Vor allem Frauenherzen schlagen höher. Zu putzig ist der kleine Mann mit den übergroßen Kopfhörern und der Mini-Gitarre um den Hals. Als er dann auch noch bei Louis Armstrongs Evergreen "What a wonderful world" wie ein alter Bühnenhase selbst ins Mikrofon zwitschert, sind 2400 Fans der Kelly-Family aus dem Häuschen. Die entzückende Gesangseinlage des vierjährigen Dreikäsehochs William ist ein erster emotionaler Höhepunkt beim Auftritt von Angelo Kellys Familie vor rund 2400 Zuschauern im Schlosshof von Eyrichshof (Stadt Ebern) 2019.

Das Nesthäkchen live

Der Hosenmatz plappert schon mal unbekümmert und ungeplant in eines der vielen Mikrofone, liefert dem begeisterten Publikum aber eine ähnlich souveräne Performance wie seine älteren Geschwister Joseph, Emma, Helen und Gabriel. Angelo Kellys-Familie ist bei ihrer "Irish Summer Tour" erstmals siebenköpfig vertreten. Beim ersten Auftritt seines Nesthäkchens gestand der heute 38-Jährige später in einem Interview, habe er selbst vor Rührung geweint und konnte den Rest des Songs fast nicht mehr singen.

Williams Kurzauftritt wird zu einem festen Bestandteil der Show, ist jedoch nach zwei Liedern bereits beendet. Dann wird der Vierjährige einer Nanny übergeben, die ihn im Tourwagen ins Bett befördert - "ehe jemand auf den Gedanken von Kinderarbeit zu später Stunde kommt", schreibt FT-Redakteur Ralf Kestel tags darauf in seinem Bericht über die stimmungsvolle Veranstaltung beim "Rösler-Open-Air" im Schlosshof im Sommer 2019. Doch dafür war es wohl bereits zu spät.

Der Auftritt des Dreikäsehochs bringt den Eltern Angelo und Kira Ärger ein, nicht nur weil er lange nach dem Sandmännchen erfolgte. Ärger gibt es offenbar, weil der Knirps grundsätzlich noch nichts "on stage" zu suchen habe. So hat das gezielt eingesetzte Großfamilien-Happening nun ein juristisches Nachspiel.

Angelos eigene Kindheit

So einfach wie in den 1980er Jahren ist es heute nicht mehr. Damals tingelte Angelo, jüngstes von zwölf Kindern, mit seiner Familie als Straßenmusiker durch Europa und die USA. Seine ersten Gesangspassagen als Vierjähriger sind auf der 1985 erschienenen Single "Hiroshima - I'm sorry" dokumentiert. Später reiften Angelo und Bruder Paddy zu den Stars der weltberühmten Kelly-Family.

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Über die Vermarktung der Kinder im Musikbusiness wurde schon damals heftig diskutiert. Nun haben deutsche Behörden den Vater der neuen, kleineren Kelly-Großfamilie auf dem Kieker. Beim Gewerbeaufsichtsamt in Würzburg wurde laut FT-Informationen Anzeige gegen Angelo Gabriel Kelly erstattet. Der Barde war zuverlässigen Angaben zufolge bereits in anderen Bundesländern mit Strafen belegt worden und wusste, dass sein Vierjähriger nicht mit auf die Bühne durfte. Angeblich hatte ihn das Gewerbeaufsichtsamt Unterfranken sogar vorgewarnt.

Die Familie hielt dennoch zusammen. Gerade weil er um die Schattenseiten des Ruhms und des Hypes um einen einzelnen Teeniestar weiß, ist dem Fünffachpapa echter Familien-Zusammenhalt wichtig. Niemand sollte nach seiner Überzeugung bevorzugt oder ausgeschlossen werden. Auch nicht der kleine William. Zudem: Was wiegen ein paar Hundert Euro Bußgeld gegen den Sympathie-Effekt der Hosenmatz-Einlage?

Neuer Gerichtstermin

So nehmen die Kellys wohl auch Konflikte mit dem Gesetz in Kauf. Nach dem Auftritt in Eyrichshof läuft ein Bußgeldverfahren wegen Ordnungswidrigkeiten. Der Vorwurf lautet laut Kerstin Leitsch, Pressesprecherin am Amtsgericht in Haßfurt, "Verstoß gegen das Jugendschutzgesetz". Den Verhandlungstermin, ursprünglich für Donnerstag, 10. Dezember, hat das Haßfurter Gericht zuletzt auf 2. Februar (10 Uhr) vertagt.