Die Maschinen brummen laut, Saft und Maische tropfen auf den Boden und überall riecht es nach frischen Äpfeln: In der Sander Kelterei von Rainer Märkl herrscht gerade Hochbetrieb. Nach der Ernte geben Privatleute wie jedes Jahr aufgelesenes Obst vom Garten und öffentlichen Fluren dort ab, um frischen Saft zu erhalten. Von Ende August bis Mitte November läuft die Saftsaison.

Auswirkung des Hitzesommers

"Normal wäre jetzt Hochsaison, aber alles ist etwa zwei Wochen früher als sonst", sagt der Keltereibetreiber. Durch die Hitze und Trockenheit im Sommer sind viele Äpfel trockener geworden, und die Ernte ist etwas niedriger ausgefallen als normal.

"Normal wäre jetzt Hochsaison, aber alles ist etwa zwei Wochen früher als sonst", sagt der Keltereibetreiber. Durch die Hitze und Trockenheit im Sommer sind viele Äpfel trockener geworden, und die Ernte ist etwas niedriger ausgefallen als normal.

"Trotzdem war es von Anfang an ein gutes Obstjahr", erzählt er. Im Vergleich zum Trocken-Jahr 2003 hat es, wie Märkl sich erinnert, damals fast gar keine Äpfel gegeben. "Heuer sind wir noch mal davongekommen", sagt er mit einem Lachen.

Im Landkreis steht es gut um die Obstbäume: "Der Bestand an Streuobstwiesen und Baumreihen entlang der Flurwege bleibt fast gleich", sagt Guntram Ulsamer, Kreisfachberater für Gartenbau und Landespflege.

Nur einzelne Bäume sterben ihm zufolge aufgrund ihres Alters ab. Da die Bäume nicht gespritzt werden, könne man bedenkenlos das Obst auflesen, meint Ulsamer. Was ihm Sorge macht ist der bedenkliche Pflegezustand dieser Bäume: "Der regelmäßige Schnitt fehlt."

So werden Äpfel gepresst

Im Landkreis "dominieren Apfelbäume extrem", so der Kreisfachberater. "Sonst sind in die Streuobstbestände auch Birnen gemischt." Kirschbäume gebe es nur selten, Quittenbäume kämen überhaupt nicht vor. Zwar läuft bei Rainer Märkl ab und an auch Birnen- und Quittensaft aus der Presse, meistens ist es aber Apfelsaft. "Etwa eineinhalb Kilo Äpfel benötigt man für einen Liter Apfelsaft", berichtet Märkl.

Im Schnitt presst er 1500 Liter am Tag, und das geht so: "Zuerst werden die Äpfel ins Wasserbecken gegeben", sagt Rainer Märkl. Die Schnecke transportiert sie in die Obstmühle, wo sie gehäckselt werden. "Man kann das mit einer runden Küchenreibe vergleichen", sagt er. Die Äpfel werden dadurch zur Maische, welche auf der Bandpresse landet. Dort läuft die Maische durch die Walzen und wird gepresst. Am Ende fällt sie vom Band in den Auffangbehälter. Die Reste, der Obsttrester, sind kostbar: als Futter für Wildtiere.

Der gewonnene Saft fließt in einen Behälter ab. Nach dem Pressvorgang wird der Saft durch einen Schlauch ins Fass gefüllt. "Dort bleibt er erst einmal drin, bis sich der Trub abgesetzt hat", sagt der 49-Jährige. Danach läuft der Apfelsaft durch einen Separator und wird auf 80 Grad Celsius erhitzt, "damit Bakterien absterben und er lange haltbar ist". Abschließend wird der Saft in Kartons gefüllt. Die Arbeit ist in Vielen noch echte Handarbeit: Um die Bandpresse für den nächsten Tag einsatzbereit zu haben, muss sich Märkl eine Stunde am Abend Zeit nehmen zum Putzen.

"Früher war das Saftpressen aufwendiger", erinnert er sich. Bis 2013 besaß er die Packpresse seines Großvaters. "Da wird die Maische in Tücher eingepackt und ein Lattenrost darauf gelegt, dann wieder eine eingepackte Maische und ein Rost im Wechsel. Am Ende wird das alles dann im Ganzen gepresst." Eine neue Bandpresse kostet rund 80 000 bis 100 000 Euro. Rainer Märkl konnte eine günstige erwerben - die Investition, sagt er, hat sich gelohnt.

"Ich betreibe das hier in der dritten Generation. Schon als ich 15 Jahre alt war, bin ich nach der Schule mit dem Fahrrad hierher gefahren und habe die Kelterei aufgesperrt, bis mein Vater gekommen ist." Als dieser 1995 starb, hat Rainer Märkl die Kelterei übernommen.

Mehr Kunden als früher

Der Keltereibetreiber hat einen festen Kundenstamm. "Das geht querbeet. Da sind alle Schichten und Altersgruppen vertreten", sagt er. Und auch neue Gesichter finden zunehmen den Weg in die Kelterei. "Der Trend geht deutlich hin zum Apfelsaft. Früher haben die Leute mehr Apfelmost getrunken oder aus den Äpfeln Apfelschnaps gebrannt, heute machen sie lieber Saft daraus."

Das motiviert den 49-Jährigen. "Solange das Wetter und Klima mitspielen, werde ich die Kelterei noch weiterbetreiben."

Für Guntram Ulsamer ist das sehr erfreulich. Ein Ziel der Gartenfachberatung am Landratsamt ist, dass die Menschen den Streuobstanbau höher wertschätzen - nicht nur, wenn es darum geht, das Obst aufzulesen, sondern auch wegen der regelmäßigen Pflegeschnitte. Wer gerne frisch gepressten Apfelsaft trinken will, der sollte am 14. Oktober zum Eberner Apfelfest.