Über den Fledermauspfad können Besucher jetzt vom Steigerwaldzentrum in Handthal zum Baumwipfelpfad nach Ebrach oder umgekehrt gehen. Den Weg, der die beiden Einrichtungen in geradezu idealer Weise vernetzt, übergab gestern im Auftrag von Umweltministerin Ulrike Scharf der Abgeordnete Heinrich Rudrof der Öffentlichkeit. Die Ministerin musste ihr Kommen wegen der Hochwasserproblematik kurzfristig absagen. Dafür zeigten Landräte und Bürgermeister aus den Landkreisen Bamberg, Schweinfurt, Haßberge und sogar Kitzingen reges Interesse.


Kooperation ermöglicht Projekt

Der Fledermauspfad ist ein Ergebnis der Kooperation der Bayerischen Staatsforsten beziehungsweise des Forstbetriebes Ebrach mit dem Verein "Artenschutz in Franken" und dessen Vorsitzenden Thomas Köhler.
Der Leiter des Forstbetriebs, Ulrich Mergner, erklärte bei der Eröffnung, dass man schon verschiedene Projekte umsetzte, so Amphibienschutz an öffentlichen Straßen, eine Weiherrestaurierung, ein Schwarzstorchsymposium, das Haselmausprojekt, die Biotopbauminformation oder die Schlingnatter-Information sowie viele kleinere Projekte. Immer wieder gelinge es Thomas Köhler, Sponsoren mit an Bord zu nehmen, wie diesmal die Audi-Stiftung, die durch Rüdiger Recknagel und Michael Hügel vertreten war. Ohne die Co-Finanzierung wäre das Fledermausprojekt in dieser Qualität nicht umsetzbar gewesen, betonte Mergner.

Er dankte für das Engagement im Sinne der Artenvielfalt und erläuterte das Trittsteinkonzept des Forstbetriebes Ebrach, das Teil der bayerischen Biodiversitätsstrategie ist. Fachpublikum aus England, Schweden, Tschechien, Frankreich, den Niederlanden und vielen anderen Ländern komme in den Forstbetrieb Ebrach, um sich über dieses Konzept zu informieren.

Die Fledermäuse gehören zu den Arten, die ganz wesentlich vom Trittsteinkonzept profitieren, da dieses mittlerweile nicht mehr nur im Staatswald, sondern auch in einigen angrenzenden Privat- und Kommunalwäldern umgesetzt wird. So werde der Artenschutz auf großer Fläche in den Wirtschaftswäldern befördert.


24 Arten in Bayern

Rudrof, Vorsitzender der forstlichen Vereinigung Oberfranken , erklärte, dass es in Bayern 24 Fledermaus-Arten gibt, die in den 80er Jahren alle auf der roten Liste standen. 1984 seien zwei Koordinierungsstellen für Fledermausschutz in Bayern installiert worden mit dem Ziel, mehr Senisbilität für die nächtlichen Jäger und ihre Lebensräume zu schaffen. Immerhin gelang es so, die Hälfte der Arten so zu stabilisieren, dass sie nicht mehr auf der Roten Liste geführt sind.


Von der Fledermaus gelernt

"Jede Art muss uns Auftrag und ethische Pflicht sein", so Rudroff. Dafür könne die Fledermaus fast exemplarisch stehen, denn sie nützt dem Menschen nicht nur als Insektenfresser (über 1000 Mücken vertilgt jede Fledermaus in einer Nacht), durch die Bionik habe der Mensch sogar großen ökonomischen Nutzen gezogen, in dem er die faszinierenden Fähigkeiten der Fledermaus abschaute und ummünzte, etwa für Orientierungs-Technik für Blinde.

Auf dem Weg, der vom eigentlichen Verbindungsweg zwischen Ebrach und Handthal eine kleine Schleife bildet, erläuterte Thomas Köhler die vier Stationen. Hier werden verschiedene Aspekte beleuchtet wie die Echo-Ortung und die Jagd, die Arten-Struktur, die Gefahren und die Überwinterung der Fledermäuse. Das Ganze ist auch für vier verschiedene Gruppen ausgelegt, so dass sowohl Kindergartenkinder, Schulkinder, Erwachsene, als auch Fachleute hier Informationen finden.

Rüdiger Recknagel freute sich, dass die Audi-Stiftung Umwelt jetzt auch auf dem Freigelände des Steigerwaldzentrums Nachhaltigkeit unterstützend tätig werden konnte. Die Stiftung finanzierte auch den erlebbaren Baum im Zentrum. "Uns faszinieren besonders Projekte, wo Natur- und Artenschutz mit innovativer Technik vermittelt werden", erklärte er.
Bus im Graben

Die Kindergartenkinder aus dem Kindergarten St. Jakobus Burgwindheim sangen sowohl im Steigerwaldzentrum, als auch im Wald fröhliche Lieder, mussten aber auf dem Rückweg einen großen Schrecken verdauen. Auf der Forststraße in Richtung Baumwipfelpfad geriet ihr Bus zu weit nach rechts und rutschte in den Graben. Mit vereinten Kräften bargen Pressevertreter, Mitarbeiter der Staatsforsten und MdL Rudrof Kinder, Mütter und Erzieherinnen durch das Fenster der Fahrertür. Im Restaurant-Gebäude des Baumwipfelpfades wurden sie unter der Regie von Ulrich Mergner umsorgt, bis sie sicher nach Hause kamen. Bis auf den Schrecken und ein paar blaue Flecken blieben alle Businsassen unverletzt.