Corona ändert alles. Auch an Dreikönig. In desem Jahr ziehen erstmals seit Jahrzehnten nirgends im Land die "Sternsinger" von Haus zu Haus, um den Haussegen zu spenden und für arme Kinder in anderen Ländern zu sammeln.

Stattdessen müssen alternative Konzepte her, denn die Botschaft - die Weihnachtsgeschichte und der Segen aus der Weihnachtskrippe am Beginn eines neuen Jahres - tut gerade in Corona-Zeiten und in den Tagen "zwischen den Jahren" allen Menschen gut. "Gleichzeitig ist die Aktion ein Zeichen der Solidarität mit hilfsbedürftigen Kindern und Jugendlichen in der Welt, das nicht fehlen oder entfallen darf", schreibt der Diözesanverband Würzburg des Bunds der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Er führt die Aktion seit fünf Jahrzehnten vereint mit dem Kindermissionswerk "Die Sternsinger" durch.

Die 63. Sternsingeraktion steht unter dem Leitwort #hellerdennje: Die Welt braucht eine frohe Botschaft". Der Aktionszeitraum wurde nach Rücksprache des Kindermissionswerkes mit der deutschen Bischofskonferenz bis zum 2. Februar verlängert.

Für die "Sternsinger" bedeutet der Lockdown, dass mit dem Besuch an den Haustüren vermutlich auch viele Spendengelder verloren gehen werden. In den letzten Jahren waren jeweils rund 50 Millionen Euro an Spendengeldern für den guten Zweck zusammengekommen. Das "Dreikönigssingen" gilt als weltweit größte Solidaritätsaktion, bei der sich Kinder für Kinder in der Not engagieren. Diözesen und Kirchengemeinden haben gemeinsame Überlegungen angestellt, wie es doch Möglichkeiten gibt, um diesen Tag und der Aktion unter Einhaltung der Hygienebestimmungen gerecht zu werden.

Segen ist immer möglich

Diakon Joachim Stapf von der Pfarreiengemeinschaft "Maintal/Heilige Länder" vertritt die Meinung, dass der Segen deshalb nicht ausfallen müsse. Man könne diesen Dreikönigssegen zu einem Fest für die ganze Familie machen. "Segen ist immer dort möglich, wo Menschen miteinander beten oder wo man sich etwas Gutes wünscht", sagt er.

So könnte man sich am Dreikönigstag als Familie am Mittagstisch versammeln, ein Weihnachtslied singen und die Frohe Botschaft nach Matthäus 2,1-12 lesen, kurz darüber sprechen und einen guten Wunsch für das neue Jahr formulieren. Nach dem Vaterunser und einem Segensgebet könnte die Familie nach Stapfs Vorstellung zur Haustüre gehen und den Segen "20 - C+M+B-21" mit Kreide anschreiben oder an die Tür kleben. Die Buchstaben stehen für "Christus mansionem benedicat" - Christus segne dieses Haus.

In etlichen Pfarreien plant man, "Segenspakete" oder "Segenstütchen"zusammenzustellen und sie an die Haushalte zu verteilen. Darin soll ein offener Brief sein, ein gesegneter Aufkleber, womöglich ein Stück Kreide, ein Info-Flyer und ein Spendentütchen für die Sternsingeraktion. Entweder sie werden in die Briefkästen gesteckt oder - in den meisten Fällen- zum Abholen in der Kirche bereitgestellt. So finden beispielsweise die Christen in Zeil, Sand, Krum und Ziegelanger das Sternsingermaterial in den Kirchen. "Darüber hinaus können Interessenten geweihte Kreide mitnehmen, um selbst den Segen zu schreiben", teilt Pfarrer Michael Erhart mit.

Ähnlich verfährt man in den Orten der Pfarreiengemeinschaft "Gemeinsam unterwegs" Ebern, Jesserndorf und Unterpreppach und in den Pfarreien der Pfarreiengemeinschaft St. Kilian (Haßfurt). Außer in den Kirchen der Pfarrorte stehen die Tütchen teils auch bei Privatfamilien in Augsfeld (Müller und Lentz) oder in Haßfurt bei der Bäckerei Jüngling und im Rewe-Markt bereit. In Königsberg und den umliegenden Ortschaften werden die Segenstüten in den katholischen und evangelischen Kirchen bereitgestellt.

Nicht komplett gestrichen

"Der Neujahrssegen kommt in diesem Jahr auf etwas anderem Weg zu den Leuten ins Haus", sagt Eberns Pfarrer Rudolf Theiler. Beim Festgottesdienst in St. Laurentius, den die Pfarrei als Video ins Internet stellt, wird eine Sternsingergruppe stellvertretend für all jene Könige dabei sein, die heuer passen müssen.

Das heißt, ganz abgeblasen ist die Aktion nicht, denn es besteht Hoffnung, dass die Pandemie-Beschränkungen im Frühjahr gelockert werden können. "Vielleicht ist ja in den Osterferien etwas möglich", meint der Eberner Stadtpfarrer. Marion und Patrick Hanus, die die Aktion in den Eberner Pfarreien seit etlichen Jahren betreuen, wollen sie auf jeden Fall durchführen, "wenn es sein muss, auch im November".

Schließlich geht es um den guten Zweck, wie Pfarrer Eschenbacher betont: "Wir bitten darum, auch unter diesen besonderen Umständen die Aktion Dreikönigssingen finanziell zu unterstützen. Mit Ihrer Spende helfen Sie Kindern in Not weltweit."

Wer will, kann seine Spende im Pfarrbüro bar abgeben, in manchen Kirchen stehen Boxen oder Körbchen bereit.

Zudem ist die Sammelaktion alle Jahre wieder ein Erlebnis für die Kinder und Jugendlichen. Viele Sternsinger sind enttäuscht, weil sie sich nicht auf den Weg machen dürfen. "Es war schön in unseren Kleidern von Haus zu Haus zu ziehen und unsere Gedichte vorzutragen. Die Leute waren immer so froh, lächelten uns an und haben sich bedankt, wenn wir ihnen den Segen für ihr Haus gebracht haben", sagt Nicolas, der letztes Jahr den Balthasar mimte und den Weihrauch trug.