Das erste Punktspiel unter Corona-Bedingungen ist Geschichte. Der FC Sand hat am Samstag mit 1:0 gegen den ATSV Erlangen in der Bayernliga Nord gewonnen. Nach dem Kraftakt war der neue Trainer Matthias Strätz überglücklich: "Wir haben fast nichts zugelassen, auch wenn Erlangen in der zweiten Halbzeit besser wurde. Wir haben uns das Leben aber selbst schwer gemacht, weil wir das 2:0 nicht erzielt haben. Trotzdem bin ich sehr zufrieden, das war ein ganz, ganz wichtiger Dreier."

Den sportlichen Hunger haben die Sander auf dem Platz gestillt, angetrieben vom neuen Stoßstürmer Christopher Gonnert. Hinter dem Eigengewächs machten Shaban Rugovaj und Neuzugang Max Schebak, die die Doppelzehn bildeten, gut mit. Und außen ließen Thorsten Schlereth und Kevin Moser kaum Lücken entstehen. Folge: Entweder gelangen Balleroberungen oder die Erlanger wurden zu langen Bällen gezwungen, die von der Innenverteidigung sicher abgelaufen wurden.

In der gesamten ersten Hälfte funktionierte auch das Aufbauspiel der Gastgeber gut. Die Mischung aus kurzen Pässen und langen Diagonal-Schlägen passte. Einziges Manko: Zu wenige der Angriffe wurden sauber zu Ende gespielt. So blieben gute Gelegenheiten nahezu Fehlanzeige. Einzig Max Schebak tauchte freistehend vor dem Tor auf. Die Liste der Gelegenheiten der Mittelfranken war gar noch kürzer. Der rundum erneuerten Mannschaft von Trainer Shqipran Skeraj war anzumerken, dass noch lange nicht alle Rädchen ineinander greifen. Dennoch hätte die Partie Mitte der ersten Hälfte in Richtung ATSV kippen können. Da wäre Yuri Meleleo frei durch gewesen. Johannes Bechmann zupfte am Trikot. Der ATSVler strauchelte, aber fiel nicht. Letztendlich scheiterte er am Keeper Markus Geier. "Wenn wir das cleverer lösen, dann gibt es für Bechmann Rot und es sieht vielleicht ein wenig anders aus", sagte Michael Kraut, einer der wenigen Routiniers im Team, nach dem Schlusspfiff.

Das Sander Pressing klappte nach der Pause aber nicht mehr. Es wurde zu oft und mit langen Bällen agiert. Einmal jedoch waren die Sander hellwach. In der 55. Minute brachte Kevin Steinmann eine Freistoßflanke von der linken Seite auf den langen Pfosten. Dort fand sie den nahezu unbehelligten Ralph Thomann, der aus kurzer Distanz per Kopf traf.

Die Sander standen zwar in der Folge deutlich zu tief, ließen aber kaum noch Chancen des Gegners zu und brachten den 1:0-Sieg ins Ziel.

FC Sand: Geier - Bechmann, Thomann, Steinmann, Albert (68. Witchen), Rugovaj (72. Lörzer), T. Schlereth, Moser, Karmann, Schebak, Gonnert (79. Rippstein) / ATSV Erlangen: Kraut - Tischler, Lustig, Kleefeldt, Fischer, Geyer (61. Boakye), Ort, Daoud (80. List), Marx, Sormaz (46. Graine), Meleleo (61. Nyary) / SR: Markus Pflaum (SV Dörfleins) / Zuschauer: 200 / Tore: 1:0 Thomann (55.) / Gelbe Karten: Steinmann, Karmann / Kraut

"Die Leute haben sehr entspannt reagiert"

Zehn Stufen sind es, die im Seestadion vom Parkplatz hinunter zur Kasse führen. In "normalen" Zeiten finden jede Menge Zuschauer Platz. Am Samstag jedoch waren es bestenfalls zwei. Corona und der Mindestabstand lassen grüßen. Den hatten die Sander in der Woche vor dem Re-Start sowohl vor dem Eingangsbereich als auch vor dem Getränke- und Bratwurstverkauf mit aufgemalten weißen Linien markiert. Da wurden die Schlangen schon einmal länger als gewöhnlich.

Die Erste bildete sich - je näher der Spielbeginn rückte - schon vor den zehn Stufen. Dort warteten an zwei Bistrotischen Mitarbeiter des FC und nahmen Daten der Zuschauer auf. Nur mit Zettel in der Hand - auf dem auch eine fortlaufende Nummer vermerkt war, die verhindern sollte, dass die 200 Zuschauer überschritten wurden, ging es weiter in Richtung Kasse.

"Die Leute haben sehr entspannt reagiert", berichtet Egbert Mahr. Probleme habe es keine gegeben, auch wenn der Vorsitzende hin und wieder Zuschauer auf den Mindestabstand oder das Tragen der Maske ("Die muss immer über die Nase!") hinweisen musste.

Unter der Woche hatten der Vereinschef und sein Team deutlich mehr als vor einem "normalen" Saisonstart zu tun. Nicht nur weiße Linien im Mindestabstand galt es aufzumalen. Auch Kabinen und Verkaufsstände mussten corona-fit gemacht werden. Bratwurstbrater und Getränkeverkäufer standen hinter einer Plastikfolie und trugen zusätzlich Masken.

"Wir haben ja schon seit einigen Wochen ein Hygienekonzept", erklärt Mahr. Schließlich läuft der Trainingsbetrieb schon seit Ende Juni, als es die Freigabe durch die Regierung gab. Geduscht werden durfte nach den Einheiten aber bisher noch nicht. Am Samstag schon. Sogar ohne Trennwände, die im Konzept des BFV vorgesehen waren, aber von der Regierung "erlassen" wurden. "Das hätten wir schon auch irgendwie umsetzen können, aber nicht binnen weniger Tage", macht Mahr klar. Auch ohne Trennwände durfte nur eine begrenzte Zahl an Spielern in die Duschen. Zahlreiche Duschköpfe waren abgeklebt.

Auch die Kabinen wurden mit Mindestabstand besetzt und ausführlich gelüftet und desinfiziert, bevor die Mannschaften sie betreten durften. Dafür braucht es beim FC einen minutiös ausgeklügelten Zeitplan. Schließlich fanden schon zum Re-Start am Samstag mehrere Spiele hintereinander auf dem Gelände statt. Eine echte Mammutaufgabe.

Dass die bewältigt werden konnte, dazu hat auch die Gemeinde ihren Beitrag geleistet. "Ohne die schnelle und unbürokratische Unterstützung wäre es schwer geworden", dankt Mahr Bürgermeister Bernhard Ruß und dem Team der Verwaltung.

Zwar gibt es im Sportheim vier Kabinen. Aber die hätten nicht ausgereicht. Deswegen zogen sich am Samstag die Gästemannschaften in der Turnhalle, direkt am Seestadion gelegen, um. "Damit haben wir vermieden, dass die Erlanger Spieler mit Sander Zuschauern in Kontakt kommen." Deswegen durften die ATSV-Akteure das Gelände zur Raseninspektion auch nicht über den Haupteingang betreten, sondern mussten auf die Feuerwehrzufahrt ausweichen.

"Wir haben richtig viel Zeit und auch Mühe investiert", sagt Mahr und freut sich, dass das erste Pflichtspiel vor Zuschauern nach mehr als 300 Tagen so reibungslos lief. Um 16.30 Uhr durfte sich der spürbar nervöse Vorsitzende endlich entspannt seinen Aufgaben als Stadionsprecher widmen. Da erfolgte das, worauf er und sein Team akribisch und fleißig hingearbeitet hatten - der Anpfiff des ersten Nach-Corona-Pflichtspiels der Sander Ersten. mh