Nach 18 Jahren wird es 2014 einen Wechsel auf dem Bürgermeistersessel geben. Doch bei der CSU in Ebern ist die Suche nach einem Nachfolger für Robert Herrmann (63) noch völlig offen. "Einen heißen Kandidaten" gibt es nicht. Dies bekennt Ortsvorsitzende Gabriele Rögner freimütig.

Die Zweite Bürgermeisterin tankt zwischen den Jahren für ein paar Tage an der Nordsee auf. Nach eigenem Bekunden will sie nochmals durchatmen, ehe "die heiße Phase der Wahlvorbereitungen beginnt".

Bis Februar/März will Rögner, wie sie dem FT am Telefon verrät, die Kandidatenfrage geklärt wissen, noch vor der Jahresversammlung des Ortsverbands, bei der auch die Neuwahl ansteht. Sie geht davon aus, dass sie CSU-Vorsitzende bleibt, um den Ortsverband in den Kommunalwahlkampf zu führen.

Lieber nur Stellvertreterin

Das Amt als Bürgermeisterin strebe sie dagegen nicht an, was sie auch bereits bei einer Vorstandssitzung angekündigt habe. Die Industriefachwirtin zieht die Rolle der Zweiten Bürgermeisterin vor, in der "man relativ an vorderster Front dabei ist, ohne absolut an der Spitze zu stehen". Eine klare Ansage, wenn auch mit Hintertürchen: "Wenn alles andere ins Leere laufen sollte," sagt die 50-Jährige, "müsste man nochmal darüber diskutieren." Die Sondierungsversuche der Orts-CSU schlugen bisher fehl, weshalb Rögner die Mitglieder per Rundschreiben aufrufen will, bei der Kandidatensuche zu helfen: "Wir müssen Geschlossenheit in der CSU herstellen, sonst kämpft man sowieso gegen Windmühlen an".

Die Gelassenheit der CSU-Vorsitzenden kann Sebastian Stastny (Junge Liste) nicht teilen. Der Dritte Bürgermeister und Jugendreferent des Stadtrats hat jetzt Fakten geschaffen. Der 28-Jährige will nicht kandidieren, wie er dem FT sagt. Damit scheidet ein ambitionierter Unions-Politiker aus, in den vor allem viele in der jungen Generation Hoffnungen gesetzt hatten. Der Kreisvorsitzende der Jungen Union hätte für einen Generationswechsel gestanden.

Junge Leute im Amt

Die CSU-Chiemgau hat kürzlich sogar einen 28-Jährigen zum Landrats-Kandidaten erkoren, und Bad Rodach und Schonungen sind Beispiele, in denen End-Zwanziger im Jahr 2012 zu Chefs im Rathaus wurden.
"Ich mach' das nicht", erklärt Stastny im Gespräch mit dieser Zeitung klipp und klar: "Wenn man solch ein hohes Amt anstrebt, dann muss man auf hundertprozentigen Rückhalt bauen können, und diese Unterstützung spüre ich nicht, vor allem nicht im engeren Führungskreis der CSU." Dazu zählt er den Bürgermeister, dessen Stellvertreterin und den CSU-Fraktionschef Franz Geuß.

Der CSU-Ortsverband habe es, anders als der Kreisverband, versäumt, den Generationswechsel rechtzeitig in die Wege zu leiten, urteilt Stastny. Auf Kreisebene erweise sich Nachwuchs-Mann Steffen Vogel als "absoluter Glücksfall für die CSU. In der Politik der CSU Ebern dagegen vermisst der Kreisrat Stastny die Geschlossenheit und die Zusammenarbeit, die für ein gedeihliches Wirken zum Wohle Eberns erforderlich wäre. Unter den gegebenen Umständen stehe er nicht als Kandidat zur Verfügung, wiederholte Stastny, und er werde sich auf keinen Eiertanz einlassen. "Ich mach's nicht. Punkt!", schließt er auch einen Rückzieher von dieser Entscheidung aus, die er über Weihnachten gefällt habe: "Das ist eine Frage der Glaubwürdigkeit". Sagt's und ist sich bewusst, dass er damit manchen Eberner enttäuschen wird.

Wohlwollen in der Bevölkerung

Von vielen Menschen, auch aus Kreisen der CSU, sei er in den letzten Wochen und Monaten gefragt worden, ob er nicht antreten wolle. "Das schmeichelt natürlich. Wenn einem die Leute das zutrauen, dann ist das ein tolles Kompliment für einen so jungen Kerl", gesteht Stastny, und sieht sich durch viel positiven Zuspruch in seiner Politik mit der Jungen Liste bestätigt. Die hat sich die Familienfreundlichkeit in der Stadt besonders auf die Fahne geschrieben, die Demographie-Debatte angestoßen und beispielsweise die Begrüßungsempfänge für Neubürger oder den Ehrenamts-Pass auf den Weg gebracht.

Dafür hat Stastny aus der CSU-Spitze nach eigenem Empfinden nie wirklich Rückhalt erfahren. "In manchen Dingen gehen die Vorstellungen komplett auseinander".

Er liebe die Politik, sagt der Gymnasiallehrer, der sich seit seinem 16. Lebensjahr im Nachwuchs der Union engagiert, und er wolle sich weiter für die Junge Liste stark machen, auch wenn er aus beruflichen Gründen nicht mehr für die Spitze der JU im Kreis kandidiert. Stastny bezeichnet sich als "CSU-Mitglied aus Überzeugung". Aber er sei nicht der Mensch, der sich für ein Amt aufdrängt. "Wenn die CSU der Meinung wäre, dass ich ein guter Kandidat bin, hätte sie das längst sagen müssen", zieht er einen Schlussstrich unter eine offiziell noch nicht begonnene Debatte: "Ich will keine Hängepartie."

Rögner bedauert

Gabriele Rögner sagt, sie bedauere, dass Stastny bereits jetzt Nein gesagt hat. Sie selbst, die seit 30 Jahren Politik betreibe, vermisse da den langen Atem, das Durchhaltevermögen. Rögner wörtlich: "In der Politik muss man dicke Bretter bohren und Geduld haben". Sie lege Wert darauf, weiter mit der Jungen Liste zusammenzuarbeiten.