Solch einen strahlenden Jubilar erlebt man selten. Wolfram Thein äußert sich "sehr stolz, das Jubiläumsjahr als Bürgermeister von Maroldsweisach bestreiten zu dürfen." Dabei findet der 45-Jährige, dem als Zahntechniker strahlende Gebisse ohnehin naheliegen, in diesem Jahr einiges zu feiern - nicht nur das Doppeljubiläum seines Dorfes, 900 Jahre Maroldsweisach und 250 Jahre Marktrecht. Thein fällt da viel mehr ein: "Unser Freistaat Bayern wird 100 Jahre alt und seit 200 Jahren besteht Bayern als Verfassungsstaat. Maroldsweisach ist seit 1978, also seit 40 Jahren, beim Landkreis Haßberge." Damit nicht genug, hat auch einer der größten Vereine in Maroldsweisach etwas zu feiern: Die Concordia begeht ihr 150. Jubiläum. "Mit dieser Aufzählung könnte ich immer weiter machen, ..." schwärmt der SPD-Politiker.

Höhepunkt der Veranstaltungen im Festreigen soll das Wochenende vom 15. bis 18. Juni werden (siehe Kasten rechts). Das Dorf mit seinen vier Vereinen (Weisachtaler Blasmusik, Gesangverein "Concordia" Sportclub und Freiwillige Feuerwehr) zieht einiges auf.


Urkunde von 1118

Das Alter eines Ortes lässt sich heute schlecht feststellen, wohl aber die erstmalige Nennung in einem Dokument, zumindest sofern es noch aufzufinden ist. Eine Ansiedlung, die nach dem Fluss Wisaha hieß, hat es schon zur Zeit der Karolinger (also vor dem Jahr 1000) gegeben. Das belegen alte Funde. Die älteste Urkunde, in der das "Präsidium Wisaha" erwähnt wird, stammt von 1118. Sie wird heute im Staatsarchiv Bamberg aufbewahrt. Das Papier dokumentiert eine Schenkung des damaligen Bamberger Domherrn namens Qualarich. Der vermachte "zum Heil seiner Seele" sein Landgut dort oben an der Weisach an das Kloster Michelsberg in Bamberg. Damals soll der Ortsadel "de Wisah" eine Wasserburg bewohnt haben. Dafür hatte man den Fluss zum See aufgestaut.

Die Grundherren wechselten über die Jahrhunderte hinweg, von einem Johann Flyger über die Henneberg und die Herren von Sternberg bis zu den Stein zu Altenstein, die immerhin über 350 Jahre hinweg das Sagen hatten. Als die Horneck zu Weinheim Mitte des 18 Jahrhunderts die Herrschaft übernahmen, gab es keinen einzigen freien Bauern mehr im Dorf. Die Hornecks haben das heutige Rokokoschloss in Maroldsweisach erbaut.


Das Marktrecht

Die Verleihung des Marktrechts bedeutete im Mittelalter eine besondere Auszeichnung für einen Ort. Dort bestand eine gutsherrschaftliche Gerichtsbarkeit, dort waren Handwerkszünfte angesiedelt, vor allem aber fanden Märkte statt. Der Landesherr garantierte den Marktfrieden und gewährte den Geleitschutz für wichtige Waren. Maroldsweisach verdankt sein Marktrecht vermutlich seiner günstigen Lage an der Handelsstraße zwischen Fulda und Nürnberg. Durch Zufall wurde, verborgen in einem Wäschekorb auf einem Dachboden, die Urkunde entdeckt, die nachweist, dass das Dorf vor 250 Jahren zum Marktort erhoben wurde.
Das mag gewirkt haben wie heute die Ansiedlung eines großen Industrieunternehmens. Maroldsweisach gewann an Bedeutung und an zentraler Funktion für die umliegenden Orte.
Die deutsche Revolution von 1848 bescherte auch dem Weisachort die Befreiung von den Grundherren; die Gerichtsbarkeit ging an das Landgericht Ebern über. Ab 1895 brachte der Ausbau des Eisenbahnnetzes wirtschaftlichen Aufschwung, denn die "Erste Bayerische Basaltstein AG" begann mit der Erschließung des Basaltreichtums auf dem Zeilberg. Die Bahnlinie, die über 100 Jahre hinweg Maroldsweisach mit Bamberg verband, wurde im Jahr 2001 in ihrem nördlichen Teil - also ab Ebern - geschlossen.


An der Zonengrenze

Den beiden Weltkriegen fielen 110 Bürger aus dem Markt zum Opfer. Nach 1945 war die Entwicklung Maroldsweisachs über Jahrzehnte hinweg durch die Zonengrenze zwischen Bayern und Thüringen geprägt. Der "Eiserne Vorhang" war über 15 Kilometer zugleich Gemeindegrenze. Mitten in Deutschland gelegen, war der Markt an den Rand gedrängt.

Unvergessen sind die Glücksmomente, als sich der Zaun öffnete und die Menschen im "Heldburger Zipfel" zwischen Hellingen und Maroldsweisach sich 1989 erstmals wieder in die Arme fielen.
Die Gebietsreform Anfang der 70er Jahre brachte dem Kleinzentrum den Übergang vom Kreis Ebern in den neu gebildeten Landkreis Haßberge und die Entwicklung zur Großgemeinde. Aus 17 bis dahin selbstständigen Dörfern gebildet, hatte die Kommune plötzlich 4200 Einwohner. Die Reform bescherte den "Marokkanern" aber auch eine heftige Auseinandersetzung mit den Nachbarn in Ermershausen. Die "Rebellen" stemmten sich mit Macht gegen die Zwangseingemeindung und hatten damit 1994 Erfolg. Sie wurden wieder aus dem Markt Maroldsweisach ausgegliedert. Heute bestehen gutnachbarliche Beziehungen, Ermershausen wird von "Maro" aus mit Trinkwasser versorgt, beide Orte verbindet ein neuer Radweg, und gewiss werden die Ermershäuser auch das Doppeljubiläum begeistert mitfeiern.


Ehrenbürger Rau

Zum großen Fest der 875-Jahr-Feier im Jahr 1994 kam auch der damalige Bundespräsident Johannes Rau in die Haßberge. Er hatte als Bub durch die Kinderlandverschickung (wegen der Bombenbedrohung zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurden Kinder aus den Industriegebieten am Rhein in sichere Regionen auf dem Land gebracht) einige Zeit in Maroldsweisach verbracht. Der Markt machte ihn zum Ehrenbürger.

In den letzten Jahrzehnten hat sich in Maroldsweisach unter den Bürgermeistern Ottomar Welz, Werner Thein (Wolframs Vater) , Wilhelm Schneider (der heutige Landrat) und Wolfram Thein viel getan. Mit dem Rathausbau, dem Bau der Verbindungsstraßen nach Thüringen, über die Ansiedlung der Diakonie im "Haus auf dem Zeilberg", der Schaffung eines "Steinerlebnispfades" und der Umgestaltung des Dorfzentrums bis hin zur Einrichtung der Kurzzeitpflegestation "Therese-Stählin-Haus" seien hier nur einige Errungenschaften genannt.
Nach einem Wettbewerb kann sich der Markt damit schmücken, die "familienfreundlichste Gemeinde im Landkreis Haßberge unter 5000 Einwohnern" zu sein.


DAS FESTPROGRAMM

Freitag, 15. Juni,
21 Uhr: Eröffnung des Festwochenendes im Festzelt mit der Partyband "Hashtag"

Samstag, 16. Juni,

14 Uhr: Tag der Feuerwehren
16 Uhr: Showtanz-Aufführungen
der Garden der "Concordia" Maroldsweisach und vieler Gastvereine aus der Umgebung
20 Uhr: Festabend mit den Leutenbacher Musikanten und "Blasmusik Partypower"

Sonntag, 17. Juni,
10 Uhr: Gottesdienst im Festzelt;
anschließend Mittagstisch;
ab 11 Uhr: 5. Maroldsweisacher Bauernmarkt rund um das Festgelände
13:30 Uhr: großer historischer Festumzug zum Festgelände, anschließend Grußworte und
Festzeltbetrieb mit der Weisachtaler Blasmusik
18 Uhr: Festabend mit der Gruppe "Hatehill-County"

Montag, 18. Juni,
14 Uhr: Seniorennachmittag im Festzelt

Näheres über die weiteren Veranstaltungen zum Jubeljahr unter www.maroldsweisach.de