Die 47-jährige Badeausicht hatte dabei wertvolle Helferinnen, drei 14-jährige Mädchen und ihre Kollegen. Wenn nicht alle so schnell, mutig und gekonnt zugepackt hätten, hätte es möglicherweise einen tödlichen Badeunfall gegeben. Aber es ging alles gut aus.
Am späten Samstagnachmittag war das Haßfurter Freibad nicht besonders stark besucht. Rund 100 Badegäste waren es, wie Norbert Zösch, der Leiter der Städtischen Betriebe Haßfurt, unserer Zeitung schilderte. Die Städtischen Betriebe sind für das Freibad zuständig.

Vorbildlich geholfen

Unter den Badenden waren auch drei 14-jährige Mädchen. Sie sahen am späten Samstagnachmittag plötzlich ein Kind bäuchlings im Freizeitbecken des Schwimmbads auf dem Boden treiben. Sie sprangen ins Wasser und bargen das bewusstlose Kind. Ein Mädchen verständigte die Bademeister, die beiden anderen kümmerten sich um den Buben, der nicht mehr atmete. Christiane Schöller begann mit Erste-Hilfe-Maßnahmen. Dabei kam der Dreijährige zu sich. Er wurde per Rettungshubschrauber in eine Kinderklinik nach Würzburg gebracht.

Die Polizei in Haßfurt lobt: Durch das schnelle und beherzte Eingreifen der drei 14-jährigen Mädchen sowie das professionelle Handeln der Ersthelferin seien schwerere gesundheitliche Schäden des dreijährigen Kindes oder gar Schlimmeres verhindert worden.
Für Christiane Schöller, die seit rund 30 Jahren bei der Wasserwacht in Hofheim engagiert ist, war die Situation zunächst "total schlimm". "Aber man macht das, was man gelernt hat", schilderte sie am Sonntag, als sie erneut Badeaufsicht hatte.

Und sie bekam wertvolle Hilfe, nicht nur von den drei Mädchen, die auf das Unglück aufmerksam geworden waren. Ihre Kollegen von der Badeaufsicht, der Rettungsdienst, die Sanitäter - alle waren schnell da. Die Rettungswege waren sofort frei. "Alle haben mitgeholfen", lobt die 47-Jährige aus Humprechtshausen die Helfer. Obwohl sie schon rund 30 Jahre bei der Wasserwacht ist, hat sie eine solche Situation noch nie erlebt. Es war das erste Mal. Und ihre Bemühungen um das Leben des Kindes wurden belohnt. Mit einem Schrei erwachte der Bub aus der Bewusstlosigkeit - "der schönste Schrei in meinem Leben".

Laut Norbert Zösch besteht die Badeaufsicht im Haßfurter Freibad immer aus mindestens zwei Personen. Wenn Hochbetrieb herrscht, können es bis zu vier weitere Helfer sein, die aufpassen, dass nichts passiert. Aber jeden Winkel und jedes Geschehen kann man nie zu jeder Zeit im Blick behalten, weiß Zösch. Und alle Eltern kennen das: "Ein Dreijähriger ist schnell mal ausgebüxt."

So war es auch hier. Das Kind war mit seiner Mutter und drei weiteren Kindern im Freibad. Die Mutter war wohl einen Moment abgelenkt, als sie ein Kleinkind wickelte. In diesem Moment muss der Dreijährige in Richtung des Beckens losmarschiert und hineingefallen sein. Wie das genau passierte, ist nicht bekannt.
Laut Badeordnung haben Eltern die Haftung für Kinder mit bis zu acht Jahren. Diese Altersgrenze ist erst kürzlich von sechs auf acht Jahre angehoben worden, nachdem es einige Vorfälle mit Sechs- und Siebenjährigen gegeben hatte.

Das Freibad ist so angelegt, dass das Plantschbecken für die Kleinkinder und ein Spielplatz knapp 100 Meter vom Beckenbereich entfernt liegen. Allerdings hielt sich die Mutter mit dem Dreijährigen und drei weiteren Kindern im Beckenbereich auf. Das Becken, in das der Bub gefallen war, hat eine Durchschnittstiefe von etwa einem Meter. Für einen Erwachsenen ist es kein Problem, darin zu stehen, für einen Dreijährigen ist das unmöglich.

Vier Badeunfälle

Der Badeunfall vom Samstag ist nicht der erste dieser Art in Haßfurt seit der Eröffnung Ende der 80er Jahre. Vor etwa 20 Jahren musste einmal ein Mädchen gerettet werden, und vor einigen Jahren waren ein vier- und ein siebenjähriges Mädchen innerhalb von wenigen Tagen auf die gleiche Weise verunglückt wie jetzt der Dreijährige. Aber alle vier Unfälle gingen glimpflich ab. Die jungen Badegäste haben alle überlebt.
"Ich bin stolz auf die Kollegin", sagte gestern Bademeister Günther Schleelein über Christiane Schöller. Und nicht nur er, sondern alle seine Kollegen sowie Norbert Zösch sind froh, dass die 47-Jährige zusammen mit den drei 14-jährigen Mädchen und den weiteren Helfern erfolgreich eingegriffen hat.

Eines weiß Zösch auch: In einem Freibad wie Haßfurt mit klarem Wasser, das den Blick auf den Grund von oben zulässt, sind solche Rettungsaktionen möglich. In einem See hätte ein Verunglückter kaum Chancen.