Es knackt und raschelt. Abgebrochene Äste, Laub und Zapfen der Nadelbäume bedecken den trockenen Waldboden. Erde wird aufgewirbelt. Es staubt verdächtig. Ein Streichholz und alles brennt wie Zunder. Während sich viele Menschen im Kreis Haßberge über blauen Himmel und viel Sonnenschein freuen, verlangt die Natur nach Regen. Allen voran die Wälder.

Die extreme Hitze und Trockenheit des vergangenen Sommers, der milde Winter und fehlender Niederschlag im Frühling setzen den Bäumen im Forst dramatisch zu. Stürme könnten jetzt leicht ganze Waldabschnitte verwüsten. Wo das Wurzelwerk der Bäume teils schon vertrocknet ist, droht der ganze Baum ohne großes Zutun umzuknicken - eine Böe und es reißt weitere Bäume um. Wie Dominosteine. Und als wäre das noch nicht genug, sind Käfer auf dem Vormarsch.

Fichten können sich nicht mehr selbst helfen

"Sind die Nadelbäume ausgetrocknet, können sie nicht mehr ausreichend Harz produzieren, um die Schädlinge abzutöten", erklärt Birgitt Ulrich, Geschäftsführerin der Forstbetriebsgemeinschaft Haßberge (FBG) und Forstwirtschaftlichen Vereinigung Unterfranken (FVU). Als so genannte Rindenbrüter überwintern Borkenkäfer in sämtlichen Entwicklungsstadien unter der Rinde befallener Fichten sowie weiterer Baumarten. "Bei Temperaturen ab 16,5 Grad und trockener Witterung schwärmen Buchdrucker und Kupferstecher aus", sagt Ulrich. Selbst wenn die Temperaturen schon im Winter steigen, verlassen die Insekten ihr Winterquartier erst Mitte/Ende April.

Dass die Viecher bereits ausgeschwärmt sind, zeigt Ulrich an gefällten Fichtenstämmen in einem Waldstück an der Weinstraße in Neuses (Bundorf). Die Ausbruchstellen der Käfer sind deutlich zu erkennen. Angriff droht von unten und oben: Der achtzähnige Buchdrucker frisst sich unter die Rinde des Baumes, während der Kupferstecher in die Baumkrone geht, wie Ulrich weiter erklärt.

Borkenkäfer, wie Buchdrucker, Kupferstecher und weitere Käfer, gerne zusammengefasst werden, haben seit 2018 bayernweit schon zig Hektar Wald zerstört. Die Nadelbäume in den Landkreisen Haßberge, Rhön-Grabfeld und Schweinfurt ächzen nach Wasser. Ist es zu trocken, bilden die Bäume nicht genügend Feinwurzeln aus. "Die Trockenheit reißt den Waldboden stückweise auf", sagt Ulrich. "Die Rillen und Furchen, die dadurch entstehen, lassen die Feinwurzeln eingehen." Der Baum verliert seine Abwehrkräfte. Ein Teufelskreis.

Katastrophe droht den Wäldern

"Es steht uns eine Katastrophe bevor", mahnt Wolfgang Borst, Vorsitzender der FVU und Bürgermeister der Stadt Hofheim. "Es ist jetzt nicht mehr kurz vor Zwölf, sondern schon nach Zwölf." Das Trockenjahr 2018 setzt sich fort. Mit schlimmen Auswirkungen auf die Nadelholzbestände. Noch bestehen etwa 42 Prozent der bayerischen Wälder aus Fichten. Noch! Borst erwartet, dass die Einschlagmenge an Fichtenholz auf ein Fünffaches ansteigt. Ein echtes Problem. Nicht nur für den Bestand des Waldes, sondern für die Forstwirte und die Privatwaldbesitzer. Aufarbeitung und Abfuhr des geschlagenen Holzes lassen sich nur noch schwer bewerkstelligen. "Firmen, die beim Abtransport aus dem Wald helfen, können den Bedarf nicht mehr decken", erklärt Borst.

Nur durch "saubere Waldwirtschaft" kann der Baumschädling bekämpft werden, mahnt die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF). Das beschädigte Holz, bestes Brutmaterial für den Borkenkäfer, muss schleunigst raus aus dem Wald. Mindestens 500 Meter weit weg. Aber wohin? Freiflächen gibt es beispielsweise im Haßgau kaum mehr - Parkplätze im Maintal wurden angemietet. Privatwaldbesitzer, die die Anordnung der Regierung von Unterfranken nicht erfüllen, drohen noch dazu Zwangsgelder. Nicht zu reden von dem krassen Preisverfall auf dem Holzmarkt.

Bereits ganze Waldabschnitte sind zerstört

Ganze Waldabschnitte sind schon zerstört im Nachbarlandkreis Rhön-Grabfeld, etwa bei Serrfeld. Hier sind rund 15.000 Quadratmeter Fichte den Folgen der Trockenheit zum Opfer gefallen. "Uns drohen komplette Waldverluste", sagt Borst. Noch dazu sind Herbst- und Frühjahrspflanzungen wegen der Trockenheit ausgefallen. Doch es muss aufgeforstet werden. Noch herrscht Unwissenheit, welche Baumart geeignet ist. Es fehlen vergleichbare Situationen und bedarf noch viel Forschung, wie Stephan Thierfelder vom Forstamt in Schweinfurt erklärt.

"Die braunen Kiefernkronen leuchten aus dem Wald heraus", sagt Thierfelder und zeigt auf den Wald, der auf den ersten Blick grün erscheint. Auch die Kiefern werden immer häufiger von Käfern befallen. Auf dem Waldboden liegen gut sichtbar zwischen dem braunen Laub grüne Nadeln. "Ein Zeichen für den Käferbefall", erklärt Thierfelder. "Zusammenhalten" und "Mitanpacken", sagt Borst und gibt die Botschaft nach Hilfe bei dem gemeinsamen Waldbegang im Naturpark Haßberge weiter an den Landtagsabgeordneten Steffen Vogel (CSU) und die Bundestagsabgeordnete Anja Weisgerber (CSU). Ihr ist klar: "Nur ein bewirtschafteter Wald kann dazu beitragen, die Klimaerwärmung einzudämmen."

Soforthilfepaket gefordert

Als Klimaschutzbeauftragte will Weisgerber die dramatischen Eindrücke mit in den Bundestag nehmen. Ein Soforthilfepaket für betroffene Waldbesitzer, das wünschen sich die Forstleute von der Politik.

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