"Zum Leben eigentlich zu wenig und zum Sterben zuviel", machte Vorstandsmitglied Andreas Kurz bereits vor Beginn der Eishockey-Landesligasaison auf die finanzielle Situation der Haßfurter Hawks aufmerksam, die sich bei lediglich 200 zugelassenen Zuschauern "dann merklich zuspitzen" könnte. Und vor einem Monat rechnete er wenigstens noch "mit einer kompletten Saison ohne Unterbrechung und weiteren Einschränkungen".

Corona hat aber nicht nur dem ESC Haßfurt einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nach fünf Vorbereitungs- und lediglich zwei Pflichtpartien, wurde das Haßfurter Eisstadion für den zweiten Teil-Lockdown bis mindestens Ende November dichtgemacht. Bis zum Monatsende fehlen dem Verein die Einnahmen aus drei weiteren Heimspielen. Die Partien gegen Bayreuth und Vilshofen wurden vor dem Lockdown bereits abgesagt.

Herr Kurz, kann der Verein diese Phase des Zwangs-Stillstandes finanziell überstehen?

Andreas Kurz: Wir haben bereits in diesem frühen Stadium der Saison Ausfälle im fünfstelligen Bereich. Die Ausfälle kamen schon durch die ausgefallenen Veranstaltungen im Sommer, wie etwa das Zeiler Weinfest, und die ersten Spiele mit nur 200 Zuschauern zustande. Wir können aber mit Hilfe dieses Jahr überstehen. Dazu sind einige Anstrengungen nötig. Ganz klar Thema ist für uns schon die kommende Saison.

Wir müssen mit unseren Sponsoren über die neue Saison sprechen und eine Lösung finden, wie wir die bereits bezahlte Unterstützung im kommenden Jahr entsprechend verrechnen oder würdigen. Erst danach werden wir sehen, mit welchem Budget wir in die kommende Saison gehen können. Wir wollen mit allen Mitteln den Eishockey-Standort Haßfurt am Leben halten. Hier gehören, unabhängig möglicher Überbrückungshilfen, auch Gespräche mit der Stadt Haßfurt dazu.

Kann oder wird der Verein staatliche Überbrückungshilfen beantragen?

Kurz: Ob wir es können, weiß ich noch nicht genau. Hier ist unser Finanzvorstand Jens Amarell in Abstimmungen mit den zuständigen Behörden sowie unserem Steuerberater. Was ich aber weiß, ist, dass wir alles in Anspruch nehmen müssen, was geht. Nur so können wir den bereits oben beschriebenen Ausfällen entgegentreten.

Was ist, wenn der Stillstand nicht Ende November beendet wird?

Kurz: Wir müssen dahingehend alle Szenarien durchspielen und simulieren. Erst dann werden wir wissen, wie uns das genau trifft. Fakt ist, dass ohne Spielbetrieb der Seniorenmannschaft auch der Nachwuchs nicht spielen können wird. Deshalb kommt für uns eine in Altersklassen gesplittete Saison nicht infrage. Letztendlich ist und bleibt es eine Existenzfrage für den ESC Haßfurt.

Keine Spiele, kein Training. Was bedeutet das für Sie, Herr Vanc?

Zdenek Vanc: Es ist schade für alle. Für Spieler, Nachwuchs, Fans und alle, die immer dabei waren. Ich will glauben, dass es am 6. Dezember weitergeht.

Sind die Spieler der Hawks als Profis oder als Amateure gelistet?

Martin Reichert: Wir haben keine Profis, alle gehen einer Arbeit nach. Wie im Fußball oder anderen Sportarten auch bekommen die Jungs natürlich ein paar Euro. Dazu kommt aber die Arbeit bei anderen Firmen. Der einzig Festangestellte in unserem Verein ist unser Trainer, der sich derzeit in Kurzarbeit befindet.

Was machen die Spieler während der Zwangsauszeit, gerade die Auswärtigen? Bleiben sie in Haßfurt, gehen oder dürfen sie nach Hause?

Reichert: Jeder Spieler entscheidet für sich, wie er mit dieser Situation umgeht. Auch die Auswärtigen arbeiten in der Umgebung, so dass sie auch erst einmal hierbleiben.

Wäre es sinnvoller, die Saison ganz abzubrechen als auf einen möglichen nächsten Lockdown zu warten?

Reichert: Die Saison abzubrechen, wäre sicher aus heutiger Sicht das Sinnvollste. Alle im Unklaren zu lassen, wie es weiter geht, ist doch schlimmer als der Abbruch. Und über eine derartige nochmalige Aktion unserer Regierung möchte ich mich nicht äußern. Es gibt auch andere Möglichkeiten, wenn man nicht wiedergewählt werden möchte.

Herr Vanc, finden Sie  die Maßnahmen eigentlich angemessen oder doch übertrieben?

Vanc: Das ist keine Frage für mich, die ich kommentieren will. Ich muss es nur respektieren.

Wie halten sich die Spieler nun fit bis zu einem möglichen Wiederbeginn im Dezember?

Vanc: Das ist der schwierigste Punkt. Wir dürfen uns ja nicht treffen und das bedeutet, dass jeder Spieler nun individuell an und mit sich arbeiten muss, um in Top-Kondition zu bleiben.

Kommt die Zwangspause angesichts des schlechten Saisonstarts nicht sogar gelegen?

Reichert: Nein, für uns auf keinen Fall. Wir wollten uns schließlich beweisen und wollen da unten raus. Jetzt nimmst du alles in die Pause mit hinein und hast keine Chance, dich weiterzuentwickeln. Wir können ja nicht einmal trainieren. Die Spieler kommen aus dem Rhythmus. Ich sehe nichts Positives.

Was bedeutet das Ganze nun für die Saison? Gibt es bereits Überlegungen, die Runde zu verändern? Immerhin fallen für die Hawks vorerst ja zehn Spiele zum Opfer. Das ist doch kaum aufzuholen.

Reichert: Unser Verband hat uns ohne weitere Information die Weiterführung der Saison am 5. und 6. Dezember mitgeteilt. Darüber, wie die ausgefallenen Spiele nachgeholt oder eine Saison überhaupt weiter geführt werden kann, haben wir leider weder eine Information erhalten, noch ist mit uns gesprochen worden.