"Anfahrt auf Sicht" bedeutet bei der anrückenden Feuerwehr oft einen größeren Einsatz, wenn schon aus weiter Entfernung starke Rauchentwicklung sichtbar ist. So geschehen am Samstagnachmittag (3. Oktober 2020) im Aidhäuser Gemeindeteil Kerbfeld. In dem 250-Einwohner-Dorf brannte ein älteres landwirtschaftliches Anwesen, wodurch erheblicher Sachschaden entstand.

Beim Eintreffen der Feuerwehren aus Kerbfeld, Aidhausen und Hofheim schlugen die Flammen bereits aus dem Dachstuhl des Wohnhauses und des Nebengebäudes. Nachdem um 16.50 Uhr durch die Integrierte Leitstelle Schweinfurt (ILS) mit dem Einsatzstichwort "Gebäudebrand mit Person in Gefahr" alarmiert worden war, richtete sich das Hauptaugenmerk zuerst auf das Innere des Gebäudes, das Atemschutzgeräteträger nach Personen absuchten. Glücklicherweise stellte sich heraus, dass sich niemand im Haus befand.

Dichter Rauch erschwert Löscharbeiten

Von der 200 Kubikmeter fassenden Zisterne in der Ortsmitte wurde eine rund 300 Meter lange Schlauchleitung zum Brandort im Friedhofsweg gelegt, um so die dauerhafte Wasserversorgung sicherzustellen. Im Laufe des Einsatzes wurde die Feuerwehr Friesenhausen nachalarmiert, da weitere Atemschutzgeräteträger benötigt wurden.

Von den insgesamt 75 ehrenamtlichen Feuerwehrkräften waren 20 Einsatzkräfte im Innen- und Außenangriff unter Atemschutz tätig.

Mit der Drehleiter der Feuerwehr Hofheim wurde auch von oben gelöscht und teilweise Dachziegel beseitigt, um an Glutnester zu gelangen. Den Einsatz erschwerten die wegen des dichten Rauchs umzureichende Sicht und im Nebengebäude gelagertes Stroh, das auch in Flammen stand, wie der Aidhäuser Kommandant und Einsatzleiter Hans-Jürgen Geiling berichtete.

Aufmerksame Zwölfjährige erkennt Feuer

Norbert Haßfurther aus Aidhausen ist es wohl zu verdanken, dass nicht noch größerer Schaden entstand. Der 51-Jährige war kurz nach 16.45 Uhr mit dem Auto unterwegs und fuhr von Happertshausen kommend den Friedhofsweg Richtung Ortsmitte entlang. Die zwölfjährige Tochter Stella, die mit im Fahrzeug saß, bemerkte zuerst den starken Rauch und sagte zu ihrem Papa, dass in dem Haus wohl schon der Ofen angeschürt worden sei.

Als beide näher an das Gebäude herankamen, war es für Vater Norbert klar, dass es kein Schornstein ist, sondern ein Dach, aus dem der Rauch kommt. Auch der Brandgeruch stieg ihm bereits in die Nase. Weil er kein Handy dabei hatte, hielt Norbert Haßfurther ein Auto mit zwei jungen Männern an, die sofort den Notruf absetzten.

Zusätzlich bat der Familienvater einen zufällig vorbeikommenden älteren Mann, den Handfeuermelder für die Sirene im Ort auszulösen. Kurze Zeit später kam bereits die Feuerwehr. "Ich bin überrascht, dass das Feuer auf das Haus übergegriffen hat, denn ich hatte nur Rauch und später kleine Flammen in dem Nebengebäude gesehen", sagte Norbert Haßfurther, als er am Abend nochmals mit seiner Tochter an der Einsatzstelle war.

Vierstündiger Einsatz der Feuerwehr

Die Aidhäuser Straße und der Friedhofsweg waren während des vierstündigen Einsatzes komplett gesperrt. Der Verkehr wurde durch die Feuerwehr umgeleitet. Ein Rettungswagen des Roten Kreuzes stand zur Absicherung der Feuerwehrleute bereit. Verletzte gab es aber keine. Die Rot-Kreuz-Bereitschaft Hofheim vorsorgte die Einsatzkräfte mit Getränken.

Wie ein Beamter der Polizeiinspektion Haßfurt sagte, ist das Wohnhaus bereits längere Zeit unbewohnt. Die Ursache für das Feuer war während des Einsatzgeschehens noch nicht bekannt. Die Kriminalpolizei Schweinfurt hat die Ermittlungen bereits aufgenommen. Über die Höhe des Sachschaden konnten bisher keine Angaben gemacht werden.