimmt, kann er auch seine Arbeiter einigermaßen vernünftig bezahlen", ist Riegel überzeugt.

Birklein bemängelt auch das Verhalten der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Haßberge, von der er sich nicht richtig unterstützt fühlt. "Die sind auch darauf aus, dass der Holzeinschlag und die Holzaufarbeitung wenig kosten."

Birgitt Ulrich ist Geschäftsführerin der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Haßberge mit Sitz in Hofheim. Sie weist Vorwürfe, die FBG würde dazu beitragen, möglichst billige Arbeitskräfte aus dem Ausland einzusetzen, sogenannte Billiglöhner, entschieden zurück. "Wir sind stets bemüht, örtliche Unternehmen zu beauftragen, und machen auch große Anstrengungen, Nachwuchs für die Forstwirtschaft zu finden", sagt sie. Ulrich verweist darauf, dass die FBG zertifiziert sei und nach diesen Standards arbeite und sie auch einhalte. "In dieser Hinsicht werden wir von Gutachtern geprüft", erläutert Birgitt Ulrich. Sie betont, dass die FBG keine ausländischen Arbeitskräfte einsetze. Sie kennt das Problem, dass beauftragte Unternehmer Subunternehmer mit ausländischen Kräften holen. Die FBG bezahle nach tariflichen Vereinbarungen, versichert sie. Derzeit besteht die FGB aus 766 privaten und kommunalen Waldbesitzern mit einer Mitgliedsfläche von 21 500 Hektar im Landkreis Haßberge.

Den Vorwurf, die FBG würde die gelernten Forstarbeiter "drücken", weist sie als falsch zurück. Normalerweise werden nach ihren Angaben Forstunternehmen im Winter zum Holzeinschlag beschäftigt und im Sommer zu Pflanz- oder Wegebauarbeiten herangezogen. "Bei der derzeitigen Kalamität infolge des Käferholzes, verursacht durch den Borkenkäfer, sind die Leute zu 100 Prozent mit der Aufarbeitung beschäftigt und hiesige Unternehmer haben nicht die Kapazität, dass sie die Aufarbeitung in einem gewissen Zeitraum erledigen können", sagt Birgitt Ulrich. Die FBG sei stets bemüht, mit Waldbesitzern und Forstarbeiten ein gutes Einvernehmen zu erzielen.

Hinsichtlich des Borkenkäfers sagt Altlandwird Fritz Haseloff aus Köslau: "Für den Landwirt war und ist der Wald eine Sparbüchse und Brennholzlieferant. Als Sparbüchse hat er leider ausgedient, denn die Preise waren nicht so berauschend, dass sich der Landwirt damit eine goldene Nase verdienen konnte. Seit Sommer letzten Jahres haben wir das Problem mit dem Borkenkäfer. Die befallenen Bäume müssen dem Wald entnommen werden, obwohl der Preis jetzt im Keller ist. Dadurch fallen Holzmengen an, die normalerweise nur in zehn bis 15 Jahren zum Verkauf kämen. Das Holz muss eingeschlagen und aus dem Wald entfernt werden, auch wenn andere landwirtschaftliche Arbeiten anstehen. Bei sommerlichen Temperaturen macht es keinen Spaß, denn man muss mit Schutzkleidung arbeiten. Die meisten Giebel haben wir komplett aus dem Wald gezogen und dann mit einem Häcksler klein gemacht. Das ist natürlich ein zusätzlicher Aufwand." Daran zu denken, Lohnkräfte einzusetzen, erübrige sich, erklärt er. Das rentiere sich nicht. "Einbußen sind so und so stark vorhanden", sagt Fritz Haseloff.