Der erste Eindruck ist positiv. Das Betriebsgelände ist sauber, die Nase riecht nichts Außergewöhnliches, und Staub scheint auch nicht in der Luft zu liegen. Aber ganz ohne Staub wird es auch in Zukunft nicht gehen. Wie ein normaler Haushalt den Staub nicht völlig verbannen kann, wird es auch bei der Firma Loacker in Wonfurt künftig Staub geben. Aber, wenn alles glatt geht, keinen Staub mehr, der belastete Substanzen wie giftige Schwermetalle oder ähnliche Stoffe nach außen trägt und damit eine Gefahr für die Umwelt und für die Gesundheit darstellt.

2,5 Millionen Euro

Für eine Investitionssume von 2,5 Millionen Euro rüstet Loacker seinen Betrieb in Wonfurt derzeit baulich und technisch auf. Die Arbeiten laufen seit Sommer und sollen bis März abgeschlossen werden, wie der Niederlassungsleiter Matthias Köhler unserem Portal bestätigt.
"Wir sind auf einem guten Weg", sagt der 35-Jährige, der unser Portal dieser Tage über das Gelände geführt hat. Vorsichtig optimistisch sind auch das Landratsamt Haßberge und die Bürgerinitiative "Lebenswertes Wonfurt", dass die vor etwa drei Jahren bekannt gewordene Umweltbelastung, die als "Giftskandal Haßberge" viele Schlagzeilen machte, aus der Welt geschafft werden kann.

Mehrere Jahre schwelte der Konflikt um die Firma Loacker im Wonfurter Gewerbe- und Industriegebiet, die am Ortsausgang Richtung Haßfurt liegt. Anfang 2012 war das Problem öffentlich geworden. Bürger in Wonfurt beschwerten sich massiv, dass Staub, der offenbar mit Schadstoffen belastet ist, aus der Produktion der Recyclingfirma in die Umgebung gelangt sei. Die Wonfurter befürchteten gesundheitliche Auswirkungen.
Der Betrieb Loacker recycelte bis dahin Elektronik- und Kabelschrott. Mehrmals ist es im Betrieb zu kleineren Bränden gekommen, die das Problem verschärft haben.

Messungen

Nach den Bürgerprotesten gab es Messungen, die den Verdacht der schädlichen Emissionen zumindest teilweise bestätigt haben. Das Landratsamt als Aufsichtsbehörde legte die Produktion still, kurz danach hob das Verwaltungsgericht in Würzburg die Anordnung aus Haßfurt auf. Die Produktion ging weiter, aber eingeschränkt. Elektronikschrott durfte nicht mehr aufgearbeitet werden, Kabelschrott jedoch weiterhin. Die Firma selbst bemühte sich um Verbesserungen im technischen Ablauf, die die Kritiker als unzureichend bezeichneten.

Es gab weitere Messungen, die teils unterschiedlich interpretiert wurden. Die Bürgerinitiative "Lebenswertes Wonfurt", die sich zwischenzeitlich gebildet hatte, organisierte Protestkundgebungen. Politiker aller Parteien sahen sich vor Ort um.

Lösungsvorschläge wurden diskutiert. Wichtigster Ansatz: Der Betrieb, der zu einem großen Teil in der oberen Hälfte der Gebäude offen ist, muss eingehaust werden.

Um die Auseinandersetzung endgültig aus der Welt zu schaffen, entschieden sich die Konfliktparteien zu einem Mediationsverfahren. Daran beteiligt waren das Landratsamt Haßberge, die Firma Loacker, die Gemeinde Wonfurt, die Bürgerinitiative und der Mediator vom Verwaltungsgericht in Ansbach.

Das Mediationsverfahren lief ab Herbst 2013 hinter verschlossenen Türen. Nichts drang nach außen. Details wurden nicht veröffentlicht, und das ist auch der Sinn der Mediation: Die Beteiligten sollen sich einigen und nicht ihre Argumente über die Medien austauschen.

Die Mediation ist erfolgreich verlaufen. Am Ende stand die Gütevereinbarung, die alle Beteiligten gebilligt haben. Jetzt kam es darauf an, die Gütevereinbarung umzusetzen. Die Firma Loacker stellte einen Antrag auf bauliche und technische Verbesserung, den das Landratsamt in einem Bescheid im Juni 2014 genehmigt hat. Ab August wurde gebaut.

Wesentlicher Ansatz ist die 4000 Quadratmeter große Lagerhalle, die in ihrem oberen Bereich offen ist. Das Gebäude wurde bereits um einige Meter vergrößert in Richtung des Lagerplatzes davor, und eine Betonmauer wurde an dieser Nahtstelle hochgezogen. Derzeit ist die Halle oben offen und die beiden Tore fehlen noch. Die Tore werden laut Betriebsleiter im Januar eingebaut, und auch die Rundum-Öffnungen oben werden mit Glaselementen geschlossen. Das geschieht aber erst, nachdem die Luftabsauganlage installiert sein wird und funktioniert. Die Absauganlage, für die an einem Ende der Lagerhalle ein eigenes Haus für die Filtertechnik errichtet wird, erneuert die Luft in der Lagerhalle vier Mal in der Stunde.

Der Weg der Stoffe

Wie läuft das Recycling? Das Wichtigste vorneweg: Loacker bereitet in Wonfurt keinen Elektronikschrott mehr auf, sondern nur noch Kabelschrott. Aus den alten Stromkabeln werden zwei Fraktionen gewonnen: Metalle (hauptsächlich Kupfer) und Kunststoffe, aus denen ausschließlich Schilderfüße (etwa für die großen Hinweistafeln an Autobahnen) hergestellt werden. Die Metalle kehren in den Rohstoffkreislauf zurück.

In der Lagerhalle, die noch komplett geschlossen wird, werden in einem ersten Schritt die Kabel zerkleinert und Störstoffe (Stecker) entfernt. In zwei weiteren Schritten (Granulator und Mühle) werden in der angegliederten und schon immer geschlossenen Maschinenhalle die beiden Fraktionen Kunststoffe und Metall (Kupfer) gewonnen. Dort wird Luft direkt an den Maschinen abgesaugt.

Über Filter

Die abgesaugte Luft wird in Leitungen über Filter geführt. Am Ende landet der Rest in Big Bags. Das sind große Kunststoffsäcke, die abtransportiert werden und deren Inhalt andernorts aufgearbeitet wird, um letzte verwertbare Stoffe herauszuholen. Die Big Bags sind verschlossen und lagern auf dem Hof, derzeit unter freiem Himmel. Dort wird noch eine bestehende niedrige Mauer zum Nachbargrundstück deutlich erhöht und darüber ein Dach aufgesetzt. Das passiert im Januar. Im März ist die komplette Fertigstellung geplant.

Modernste Technik setze Loacker am Standort Wonfurt ein, betont Niederlassungsleiter Matthias Köhler. Er spricht von einem "Vorzeigebetrieb". Köhler hofft und geht davon aus, dass der Betrieb mit den baulichen und technischen Veränderungen eine gute Zukunft vor sich hat. Ohne die negativen Schlagzeilen der Vergangenheit.
Das hoffen auch Peter Werner, der Sprecher der Bürgerinitiative "Lebenswertes Wonfurt", und das Landratsamt als Aufsichtsbehörde. "Ich bin positiver Hoffnung", dass der Skandal ein Ende hat, sagt Werner, der teilweise heftige Auseinandersetzungen mit dem Unternehmen geführt hatte. Er ist überzeugt vom Erfolg der Mediation ("wenn man miteinander kommuniziert, kommt meistens etwas Gutes dabei heraus") und glaubt auch deshalb an den Erfolg, weil sich Loacker keinen zweiten Skandal leisten kann. Werner hofft, dass bei der für März angepeilten Fertigstellung und baulichen Abnahme auch der Gutachter der Bürgerinitiative dabei ist. Und dann kommt es darauf an, wie der Recyclingbetrieb im teilweise neuen Haus mit neuer Technik läuft. Überwachung muss sein, fordert Peter Werner. "Ich bin überzeugt, dass man darauf schauen muss."

Das wird das Landratsamt tun, versichert Adelinde Friedrich. Die Leiterin der Abteilung Bau und Umwelt kündigt eine regelmäßige Überwachung des Betriebes sowie die Prüfung der erforderlichen Dokumentationen und der Einhaltung der Auflagen an. Zudem sei das Landesamt für Umweltschutz beteiligt.

Derzeit passen nach ihren Angaben die Werte beim Recycling in Wonfurt. Das Landratsamt begleitet die bauliche und technische Optimierung. Adelinde Friedrich: "Wir sind sehr positiv gestimmt", dass es gut ausgeht.

Die Firma Loacker hält am Standort Wonfurt fest