Von einer "unausgegorenen Scheinlösung" will die Stadt Haßfurt nichts wissen. Sie weist diesen Vorwurf des Turnvereins Haßfurt im Zusammenhang mit dem geplanten Bau einer neuen Sporthalle in Haßfurt entschieden zurück und verteidigt ihren Vorschlag, dass ein solches Gebäude am besten am Schulzentrum errichtet wird.

Zur Vorgeschichte: Der TV Haßfurt wollte einen "Sportpark Eichelsee" bauen. Im Mittelpunkt sollte eine neue Mehrfach-Sporthalle stehen. Das Millionenprojekt sollte auf dem TV-Gelände verwirklicht werden. Die Kosten beliefen sich nach den ersten Planungen auf rund sechs Millionen Euro. Der Stadtrat schritt ein und forderte eine Reduzierung. Kosten dann: rund 4,5 Millionen Euro. Trotz erheblicher Förderzusagen der Stadt gab der TV vor einigen Monaten bekannt, dass er aus verschiedenen Gründen das Projekt nicht schultern könne.

Plötzlich stand die Stadt in der Pflicht.
Denn der Verein braucht eine neue Halle, und er muss auch seine Anlagen sanieren, die teilweise marode sind.

Vor gut einer Woche gab Bürgermeister Günther Werner bekannt, dass die beste Lösung der Bau einer 1,5- bis Zweifach-Sporthalle auf dem Gelände am Schulzentrum wäre. Den Standort favorisiert die Stadt, weil dort keine Hochwassergefahr wie auf dem TV-Gelände besteht und weil der Untergrund für den Bau wohl sicherer und fester ist als beim Turnverein.

Zunächst sah es so aus, als würde der Verein mitmachen. Dann kam der Paukenschlag. In einem vor einer Woche veröffentlichten offenen Brief lehnte der Vorstand des TV den Standort Schulzentrum kategorisch ab und sprach von einer "unausgegorenen Scheinlösung". Der TV möchte die Halle auf seinem Gelände haben und sieht es dafür auch als geeignet an.

Das hat nun den Widerspruch der Stadt herausgefordert. Karl-Heinz Eppelein, Stadtrat (CSU) und Vorsitzender der Arbeitsgruppe Sport des Stadtrates, hat in einem siebenseitigen Brief die Kritik des TV-Vorstands in teilweise scharfem Ton zurückgewiesen und die Vorgehensweise der Stadt verteidigt. Die Arbeitsgruppe Sport war seinerzeit gebildet worden, um eine für alle Seiten tragfähige Lösung für das Hallenprojekt zu finden. Die scheint jetzt in weiter Ferne.

In dem Brief, der an den Vorstand des TV gerichtet ist, betont Eppelein, dass sich die Entscheidungsträger der Stadt Haßfurt intensiv mit der Problematik auseinandergesetzt haben. Er schreibt wörtlich: "Wir sind jedenfalls der Überzeugung, dass mit einem Hallenbau (maximal zweifach) den Belangen des Sports in Haßfurt (denen des TV sowieso) und unter Berücksichtigung aller Umstände am besten Rechnung getragen wird, und zwar auf dem Gelände am Schulzentrum nördlich der Erthal-Schule, das keine Probleme mit Hochwasser und Bauschutt aufweist und weil irgendwann später vielleicht auch der Außensport dort angesiedelt werden kann. Damit wären die Probleme des TV am jetzigen Standort erledigt. Dies ist der einzig richtige Weg für die Zukunft des Sports in Haßfurt, wenn man längerfristig und nachhaltig denkt, verantwortungsbewusst und zukunftsorientiert zum Erhalt des Breitensports in Haßfurt, für die Kinder und Jugendlichen."

Eppelein weist darauf hin, dass der Stadtrat die Verwaltung beauftragt habe, "mögliche Standorte, vor allem aber das Gelände nördlich der Erthal-Schule (am Schulzentrum, d. Red.), hinsichtlich der Eignung für den Hallenbau zu prüfen, dazu gehört unter anderem eine Baugrunduntersuchung. Auch muss die Stadt noch die genauen Kosten für einen eventuellen Bau und Betrieb der Halle ermitteln. So wurde es seitens der Presse am 25. November 2014 eindeutig und richtig kommuniziert", erklärt Eppelein. Der Beschluss des Stadtrates basiere auf der Empfehlung der Arbeitsgruppe Sport vom 30. Oktober, die folgendermaßen lautet:

1. Aufgrund nicht lösbarer Probleme mit der Hochwassersituation beziehungsweise dadurch bedingter immenser Mehrkosten bei der Investition wird von einem Bau auf dem Gelände des TV am Eichelsee abgeraten. Auch andere Standorte kommen aus verschiedenen Gründen nicht in Frage.

2. Die Stadt Haßfurt errichtet auf dem Gelände am Schulzentrum (nördlich Erthal-Schule) eine 1,5-fach- bis Zweifach-Sporthalle mit notwendigen Nebenräumen für Gymnastik, Krafttraining, Umkleiden, Duschen, Toiletten, Geräte).

3. Die Planung der Halle ist auszuschreiben. Dadurch soll eine wesentlich kostengünstigere Lösung erreicht werden.

4. Dem TV Haßfurt wird nahe gelegt, auf seinem bisherigen Sportgelände neue Räume für Schiedsrichter, Umkleiden, Duschen und Toiletten zu bauen, um die hygienischen Ver-hältnisse in einen ordentlichen Zustand zu bringen. Sinnvoll wäre hier der Bereich der früheren Badeanstalt. Dieser Bau müsste natürlich hochwasserfrei nach den neuesten Hochwasserlinien erstellt werden. Hierfür stellt die Stadt eine Bezuschussung nach geltenden Richtlinien der Stadt Haßfurt zur Förderung ihrer Vereine in Aussicht.

5. Damit wäre den Bedürfnissen der aktiven Mitglieder der Abteilungen Fußball, Korbball und Tennis gedient.

Entschieden weist Eppelein im Brief darauf hin, dass das TV-Gelände als Hallenstandort nicht in Frage kommt. Die Neufestlegung für das sogenannte Hundertjährige Hochwasser habe diese Problematik "noch wesentlich verschärft". Wenn dort hochwasserfrei gebaut werden sollte, was technisch machbar wäre, rechnet Eppelein mit einem Vielfachen an Kosten.

Und: Der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Sport sieht den TV-Untergrund als ungeeignet für einen Hallenbau. In allen sechs Bohrungen zur Baugrunduntersuchung sei Bauschutt festgestellt worden. "Würden Sie Ihren Privatbau auf so einem Untergrund erstellen?", fragt Eppelein den TV-Vorstand.

Gegen runden Tisch

Eine Absage erteilt er auch einer weiteren Forderung des Vereins. Eppelein hält nichts von einem runden Tisch, wie ihn der TV zur Klärung der Problematik und zur weiteren Vorgehensweise verlangt. Er zählt mindestens sieben Sitzungen mit verschiedenen Beteiligten, aber immer mit Vertretern des TV seit dem Februar 2012 auf. Eppelein: "Für was noch einen runden Tisch mit dem gesamten Stadtrat? Sie haben doch schon die meisten Mitglieder dieses Gremiums einzeln besucht und versucht, sie in Ihrem Sinne zu beeinflussen. Angst vor einem runden Tisch hätten wir nun wirklich nicht, nur wäre dies Zeitverschwendung. Dieser würde nach Ihren Vorstellungen aus 35 bis 40 Personen bestehen. Erst sollten außer Ihnen nur zwei Personen teilnehmen, dann so viele! Ist das zielführend?", fragt der Arbeitsgruppen-Vorsitzende.