Dass ein Gerichtsvollzieher bei seinen "Kunden" wenig Begeisterung weckt, liegt in der Natur der Sache. Aber deswegen muss er sich keine Beleidigungen wie Depp oder Arschloch gefallen lassen. Der 38 Jahre alte Mann, der diese Kraftausdrücke am Telefon gebraucht haben soll, sollte wegen Beleidigung laut Strafbefehl des Staatsanwalts 800 Euro zahlen. Er legte Einspruch ein, so dass es zur Verhandlung vor dem Amtsgericht in Haßfurt kam. Der Einspruch zahlte sich finanziell nicht aus: Das Verfahren wurde zwar eingestellt, aber der 38-Jährige muss als Auflage 500 Euro zahlen und hat zusätzlich die Kosten für seinen Verteidiger. So fällt unterm Strich die Katze auf die alten Füße.

Der Ursprung der ganzen Sache zählt zum Alltag eines Gerichtsvollziehers. Weil ein Ehepaar die Bescheide der Gebühreneinzugszentrale (GEZ) für falsch hielt und sich daher hartnäckig weigerte, die Rundfunkgebühren zu entrichten, wurde der Beamte vom Gericht mit der Eintreibung der Forderung beauftragt. Am 1. Februar dieses Jahres kurz nach 16 Uhr kam es zu einem Telefongespräch, bei dem die Ehefrau am Apparat war.


Verärgert und genervt

Der Gerichtsvollzieher erinnerte sich im Zeugenstand, dass sie zwar verärgert und genervt gewesen sei, das Telefonat aber im Übrigen normal verlaufen sei. Was den Beamten schließlich dazu brachte, den Hörer aufzulegen und eine Anzeige wegen Beleidigung zu erstatten, war eine männliche Stimme aus dem Hintergrund. Dabei hörte er, wie er als "Depp" und "Arschloch" beschimpft wurde, kommentiert mit der Anmerkung: "Mit der Vermögensauskunft kann er den Ofen anschüren."

Der Beleidigte erklärte weiterhin, dass ihm die Frau am Telefon gesagt habe, dass ihr Mann im Zimmer anwesend sei. Genau dies bestritten sowohl der Angeklagte als auch dessen Gemahlin, die von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht keinen Gebrauch machte und vor Gericht aussagte. Der Angeschuldigte betonte zudem, dass er ein nachprüfbares Alibi habe: Zu dem fraglichen Zeitpunkt habe er noch gearbeitet und sei gar nicht zuhause gewesen.

Was aber hatte es mit der männlichen Stimme auf sich, die der Gerichtsvollzieher gehört hatte? Dazu sagten der Beschuldigte und seine Ehefrau übereinstimmend, dass zum Zeitpunkt des Telefonats Brüder des Mannes anwesend gewesen seien.
Wer von diesen beiden die unflätigen Ausdrücke in den Mund genommen hatte, blieb ungeklärt, denn der nicht vorbestrafte Angeklagte antwortete auf die dahingehende Frage von Strafrichterin Ilona Conver: "Ich möchte den Familienfrieden nicht gefährden."


Vorfälle häufen sich

Dass diese Beleidigung überhaupt vor Gericht landete, lag nach den Worten von Ilker Özalp von der Staatsanwaltschaft vor allem daran, dass sich die Beleidigungen und Bedrohungen gegenüber Amtspersonen und Beamten in letzter Zeit häuften.

Aus prozessökonomischen Gründen, auf gut Deutsch: Um die Justiz nicht noch länger mit diesem eher harmlosen Delikt zu beschäftigen, machte die Vorsitzende schließlich mit Zustimmung aller Beteiligten "den Deckel drauf" und stellte den Prozess mit einer Geldauflage ein. Bis Ende August muss der 38-Jährige 500 Euro an die Tierschutzinitiative Haßberge zahlen, dann wird das Verfahren endgültig eingestellt.