Wegen einer Reihe bizarr anmutender Straftaten hat das Schöffengericht am Amtsgericht in Haßfurt am Mittwoch einen 37-jährigen Arbeiter aus dem Maintal zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten verurteilt, die das Gericht für vier Jahre zur Bewährung aussetzte. Die Staatsanwaltschaft hatte dem Angeklagten räuberischen Diebstahl, tätlichen Angriff auf Vollstreckungsbeamte, einfachen Diebstahl in drei Fällen, Hausfriedensbruch und fahrlässige Trunkenheit im Verkehr zur Last gelegt.

Die Serie begann am 20. März vergangenen Jahres, als der Angeklagte in einem Zeiler Supermarkt eine Packung Zigaretten vor den Augen der Kassiererin in seine Jackentasche steckte und dabei ankündigte, die Ware nicht zu bezahlen. "Es war eine komische Situation", sagte die Kassiererin vor Gericht. Denn der Dieb suchte nicht etwa rasch das Weite, sondern folgte der Aufforderung der Filialleiterin, auf das Eintreffen der telefonisch angeforderten Polizeistreife zu warten. Dies tat der Dieb, indem er vor dem Markt wartete und dabei genüsslich eine gestohlene Zigarette rauchte.

Den Polizeibeamten verweigerte er dann die Herausgabe des Diebesgutes, wie bereits zuvor der Filialleiterin. Als die Beamten den Dieb fesseln wollten, wehrte er sich mit Treten, Schlagen und Spucken, traf dabei aber niemanden, schilderte einer der beteiligten Polizisten im Zeugenstand.

Der zweite Streich folgte am 7. April vergangenen Jahres. Abends gegen 19.30 Uhr hatte der Angeklagte Durst. Um den zu stillen, schleppte er aus einem anderen Zeiler Supermarkt einen Kasten Bier an der Kasse vorbei, ohne zu zahlen, und setzte sich auf einen Stuhl vor dem Markt, um sich eine Flasche des geklauten Biers schmecken zu lassen, bis die vom Marktleiter gerufene Polizeistreife eintraf.

Am 18. Mai setzte er mit vier Straftaten an einem Tag noch eins drauf. Gegen 14 Uhr stahl er aus einem Supermarkt in Ebelsbach Käse und Fisch für 3,32 Euro. Dabei wurde er erwischt und erhielt Hausverbot, was ihn jedoch nicht davon abhielt, um 17 Uhr wieder im Markt zu erscheinen, um Lebensmittel im Wert von 19,50 Euro mitgehen zu lassen. Dies tat er wieder ohne jegliche Tarnung, indem er mit der Ware unterm Arm sich an den Kunden an der Kasse vorbei drängelte. Zuguterletzt wurde der Serientäter von den Ordnungshütern erwischt, als er in Ebelsbach gegen 18 Uhr mit 2,2 Promille Alkohol intus mit seinem Fahrrad unterwegs war - deutlich über der Grenze von 1,6 Promille.

Auf der Anklagebank räumte der Angeklagte die Vorwürfe weitgehend ein, distanzierte sich aber davon, Widerstand gegen die Polizeibeamten geleistet zu haben. Bei allen Straftaten hatte er mindestens zwei Promille Alkohol in der Blutbahn. Zudem habe er damals keine Medikamente gegen sein psychisches Leiden genommen, sei obdachlos und mittellos gewesen, sagte er vor Gericht. Sein Betreuer, der im Gerichtssaal neben ihm saß, sagte, dass sein Mandant seit langem keinen Kontakt mehr zu seinem Vater habe und auch das Verhältnis zur Mutter sei nicht einfach. Nach Selbstmordversuchen und Angstattacken habe er nun die "Kurve gekriegt". Er besuche regelmäßig die Suchtberatung der Caritas und nehme regelmäßig seine Medikamente.

Eine von Verteidiger Andre Kamphausen vorgeschlagene Einstellung des Verfahrens lehnte der Staatsanwalt ab aufgrund des Vorstrafenregisters des Angeklagten mit sieben Eintragungen. Der Anklagevertreter forderte eine Bewährungsstrafe von 13 Monaten plus einer Geldauflage von 500 Euro an eine gemeinnützige Organisation. Der Verteidiger hielt eine sechsmonatige Bewährungsstrafe plus Arbeitsstunden für ausreichend. Es habe sich um "offene, völlig untypische Diebstähle" gehandelt. Sein Mandant habe quasi "um Strafe gebettelt" und sei nicht voll schuldfähig, sagte der Anwalt.

Das Gericht blieb zwischen den beiden Anträgen. Als Auflage muss der Verurteilte 80 Stunden gemeinnützige Arbeit verrichten und noch viermal die Suchtberatung aufsuchen. Die Diebstähle seien auf eine "bizarre Art und Weise" geschehen, sagte Richterin Ilona Conver in der Urteilsbegründung. Da es sich um die erste Freiheitsstrafe für den Angeklagten handelt und er offenbar die Kurve gekriegt hat, konnte die Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden.