"Das ist für mich ein ganz neues Erlebnis", sagt Linda Schmitt, als sie dem Angushof Schauer im Eberner Stadtteil Bramberg einen zweitägigen Besuch abstattet. Die 17-Jährige ist eine von insgesamt sechs Jobentdeckern, die - gefördert durch das Regionalmanagement und unter dem Label der "Bildungsregion Landkreis Haßberge" - die vielfältigen beruflichen Möglichkeiten im Landkreis erkunden. Dabei sollen sie Erfahrungen für ihre eigene Berufswahl sammeln, ihre Erlebnisse mit der "Community" teilen und damit an andere Jugendliche weitergeben.

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Linda ist nicht ganz unbedarft in Sachen Landwirtschaft. "Mein Onkel hat auch einen Bauernhof und hält Milchkühe", so die Jobentdeckerin. Was sie aber jetzt bei der Familie Schauer erleben darf, ist etwas ganz anderes. 80 Angus-Rinder, darunter 30 Mutterkühe, genießen hier in Kleingruppen neun Monate im Jahr ihr Leben auf großen Weiden. "Wir haben Weideland in Bramberg, Ebern, Reckenneusig und Prappach, das jeweils bis zu sieben Hektar groß ist", ergänzt Rainer Schauer, der zusammen mit seiner Frau Katja vor 15 Jahren den Schritt in die nebenberufliche Selbstständigkeit als Direktvermarkter wagte. "Man weiß am Abend schon, was man getan hat", sagt Katja Schauer schmunzelnd, denn das Ehepaar arbeitet noch zusätzlich in einem großen Eberner Betrieb.

Die "gute Fee" des Hofes

Zwar helfen auch die Kinder Amelie (14) und Max Xaver (11) beim Versorgen der Tiere und im Verkauf, dennoch haben die Schauers vier Angestellte auf Minijob-Basis, damit alles rund um die Rinder einwandfrei funktioniert. Als "unsere gute Fee" bezeichnet Rainer Schauer beispielsweise Ramona Krauser, die von allen nur liebevoll "Momo" genannt wird. Auch Jobentdeckerin Linda war sofort auf einer Wellenlänge mit der jungen Frau und half ihr bei der Arbeit, nämlich Packungen mit Angus-Hackfleisch zu verwiegen und zu etikettieren. "Das ist toll, dass ich wirklich richtig mithelfen darf", freut sich Linda, die die Leidenschaft der Familie Schauer und deren Angestellten richtig spürt.

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Sogar der Nachwuchs kommt auf dem Angushof auf natürliche Art und Weise zur Welt. Weil er dem künstlichen Besamen eine Absage erteilte, hat sich Rainer Schauer den zweitschönsten Bullen von ganz Bayern vor einigen Jahren bei den süddeutschen Fleisch- und Rindertagen in Ansbach gekauft. Der Zuchtbulle kommt meist Mitte März in die Herde, damit die ersten Kälber um die Weihnachtszeit geboren werden. Die Schauers praktizieren eine Winterabkalbung, da die Rinder über den Winter im großzügig angelegten Laufstall sind und so eine leichtere Übersicht bei sehr selten auftretenden Abkalbe- und Kälberproblemen gewährleistet ist. "Das Wohl der Tiere, also die Gesundheit und Sicherheit, geht bei uns über alles!", so der Nebenerwerbslandwirt.

Tierische Mutter-Kind-Bindung

Die dann geborenen Kälber können etwa zehn Monate an ihrer Mutterkuh säugen. Das ist anders als in der Milchviehhaltung, wo die Kälber meist nach dem ersten Tag von der Kuh getrennt werden und nach kurzer Zeit ausschließlich Milchaustauscher zum Trinken bekommen, erklärt Schauer. Die Jungbullen werden auch mit etwa zehn Monaten, also kurz vor der Geschlechtsreife, vom Muttertier getrennt und bleiben bis zur Schlachtung mit etwa 18 bis 24 Monaten im "Männerverbund". Sie verbringen auch den Sommer auf der Weide und werden nicht im Stall gemästet.

Ein wichtiges Thema für Schauer ist auch die Landschaftspflege, die ihn zur Haltung seiner Rinder in der Natur bewogen hat. So bleiben wichtige Pflanzen erhalten, wie die Kuhschelle, die auf den Weiden in Prappach wächst. Solange die Kühe und Bullen auf der Weide stehen, bekommen sie ausschließlich Gras. Im Winter wird im Offenstall Heu, Stroh und Grassilage aus eigener Erzeugung zugefüttert. Dafür hat die Familie Schauer über 100 Hektar Ackerfläche, auf der in einer fünfgliedrigen Fruchtfolge Hafer, Klee, Erbsen, Dinkel und Mais angebaut werden. Was nicht für die eigenen Tiere gebraucht wird, wird vermarktet. Lediglich das Mineralfutter und die Malzkeime werden von der Bamberger Traditionsbrauerei "Schlenkerla" zugekauft. Auf Maissilage und Soja werde aber gänzlich verzichtet, so Schauer.

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Linda zeigt sich von der aufwendigen Viehhaltung fasziniert, ist aber auch von der Herstellung und Vermarktung der Rindfleisch-Produkte beeindruckt. "Bei uns ist alles Bio", sagt Schauer, der einmal pro Monat einen Jungbullen in einen zertifizierten Schlachtbetrieb nach Kulmbach fährt. Nach der Schlachtung wird das Fleisch 14 Tage zum Reifen zur Metzgerei Schoppel im nahen Frickendorf gebracht und dort vom Metzgermeister zerlegt, portioniert und vakuumiert.

80 Prozent der Produktion seien Vorbestellungen, die den Monat über zusammenkommen, verrät Schauer. Der Rest landet im freien Verkauf. Einmal im Monat, wie jetzt beim Besuch von Linda, wird ein Verkaufsstand im Hof der Schauers aufgebaut und die Kunden holen ihre bestellten Angus-Spezialitäten ab. Einen Tag nach dem heimischen Verkauf beliefern die Schauers ihre Kunden im Raum Oberfranken. Hier haben sie auch einmal monatlich ihren Stand vor der Bioland-Gärtnerei Niedermaier in der Bamberger Mittelstraße. Natürlich war Jobentdeckerin Linda auch hier dabei, wo sie ihr verkäuferisches Talent für sich entdeckte.

Berufliche Erfahrungen sammeln

Und noch etwas hat Linda herausgefunden: Der Angushof Schauer ist einer der Praxisbetriebe, in dem zukünftige Landwirte im Rahmen des Bildungsprogramms Landwirt (BiLa) Erfahrungen sammeln. Das Programm richtet sich an landwirtschaftliche Unternehmer und Hofnachfolger, die einen außerlandwirtschaftlichen Beruf erlernt haben und den landwirtschaftlichen Betrieb im Nebenerwerb weiterführen wollen. Besonders stolz zeigt sich Rainer Schauer, dass einer seiner Praktikanten im vergangenen Jahr der Prüfungsbeste war.

Weitere Infos zum Projekt "Jobentdecker" gibt es unter www.jobentdecker.hassberge.de. Mehr über den Angushof erfahren Sie auf www.angushof-schauer.de.