Da war der Spaßmacher anfangs einigen wohl zu ernst? Lasteten bei den "Sportfreunden Stiller" am Donnerstag zu Beginn die zuckenden Blitze über der (guten) Stimmung, sprang tags darauf bei Rainhard Fendrich der Funke erst spät über.

Artig applaudierend verfolgten die 2800 Besucher - zumeist von ihren Sitzen aus - wie der Österreicher zu Beginn zwar an die Band des Vortages anknüpfte ("Es lebe der Sport"), danach aber kritische Töne anschlug.
Mit "Brüder sind wir" erklang ein Appell zur Fremden-Freundlichkeit ("Rassismus ist schlichtweg ein Verbrechen"), danach prangerte der 62-Jährige, der immer wieder mit seinem Alter kokettierte, das niedere Niveau von Facebook- bzw. Internet-Kommunikation an.


Das besondere Heimatlied

Schließlich erinnerte er noch die Mächtespiele und die Blockteilung Europas samt seinem ersten Auftritt in der DDR, um danach "Frühling in Berlin" anzustimmen. Bis zur Pause hoben weder die noch so schönen Balladen, noch das Heimatlied "I am from Austria" oder der "Tango Korrupti" den Stimmungspegel so richtig, weswegen schon Klagen laut wurden, dass Besucher auf den billigen Plätze mehr plauschen als lauschen.

Eigentlich ein vernichtendes Publikums-Urteil über einen Künstler. Aber getreu der eigenen Losung "Wer den Kopf in den Sand steckt, kann nur noch mit den Zähnen knirschen", holte sich Fendrich die Gunst der zahlenden Kundschaft zurück.Die (Midlife- und Show-) Krise überwand er aus den Tiefen, um vom Bergwerk aus zu rufen und die Herzen zu öffnen. Diese einzigartige Liebeserklärung wirkte zunächst wie ein Rausschmeißer und die Handys wurden in Großversand-Stückzahlen gezückt, um ein Video aufzunehmen.

Sollte tatsächlich um 21.45 Uhr schon Schluss sein? Danach trollte sich die Band davon, Fendrich aber kehrte allein mit der Gitarre in Hand auf die Bühne zurück.

Und weil alle wegen ihrer Handy-Videos schon standen, gab es danach kein Halten mehr. Im Schnelldurchlauf und Solo-Parforceritt marschierte das Multi-Talent durch seine persönliche Hitparade: Mit dem "Macho" zur "Strada del sole", um sich dann in eine Zweierbeziehung mit seinem Liebesmodell (nicht: Model) zu begeben, die am Autofriedhof endet, weil ein AfD-Plakat am Straßenrand ihn als Fahrer abgelenkt hatte.

Es waren alte Lieder dabei, die "einige von Euch gar nicht kennen können, weil Ihr damals noch flüssig ward", spielte Fendrich auf die jugendlichen Fans an. Die fühlten sich in der "Schickeria" aber genau so wohl wie zuvor im Bergwerk.

Im Alleingang hatte der Altmeister das Ruder herumgerissen.


Keine Abschiedsträne

Als die Band zurückkehrte,war es ein Leichtes, die Menge für den Rest des Abends in Verzückung zu Versetzen. Auf seinem Stuhl saß eh' längst keiner mehr.

Dass der Funke der Begeisterung auf die Bühne zurückgesprungen ist, darf aber bezweifelt werden. Um 22.15 Uhr war dann wirklich Schluss. Anders als "BAP", die genau vor einem Jahr an gleicher Stelle eigentlich gar nicht mehr aufhören wollten, zogen die Österreicher wieder von dannen. (Abschieds-)Tränen trocken schnell.

Ein Eyrichshöfer wird Rainhard Fendrich nimmermehr. Getreu seinem Credo: "I bleib immer a Wiener". Ganz ehrlich: Wir haben den guten Rainhard schon weit besser und motivierter erlebt.

Das mit dem Happening, das Fendrich in einem Interview im Vorfeld angekündigt hatte, wurde jedenfalls nichts.
Vielleicht hätte der Mann am Mischpult doch etwas stärker aufdrehen sollen. Dass es die Anlage hergibt, haben "J.B.O." zwei Tage vorher bewiesen.