Fassungslos und weinend steht eine Gruppe junger Leute am Straßenrand im Waldgebiet zwischen Lichtenstein und Dürrnhof. Manche halten sich an Grablichtern fest, andere umarmen sich. An dieser Stelle ist am Samstagnachmittag ihr Freund tödlich verunglückt.

Mit seiner kleinen Enduro-Maschine, einer Yamaha XT. "Ausgerechnet er", sagt einer aus der Gruppe, "wo er immer besonders vernünftig gefahren ist." Der jetzt Verunglückte sei immer der Warner gewesen, der die anderen in der Motorradgruppe zum Langsam-Fahren und zur Vorsicht mahnte.

Nie mehr als 100 sei er auf der Bundesstraße gefahren und als Ältester auch immer der Vernünftigste in der Gruppe gewesen; einem losen Zusammenschluss von Zweiradfans, der sich seit zwei oder drei Jahren praktisch jedes Wochenende zu Ausfahrten mit dem Motorrad trifft. Und nun starb der 41-Jährige selbst, nur zwei Kilometer von seinem Heimatort entfernt, bei einer Spritztour am Lichtensteiner Berg.

Fahrradfahrer entdeckt Leiche

Die grausige Entdeckung machte am Samstag, kurz nach 16 Uhr, ein Radfahrer, der im Waldgebiet auf der kurvenreichen Gefällstrecke zwischen Dürrnhof und Lichtenstein (Gemeinde Pfarrweisach) unterwegs war. Abseits der Kreisstraße HAS 46 entdeckte er die blaue Maschine und den Fahrer, der zu diesem Zeitpunkt bereits tot war. Der Radler verständigte umgehend die Polizei.

Wie die Pressestelle des Polizeipräsidiums Würzburg mitteilt, muss der Motorradfahrer zwischen 14 und 16 Uhr ums Leben gekommen sein. Der 41-Jährige war mit seinem Gelände-Moped im Auslauf einer Kurve von der Fahrbahn abgekommen und an einem Abhang gegen einen Baum geprallt.

Es gibt keine Zeugen

Nach den bislang vorliegenden Erkenntnissen steht für die Polizei die Unfallzeit nicht mit letzter Sicherheit fest. Bekannt ist, dass der Motorradfahrer gegen 14 Uhr daheim weggefahren ist und kurz nach 16 Uhr an der Unfallstelle aufgefunden wurde. "Da es für den eigentlichen Unfall keine Zeugen gibt, können zum Unfallzeitpunkt auch keine verlässlichen Angaben gemacht werden,", erklärt Karl-Heinz Schmitt. Der Erste Polizeihauptkommissar leitet die Pressestelle des Polizeipräsidiums.

Der Spurenlage nach zu urteilen, so heißt es im Pressebericht, war der Motorradfahrer in Richtung Lichtenstein gefahren. In einer Steigung kippte die Maschine im Auslauf einer unübersichtlichen Linkskurve bei Nieselregen und nasser Fahrbahn nach rechts weg.

Den Abhang hinab

Danach schlitterte das Motorrad auf der Fahrbahn entlang und kam von der Straße ab. Die Yamaha rutschte einen drei Meter tiefen Abhang hinunter und stieß nach etwa 20 Metern gegen einen Baum.

Durch die Wucht des Aufpralls wurde der Fahrer von seiner Maschine geschleudert und tödlich verletzt. Da die Unfallstelle von der Straße aus nicht zu sehen war und die Strecke auf der HAS 46 nicht sonderlich stark frequentiert ist, dauerte es offenbar einige Zeit, bis der Radfahrer zufällig auf das schreckliche Geschehen aufmerksam wurde.

In Absprache mit der Staatsanwaltschaft Bamberg wurde ein Sachverständiger hinzugezogen. Die Feuerwehr Pfarrweisach war im Einsatz, unter anderem um die Unfallstelle auszuleuchten. Die Strecke von Dürrnhof nach Lichtenstein war bis zum Abschluss der Unfallaufnahme gegen 19.30 Uhr gesperrt.

Mit Helmkamera gefilmt

Nähere Aufschlüsse zu dem Unfallgeschehen erhofft sich die Polizeiinspektion Ebern von den Aufzeichnungen einer Kamera, die auf dem Helm des Motorradfahrers installiert und während der Fahrt in Betrieb war. Ein Sachverständiger wird die Aufnahmen auswerten.

Nach Angaben seiner Freunde hatte der Verunglückte die Kamera erst seit Weihnachten. Damit filmte er Fahrten, die dann im Freundeskreis gezeigt wurden.

Das Hobby Motorrad war die Klammer, welche die Gruppe zusammenschweißte. Die Herkunft oder das soziale Umfeld waren egal. Noch am Vortag habe man per SMS gemeinsam geflachst, bemerkt einer, und zeigt seinen Freunden eine SMS auf dem Handy. Grinsen, trotz Tränen in den Augen. Als wäre der Tote noch mitten unter ihnen.

Jedes Wochenende sei man in einer losen Gruppe von etwa zehn bis 15 Leuten aus der Region, die sich jeweils per Internet verabredete, zu Ausfahrten unterwegs gewesen, manchmal auch zwei Mal am Wochenende. Wegen seiner geselligen Art und seiner Hilfsbereitschaft sei der 41-Jährige, der den Angaben zufolge weder Frau noch Kinder hinterlässt, sehr beliebt gewesen. Wenn einem der Jüngeren der Sprit ausging, es technische Probleme gab oder sonst wie Not am Mann, war der FTE-Beschäftigte immer zur Stelle.

Der Verunglückte besaß auch eine große BMW mit über 200 PS, die er nach Auskunft seiner Bekannten jedoch nie voll ausgefahren habe. "Er war ein Parade-Beispiel für Vernunft," sagt einer ungläubig mit den Kopf schüttelnd, "während wir Jungen manchmal total unvorsichtig drauf los gebrettert sind."

Stets habe sich der Pfarrweisacher an Tempolimits gehalten und die jungen Leute in der Gruppe vor den tückischen Kurven bei Würgau oder den Serpentinen des Hambachs gewarnt.

Eine Frau aus der Gruppe sagt. "Er war für uns der Hambach-Papi. Und jetzt ist er tot."