Wenn der Mähdrescher vor der Abendsonne über das Feld fährt, um die Ernte einzuholen, sieht das auf jeden Fall auch so aus. Aber der junge Mann, der den Generationenbetrieb in Zeil weiterführen wird, fühlt sich auch nach dem dritten Jahr mit übermäßiger Trockenheit nicht so ganz wohl. "Wir kommen zwar mit einem blauen Auge davon, aber von einer guten Ernte kann man definitiv nicht sprechen", sagt er.

Im April und Mai hat es im Maintal, wo er viele Felder hat, höchstens zwei bis drei Liter Wasser geregnet, und "das zählt nicht", denn in dieser Zeit liegt sie Saat schon im Boden und sollte sich entwickeln. Das Keimen verzögerte sich um vier bis sechs Wochen und die Zeit fehlte.

Bessere Böden, schildert der junge Zeiler, haben diese Regenlücke besser überbrückt, aber auf mittleren und schlechten Standorten gab es eine schlechte Ernte. "Wenn es nicht im Juni geregnet hätte", setzt Daniel Diehm nach, wäre dies das schlechteste Jahr seit ganz ganz Langem geworden.

2020 keine überragende Ernte

Manfred Kraus ist der Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands (BBV) Haßberge-Schweinfurt. Und steht als solcher mit vielen Landwirten im Landkreis in Kontakt: 2020 das sei keine überragende Ernte, merkt er an. Allerdings gab es punktuell Überraschungen. Wo der Regen fiel, da waren Landwirte ohne große Hoffnungen "angenehm überrascht. Wenn es mehr wird, freut man sich umso mehr."

Das Jahr fing aber schon nicht gut an, erinnert Kraus: Die Wintergerste ist in der Blüte erfroren, was zu kräftigen Ertragseinbußen führte. Und auch der Raps kam nicht aus den Startlöchern. Wobei der Raps sich inzwischen auf einem niedrigen Anbauniveau verfestigt hat. Seit dem Verbot der Neonikotinoide können die Landwirte nicht mehr das mit dem Fraßgift ummantelte Samenkorn anwenden. Da der Raps sehr viele Fraßfeinde hat, ist sein Anbau kräftig zurückgegangen.

Wer die Trockenheit verträgt, das ist der gute alte Dinkel: Sowohl bei konventionell wie bei ökologisch wirtschaftenden Landwirten nimmt sein Anteil zu. Im Übrigen kann Kraus von einer deutlichen Zunahme der Öko-Bauern im Landkreis berichten.

Die Preise für Bio sind höher, was die Landwirte ermutigt. Freilich müssen sie für eine Zulassung bei Anbietern wie Naturland, Demeter oder Bioland erst einmal eine zwei oder mehrjährige Umstellungsphase aushalten und diese "Umstellungsware" bringt nicht so viel ein.

"Mit der A-Ware bei Dinkel und Hafer ist gutes Geld verdient", sagt Kraus, fragt sich aber auch, wie es weitergeht, wenn es immer mehr Bio-Landwirte gibt. Die Preise richten sich nach den Marktverhältnissen.

Hoffnung richtet der BBV-Vertreter beim Blick auf den konventionellen Anbau auf neue Züchtungen, die die Trockenheit einfach besser aushalten.

Ansonsten ließ dieses Jahr auch bei Futter- und Silage-Mais sowie bei Futterrüben viele Wünsche offen: Auf den Feldern ein trauriger Anblick, die vertrockneten Pflanzen. Solchen "lausigen Mais" kann keiner gut verwenden, denn in den Kolben steckt Kraft und Feuchte, wenn sich die Kolben nicht ausbilden, ist auch die Silage nichts.

Die Bischwinder sind zwar keine Gallier, wie bei Asterix und Obelix könnte man sich in dem Eberner Stadtteil aber trotzdem fühlen. Denn hier pflegen sie den Eigensinn. Naturland-Bauer Klaus Schineller ist sehr stolz darauf, dass fast die Hälfte der Bauern am Raueneck nach Biokriterien wirtschaften. Auf eines können diese vertrauen: "Die Preise fallen nicht." Schineller schmunzelt und gibt auch zu, dass der konventionelle Landwirt seine fünf Tonnen pro Hektar Getreide erwirtschaften kann, während es beim Öko-Landwirt höchstens drei Tonnen sind. Aber dafür, dass sie keinen Kunstdünger verwenden, erhalten sie wenigstens mehr Geld. Und noch etwas: Weil bei Bio-Böden auf die Humusbildung geachtet werde, könnten die Böden mehr Wasser aufnehmen. Das sei bei einer solchen Trockenheit ein Faktor.

Ja klar, auch bei Schineller war die Ernte nicht ganz so toll, der Weizen durchschnittlich bis schlecht, zählt er auf, der Roggen sei sehr in die Hose gegangen, nicht mal die Hälfte des gedachten Ertrags hat es gegeben. Da will es Schineller 2021 mal mit einer neuen Sorte probieren, die aus ganz alten Sorten zusammengestellt worden ist.

Hingegen der Hafer: Da strahlt er, "So eine gute Ernte hatte ich noch nie!" Und auch mit den Kartoffeln und den Sonnenblumen ist er zufrieden. Überhaupt ist Klaus Schineller ein Verfechter alter Sorten. Als Sprecher der Naturland-Bauern in den Haßbergen will er dafür kämpfen, dass alte Sorten nicht verschwinden.

Ein Traum für ihn ist die Weizensorte "Capo", die "kommt mit der Trockenheit zurecht". Der Saatguthersteller wolle sie einstellen, doch den Hafer "Bodo" möchte Schineller nicht missen.

Seit 23 Jahren ist er Öko-Landwirt mit Herz und Seele. Warum bei Naturland? Weil die auch auf soziale Aspekte wert legen. Mitarbeiter sollen gut bezahlt werden. So wird es bei Discountern wie Lidl bis auf weiteres keine Naturland-Produkte geben. Dafür lädt Bauer Schineller einmal im Jahr seine Rummelsberger ein. Die Menschen mit schwerem Handicap sind dann auf dem Feld willkommen, wo sie bei der Kartoffelernte helfen dürfen. Und zum Essen sind sie nachher auch noch eingeladen. Ein Bauer mit Herz eben.