Die Stimmung in der ansonsten sonst so beschaulichen 1000-Einwohner-Gemeinde im Steigerwald war "bombastisch", was auch Regen nicht verhinderte.

Mitten in der begeisterten Menge stand am Samstagabend Anja Döring aus Münchberg. Der "Edelfan" erlebte sage und schreibe seinen 595. Auftritt bei und mit den drei Brüdern. "Und ich habe noch lange nicht genug", betonte die gebürtige Schwäbin.

Seit 2007 fährt die 28 Jahre alte Verkäuferin, die seit drei Jahren in Franken lebt, zu fast allen Auftritten und kann sich "ein Leben ohne Dorfrocker nicht mehr vorstellen. Sie sind mittlerweile ein Teil von meinem Leben geworden", lachte sie und ergänzte: "Ich wünsche mir, dass sie weiterhin so erfolgreich sind, und ich es miterleben darf." Anja Döring erlebte die drei Steigerwälder erstmals "live" beim Schürzenjäger-Abschieds-Openair im Juli vor sieben Jahren. "Danach", erinnerte sie sich, "sind sie ins Publikum, und dann bekam ich mein erstes Autogramm." So richtig vom "Dorfrocker"-Fieber gepackt wurde sie aber beim Cannstatter Wasen in Stuttgart drei Monate später.


"...auch noch wirklich nette Typen"
Die Oberfränkin mag einfach "ihre Musik, die Art wie sie ihre Auftritte gestalten, und dann sind die Dorfrocker auch noch wirklich nette Typen." So kam es, dass Anja immer öfters Auftritte besuchte. Ihre Leidenschaft teilt die Münchbergerin seit dem 17. Oktober 2007 mit vielen anderen, denn an diesem Tag rief sie den Fanclub "Yodlio", angelehnt an den Dorfrockersong "die Yodlparty", ins Leben. "Ich habe mich so alleine als Fan gefühlt, und mein Ziel war und ist es, eine Gruppe von Gleichgesinnten zu finden, mit denen man gemeinsam Spaß mit seinem Hobby haben kann."
Der Erfolg ist umwerfend: 250 Mitglieder, "Tendenz steigend", wie sie betonte, sind aktuell dabei. Die Mitglieder kommen überwiegend aus Franken, aber auch aus Bayern, Hessen und Norddeutschland. "Jedes Alter und jede Generation vom Baby bis zur Uroma ist bei uns mit vertreten." Sogar Österreicher, Japaner und US-Amerikaner sind bei "Yodlio" (yodlio.npage.de) dabei. Amanda Alway aus St. Louis im Bundesstatt Missouri ist derzeit sogar zu Besuch bei ihr. "Ich habe sie in ihrer Heimat beim Soulard-Oktoberfest mit den ,Dorfrockern‘ kennengelernt. Sie ist ein großer Fan und extra wegen dem ,Dorf-Air‘ dieses Jahr hergeflogen", betonte sie.


Zehn Dirndl, eine Lederhose, Hemden und Blusen...
Für Fahrten und auch Flüge zu "Dorfrocker"-Konzerten hat Anja Döring schon viel Zeit und noch mehr Geld investiert. Wie viel genau? "Da bin ich auf jeden Fall im fünfstelligen Bereich. Ich kann das schlecht abschätzen. Allein die Benzin- und Übernachtungskosten für die 595 Auftritte ist schon eine Menge Geld." Ihre "Outfits", darunter zehn Dirndl, ein Lederhose sowie Hemden und Blusen, waren ebenfalls keine Schnäppchen. Außerdem hat sie bis auf ein paar wenige Ausnahmen alle Artikel, die es je im Dorfladen-Fanshop zu kaufen gab.

Wie Anja Döring ist auch Edwin Bäuerlein ein Fan der ersten Stunde und spätestens seit ihrem ersten Fernsehauftritt bei Florian Silbereisens "Frühlingsfest der Volksmusik" im März 2007 hin und weg. Er mag besonders, dass die drei Brüder "zu 99 Prozent deutsche Lieder singen und produzieren. Ich bin stolz, so eine berühmte Gruppe in der Nähe zu haben." Zu guter Letzt seien die "Dorfrocker" "immer noch bodenständig und nicht abgehoben. Sie gehen immer auf ihre Fans zu."

Seit fast fünf Jahren ist der 43-Jährige aus Geusfeld Leiter des Kirchaicher Fanclubs "Mir-san-mir" mit aktuell 61 Mitgliedern, davon 32 Frauen, 22 Männern und sieben Kinder. "Unser jüngstes Mitglied Amelie ist gerade einmal acht Monate alt und unser ältestes Mitglied ist 76 Jahre", sagte er. Einmal im Monat ist ein Treffen, bei dem Fahrten, Fernsehauftritte oder Feste besprochen werden. "Zu den heimatnahen Auftritten bis zu 150 Kilometer, fahren meistens immer einige Mitglieder hin. Zu Fernsehauftritten organisieren die drei Dorfrocker immer einen Bus", erklärte Bäuerlein.

Die Zeit investiert er "gerne. Und über Geld reden wir nicht", grinste er. Am 24. August geht's nach Rust zur Sendung "Immer wieder Sonntags" mit Stefan Mross. "Interessenten können sich gerne noch bei mir melden."


In guten wie in schlechten Zeiten...
Beim Dorfair am Wochenende war Edwin Bäuerlein wie die Fanclubmitglieder vor allem als Helfer im Einsatz, etwa an der Kaffeebar. Nachdem "Mir-san-mir" beim Aufbau der Bühne fest mitanpackte, stand am Sonntag der Abbau auf dem Programm. Für ihn aber kein Problem, sondern eine Selbstverständlichkeit. "Wir unterstützen unsere Jungs, wo immer es nur geht. Und das machen wir gerne", sagte er und betonte: "Und solange es die ,Dorfrocker‘, gibt werde ich Fan sein. Auf meine Unterstützung, ich denke auch sagen zu können, auf die der Fanclubmitglieder, können die Dorfrocker bauen. In guten wie in schlechten Zeiten."

Mit dabei heuer beim Dorfair waren Markus Wolfahrt, bis 2010 Frontman der "Klostertaler", Schlagersänger Norman Langen und das Alpenpop-Duo Vroni und Tobee. Das sie nicht nur singen können, sondern auch schauspielern, stellten Markus, Tobias und Philipp am "Dorf-Freitag" bei ihrem zweiten Theaterstück ".Die rosarote Banane" unter Beweis.


Interview: Drei Fragen an die Dorfrocker
Warum habt ihr euer Openair wieder in Kirchaich veranstaltet?
Markus Thomann: "Kirchaich ist unser Heimatort, wo wir leben und geboren sind. Für uns ist es etwas ganz Besonderes, hier zu spielen. Es freut uns sehr, dass viele unserer Fans, egal ob aus Deutschland oder dem benachbarten Ausland, mittlerweile Kirchaich kennen und gerne zu uns kommen. Nicht nur Fans, sondern auch Musikkollegen kennen Kirchaich und verbinden das Openair und damit auch den Ort mit super Stimmung. Es ist eine große Familie, die beim Openair in unserer Heimat ist."

Was bedeutet euch Fantreue?
"Es ist schon super, wenn man sieht, wie viele Freundschaften in den letzten Jahren mit Personen aus verschiedensten Regionen entstanden sind. Ohne die Fans wären wir nicht da, wo wir heute sind - und wir haben die besten Fans."

Eine weibliche Anhängerin von euch, die 19-jährige Amanda Alway, ist eigens aus den USA angereist. Toll, oder?
"Ja, sie ist für vier Wochen in Deutschland und reist hier mit uns von Auftritt zu Auftritt bis zum Höhepunkt beim Openair. Sie war schon bei unseren letzten drei Gastspielen in den letzten drei Jahren in USA in St. Louis immer vor der Bühne und kann all unsere Songs, die in deutsch sind, auch mitsingen. Da die Fans durch die letzten Auftritte in USA immer mehr werden, wird in diesem Jahr im Oktober auch der 1. Dorfrocker USA-Fanclub gegründet. Dann bleiben wir auch gleich drei Wochen in den USA und werden insgesamt sieben Stimmungskonzerte an verschiedenen Orten spielen."