Seit kurzem sind zwei Wohngruppen der Rummelsberger Anstalten in ein Anwesen in der Sutte in Ebern eingezogen. Die Verantwortlichen wandten sich an die Polizei in Ebern mit der Bitte, ihren Schützlingen angepassten Verkehrsunterricht zu erteilen. Das übernahm Polizeioberkommissar Tobias Kern am Samstagvormittag.

"Wir wollen mit unseren Bewohnern Wege gehen, auf denen sie häufiger selbstständig unterwegs sein werden, zum Beispiel beim Einkaufen", sagte Claudia Büttner, die bei den Rummelsberger Anstalten im Außenbereich arbeitet. Tobias Kern gab sich Mühe, den Rummelsbergern zu erklären, wie sie sich in einzelen Situationen verhalten sollten.
So wurde besprochen, dass grundsätzlich Gehwege zu nutzen sind, wie man sich an Kreuzungen, Grundstücksein- oder -ausfahrten, sonstigen Einmündungen oder auch am Kreisverkehr verhalten sollte, um sicher über die Fahrbahn zu kommen.

Praktische Übungen waren eingeschlossen. Als "Kinderkram" bezeichnete das die 24-jährige Pamela aus der der Rummelsberger Gruppe. "Das weiß ich doch alles, für uns Jüngere muss das nicht sein. Aber für die Alten finde ich das schon in Ordnung", sagt sie. Trotzdem bestand Claudia Büttner darauf, dass die gesamte Gruppe mitmacht.

Tobias Kern stellte fest, dass sich Autofahrer häufig nicht an die Vorschriften halten. "Wenn man vom Kreisverkehr ausfährt, muss man den Fußgängern, die die Fahrbahn in der Ausfahrt queren, den Vorrang lassen", sagt er. Wie er bei den Übungen mit der Gruppe feststellte, scheinen das manche Fahrer nicht zu wissen.

Das Resümee des Polizeioberkommissars an diesem Tag: "Einige der Personen waren konzentriert bei der Sache, andere nicht so. Aber das ist halt nicht bei allen gleich, je nach dem Grad ihrer Behinderung." In diesem Zusammenhang weist der Polizeibeamte darauf hin, dass Verkehrsteilnehmer beim Erkennen von Kindern oder behinderten Menschen stets mit einem nicht verkehrsgerechten Verhalten rechnen müssten, auch wenn sie bevorrechtigt seien: "Lieber mal auf sein Vorrecht verzichten, um trotz Vorfahrtsrecht nicht in die Mühlen der Justiz zu geraten."

Vom nahe gelegenen Parkplatz eines Einkaufsmarkts beobachtet ein 62-Jähriger den Verkehrsunterricht. "So etwas halte ich für wichtig. Verkehrserziehung beginnt ja schon im Kindergarten und ältere oder behinderte Menschen werden oft wieder wie Kinder. Es macht deshalb Sinn, ihnen Hilfestellung zu geben. Prima, dass die Polizei auch dafür zur Verfügung steht", lobte der Senior die Aktion.